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Eine einzigartige Weihnachtsszenerie

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Sieht immer wieder mal nach dem Rechten: Peter Beilhack, der zusammen mit Erwin Pfandl die Ruhpoldinger Kirchenkrippe gebaut hat und sie auch heute noch betreut. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Bis Mariä Lichtmess am 2. Februar kann man die wunderschöne Ruhpoldinger Kirchenkrippe noch bestaunen, die vor zehn Jahren gebaut wurde. Schon im Jahr darauf machte die Krippe bereits internationale Schlagzeilen, als sie zwei Monate lang im römischen Pantheon, dem großartigen antiken Rundbau, die Blicke tausender Besucher auf sich zog.


Ihre kirchlichen Weihen erhielt die Krippe zum Auftakt ihres unvergesslichen Gastspiels während eines Adventsgottesdienstes mit Antonio Don Tedesco, dem ehemaligen Leiter des vatikanischen Pilgerzentrums, mit Monsignore Thomas Frauenlob (heute Pfarrer in Berchtesgaden) und Pfarrer Otto Stangl. Mitgereist war auch eine hundertköpfige Ruhpoldinger Delegation samt Bürgermeister, Musikanten, Helfern und Pilgern.

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Geplant und gebaut hatten das Modell in monatelanger, mühevoller Detailarbeit im alpenländischen Stil die Handwerker Erwin Pfandl und Peter Beilhack. Pfarrer Otto Stangl hatte sich damals eine neue Weihnachtsszenerie gewünscht, nachdem in der bisherigen Krippe sprichwörtlich »der Wurm« drin war und auch die Figuren proportional nicht mehr so richtig dazu passten. Das Ansinnen des Pfarrherrns fiel bei beiden Hobby-Bastlern bald auf fruchtbaren Boden, und so setzten sie den gehegten Wunsch Stück für Stück in die Tat um. Auch die Arbeitsteilung war schnell geklärt. Schreiner Erwin Pfandl betätigte sich als Baumeister an den verschiedenen Gebäuden und Elektriker Peter Beilhack als passionierter Bergsteiger und Naturfreund modellierte alles, was zur Landschaftsgestaltung dazu gehört.

Beilhacks Frau Margret kümmerte sich um die stilechte Bekleidung der etwa 50 Figuren, deren Rohlinge man im Grödnertal beschaffte. Manchmal musste sie zu herkömmlichen Zahnstochern greifen, um Joppen, Westen und Hosen im Miniformat zu stricken.

Viel ehrenamtliches Engagement investierten zudem Kirchenmaler Robert Birnbacher in die Kulissen mit Ruhpoldinger Bergpanorama und abendlichem Sternenhimmel sowie Hans Wiser, der das biblische Geschehen durch raffinierte Lichteffekte in den gebührenden Mittelpunkt rückte.

Peter Beilhack möchte mit geologischen Fragmenten nicht nur Zeitgeschichte, sondern die Gesamtheit unseres Universums mit der Geburt Jesus in Verbindung bringen. Eine tiefgreifende Idee, die die Besonderheit der Ruhpoldinger Kirchenkrippe ausmacht. So findet sich neben versteinerten Fossilien, Bergkristallen aus ganz Europa, unter anderem von der Ötzi-Fundstelle am Similaun, Bruchstücke vom Pantheon, der Heiligen Pforte am Petersdom auch ein Splitter eines »Chondrite«-Meteoriten. Von einer einstmals hart umkämpften Kriegsstellung in den Sextener Dolomiten brachte Beilhack ebenfalls ein Requisit mit, das auf die weltweiten Krisenherde und Konflikte hinweisen soll. Solch mahnende Gedanken holen ihn immer wieder ein, wenn er bei »seiner« Krippe vorbei kommt, um nach dem Rechten zu schauen. Meist ist es nur ein ausgebranntes Lämpchen, das ausgewechselt werden muss.

Aber nach Mariä Lichtmess wartet ein größerer Umbau auf ihn. Dann erhält die historische Mühle einen attraktiveren Standplatz. Da kann er sicher wieder auf die Unterstützung von Mesner Stefan Lehmann zählen, der ebenfalls sein Faible für die Krippe entdeckt hat.

Apropos Standplatz: Um den Kleinsten das Kripperlschaun ganz ungehindert zu ermöglichen, zimmerte Peter Beilhack ein erhöhtes Podest aus Fichtenrundlingen, das optimal zum Gesamtbild des drei Meter langen, hölzernen Schaukastens passt. ls