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Eine engagierte Sozialgemeinschaft

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Mit einer Urkunde und einem Geschenk ehrte Übersees Bürgermeister Marc Nitschke Helga Schur, die kürzlich die »Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschlands« vom Bundespräsidenten verliehen bekommen hatte. (Foto: vom Dorp)

Übersee. Über 100 Überseer Bürger, die sich beruflich und vor allem ehrenamtlich für den Ort einsetzen, kamen auf Einladung von Bürgermeister Marc Nitschke zur großen Weihnachtsfeier der Gemeinde in den Gasthof »Hinterwirt«. Im Mittelpunkt stand die Weihnachtssitzung des Gemeinderates. Auf der Tagesordnung standen mit den Berichten der Jugend- und Familienbeauftragten, der Familienhelferinnen und der Behindertenbeauftragten ausschließlich soziale Themen.


»Diese bereits vierte Weihnachtsfeier ihrer Art soll noch einmal alle für unsere Dorfgemeinschaft wichtigen Personen in der Vorweihnachtszeit zusammenführen und gleichzeitig ein Dank sein für deren unbezahlbares Engagement«, sagte Bürgermeister Marc Nitschke zur Begrüßung. Die Tagesordnung sei nicht nur dem weihnachtlichen Anlass angepasst, sie ging auch alle etwas an.

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Mit einer Urkunde und einem Geschenk ehrte Übersees Bürgermeister Marc Nitschke im Rahmen Weihnachtsfeier Helga Schur, die kürzlich die »Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschlands« vom Bundespräsidenten verliehen bekommen hatte (wir berichteten). Sie hatte sich viele Jahre lang um ein geistig und körperlich behindertes Nachbarkind gekümmert und ihm ein sorgenfreies und geborgenes Leben geboten.

In ihrer Eigenschaft als Jugend- und Familienbeauftragte berichtete anschließend Erika Stefanutti nicht nur von den segensreichen Einrichtungen der Gemeinde, wie der Aktion Dorfsommerkinder, Sansibar, Mittagsbetreuung sowie dem Jugendtreff, Neubürgerempfang, Helferkreis, Ferienprogramm, sondern auch den vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden der Jugendleiter in den Vereinen.

Laut Stefanutti hat der wöchentliche »Spielenachmittag« im Sommer im Zellerpark eine immer größere Bedeutung gewonnen. Zu diesem generationsübergreifenden Treffpunkt kämen bis zu 60 Besucher. Leiterin Martina Mitterer biete dort vom Baby bis zu den Großeltern ein außergewöhnliches und abwechslungsreiches Programm.

Auch von der im März eingerichteten, sogenannten Krisenwohnung berichtete Stefanutti: »Die Wohnung wird als vorü-bergehende, sichere Zufluchtsstätte für zwei bis drei Tage sowohl für Einzelpersonen als auch für Mütter mit Babys und Kleinkindern genutzt, ist aber ausdrücklich nicht als Obdachlosenwohnung konzipiert.«

Ein Großteil ihrer Arbeit bestehe laut Stefanutti aus Zuhören, Trösten und Ermutigen und daraus, den Menschen das Gefühl zu vermitteln, ihre Sorgen und Nöte zu verstehen. Der viel beachtete Erfolg der Sozialarbeit in Übersee liege nach ihren Worten in der dichten Vernetzung von Gemeinde, Kirche, VdK, Vereinen, Geschäftsleuten und Bürgern. »Alle sind bemüht, bestmögliche Lebensbedingungen vom Neugeborenen bis zu den Senioren im Ort zu schaffen.«

Als Vertreterin der seit einigen Jahren in Übersee ehrenamtlich arbeitenden Familienhelferinnen berichtete Uschi Geiger von der schon etablierten Kleiderkammer, die mittlerweile als »soziales Vorzeigeprojekt« für das gesamte Achental gilt, aber auch einen Einsatz von 1000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden pro Jahr erfordere.

Bewährt habe sich auch die Aktion »Wunschbaum«, die inzwischen von etlichen Nachbargemeinden aufgegriffen wurde und gerade jetzt wieder ihre segensreiche Wirkung zeige. Zunächst etwas belächelt, inzwischen aber hoch anerkannt, hat sich Geiger zufolge das Zelt der »Auszeit-Oase« auf dem Reggae-Fest entwickelt: »Hier werden überforderte Jugendliche mütterlich umsorgt.«

Als »große Wertschätzung für das soziale Engagement in Übersee« bewertete die Familienbeauftragte die Ernennung zum »Familienstützpunkt« im vergangenen Februar, den sie zusammen mit Stefanutti leitet. Mit einem eigenen Büro und neuerdings sogar mit einem von der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee gespendeten Auto sei der Familienstützpunkt Übersee die soziale Anlaufstelle für das gesamte Achental. Übersee ist der einzige der sechs ausgewählten Familienstützpunkte im Landkreis Traunstein, der ehrenamtlich arbeitet.

Die ebenfalls ehrenamtlich tätige Behindertenbeauftragte Josefine Steinbichl berichtete von praktischen und theoretischen Weiterbildungsmaßnahmen, Besuchen bei Kranken, Sterbenden und Demenzkranken sowie von ihrem Einsatz für einzelne Behinderte. Besonders am Herzen lägen ihr nach eigenen Worten die seelischen Probleme der rund 400 Behinderten im Ort.

Vor dem gemeinsamen Weihnachtsessen dankte Bürgermeister Nitschke den drei Referentinnen: »Ihr leistet ganz viel für unsere Gemeinde und habt viel dazu beigetragen, dass wir inzwischen eine soziale Vorbildstellung im Landkreis haben.« Seine Wertschätzung galt aber auch den vielen Einzelnen, Gruppen, Institutionen und Verbänden, die sich für die Dorfgemeinschaft engagieren und ein dichtes soziales Netz bilden. bvd