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Eine eigene Polizeidienststelle für die Zeit des Festivals

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Um den Besuchern des »Chiemsee Summer« ein gutes Gefühl zu geben, sind heuer mehr uniformierte Einsatzkräfte auf dem Festivalgelände unterwegs. (Fotos: Artes)
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In einem Stadel zwischen Holzregalen hat die Sachbearbeitung ihr Büro aufgebaut. Hier werden alle Daten von möglichen Tätern erfasst, Fingerabdrücke genommen und Fotos angefertigt.

Übersee – Während auf dem Festivalgelände Tausende Besucher die Musik genießen und friedlich feiern wollen, sorgen sie im Hintergrund für die notwendige Sicherheit: die Beamten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Damit auch vor Ort anfallende Delikte sofort bearbeitet werden können, wurde eine eigene, provisorische Polizeidienststelle auf dem Gelände des Sägewerks König für die Zeit des »Chiemsee Summer« eingerichtet. Das Traunsteiner Tagblatt hat sich diese zusammen mit Polizeipressesprecher Andreas Guske bei einem Rundgang angeschaut.


Auf den ersten Blick wirkt auf dem Gelände alles etwas ungeordnet. Zwischen Holzstämmen stehen angemietete Bürocontainer, in einem Stadel zwischen Holzregalen sind Bierbänke und Computer aufgestellt und ein kleines »Fotostudio« eingerichtet. Wenn man dann aber genauer hinblickt, erkennt man durchaus eine Struktur: In den verschiedenen Containern sind die jeweiligen Einsatzabschnitte untergebracht, zum Beispiel die Jugendbeamten auf der einen Seite, die Sachbearbeitung der Kripo auf der anderen. Schnell wird klar, die Polizei hat hier alles, was sie zur schnellen Bearbeitung von Delikten wie Drogenbesitz, Diebstahl oder auch Körperverletzungen braucht.

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»Das ist alles ziemlich aufwändig«

»Jeder, der etwas ausgefressen hat, landet hier«, erklärt Andreas Guske vor dem »Büro« der Sachbearbeitung, die im Stadel untergebracht ist. Dort werden die normalen, bürokratischen Vorgänge durchgeführt: Es werden zahlreiche Formulare ausgefüllt, Verdächtige müssen ihre Fingerabdrücke abgeben und sich fotografieren lassen. »Das ist alles ziemlich aufwändig.« Rund 30 Minuten brauchen die Beamten von der Kripo, »die hier mehr machen, wie in ihren Aufgabenbereich fällt«, bis alle notwendigen Daten erfasst sind.

Zwischen 130 und 150 Anzeigen kommen im Schnitt während des Festivals zur Bearbeitung. In den vergangenen Jahren hatten die Beamten vor allem mit Drogendelikten zu tun. »Bisher sind es heuer relativ wenige«, berichtet Guske. Lediglich einen Ausreißer habe es gegeben, so Heiner Hofmann von der Kriminalpolizei. Am Mittwoch wurde ein Festivalbesucher mit rund 70 Gramm Marihuana erwischt. Da der Verdacht auf Handel bestand, war das Feiern für ihn beendet: Es wurde ein Platzverweis ausgesprochen.

Insgesamt zieht die Polizei eine positive Zwischenbilanz. Getrübt wurde die Freude allerdings am ersten Tag: Wie schon 2015 gab es wieder Probleme mit professionellen Dieben, die im sogenannten »Infield« vor der Hauptbühne auf Beutezug waren. Noch am Mittwochabend wurden den Beamten vier Fälle gemeldet, bis Donnerstagvormittag hat sich die Zahl der Diebstähle auf 29 erhöht. Gestohlen wurden vor allem Handys und Geldbeutel. Die Täter gingen laut Polizei wohl immer gleich vor: Im dichten Gedränge vor der Bühne, wo die Menschen Körper an Körper stehen, rempeln sie ihre Opfer, die meist leicht angetrunken sind, kurz an und ziehen ihnen die Wertsachen aus der Tasche.

»Wir und die Veranstalter haben dann schnell reagiert und über Facebook und Twitter Warnungen herausgegeben«, erklärt Guske. Außerdem wurden Zivilkräfte auf das Gelände geschickt, um nach Verdächtigen Ausschau zu halten. »Wir müssen uns immer fragen: Was sind das für Leute? Findet man bei ihnen was?« Schnell haben die Beamten am Donnerstag drei mögliche Täter gefunden, die Tickets von anderen Besuchern bei sich trugen. Die drei Männer wurden vernommen. »Ob sie für die Diebstähle infrage kommen, muss noch weiter geklärt werden», erklärt Guske gestern auf Nachfrage. Vorübergehend sind die Männer aber wieder auf freiem Fuß.

Jugendamt und Polizei sind gemeinsam unterwegs

Ein großer Schwerpunkt der Beamten liegt wieder auf der Jugendarbeit: Jugendbeamte der Polizei sind gemeinsam mit Mitarbeitern des Traunsteiner Jugendamts auf dem Gelände unterwegs und schauen, wo es zum Beispiel Probleme mit dem Jugendschutz, Drogen oder Alkohol gibt. »Das ist eine Besonderheit am 'Chiemsee Summer'«, so Guske. Auf anderen Festivals würde es so etwas zum Großteil nicht geben.

Verantwortlich für den Einsatz der Jugendbeamten ist Christian Hartl von der Polizeiinspektion Prien. »Wir sind für alles zuständig, was mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat.« Die Arbeit reicht vom Ausfüllen vergessener »Mutti-Zettel«, mit denen Jugendliche unter 18 ohne Begleitung der Eltern zum Festival dürfen und von Freunden beaufsichtigt werden, bis hin zur Betreuung betrunkener oder straffälliger Jugendlicher.

Wenn ein Jugendlicher etwas »ausgefressen hat« und von den Beamten aufgegriffen wird, werden immer die Eltern verständigt. »Teils kommen sie dann hierher, trotz weiter Anreise, um bei der Vernehmung ihres Kindes dabei zu sein. Sonst übernehmen das die Mitarbeiter des Jugendamts«, erklärt Hartl. Außerdem wird versucht, mit den Eltern gemeinsam eine Lösung zu finden. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit der Meldeliste, also dass die Jugendlichen zwei- bis dreimal täglich zur Polizei kommen und sich dort melden müssen. »Das funktioniert ganz gut und die Jugendlichen müssen nicht gleich heimfahren.« Überprüft wird auch der Alkoholwert, wenn der Jugendliche stark angetrunken zu sein scheint. Hartl betont, dass man den Jugendlichen durch diese Kontrollen nicht den Spaß nehmen wolle. »Gegen ein, zwei Bierchen sagt keiner was«. Es sollte eben nur nicht ausarten.

Heuer verläuft laut Hartl bisher alles sehr entspannt und es gibt kaum Einsätze für ihn und seine Mitarbeiter. Das war schon anders in den vergangenen Jahren: So wurde zum Beispiel 2014 eine 17-Jährige mit rund drei Promille aufgegriffen, ebenso ein 13 Jahre altes Mädchen, das zwischenzeitlich sogar das Bewusstsein verloren hatte.

Nach den Anschlägen: Beamte zeigen Präsenz

Und noch einen Punkt hat sich die Polizei heuer nach den Anschlägen in München, Würzburg und Ansbach groß auf die Fahnen geschrieben: Präsenz zu zeigen. Schon auf den Anfahrtswegen werden Besucher kontrolliert, zivile als auch uniformierte Beamte sind ununterbrochen auf dem Festivalgelände und den Campingplätzen unterwegs. Auch eine Reiterstaffel ist im Einsatz – vor allem am Achendamm, wo die Festivalbesucher bei den heißen Temperaturen eine Abfrischung suchen. Mit Hilfe der Reiter könne man auch dort zeigen »wir sind da. Macht keinen Blödsinn«, erklärt Andreas Guske. Rund um die Uhr ist die Dienststelle am Festivalgelände besetzt, nachts werden die Einsatzkräfte allerdings reduziert. »Aber wir sind immer in genügender Stärke da.«

Neben dem Einsatz auf dem Gelände und der Bearbeitung verschiedener Delikte steht die Polizei auch in einem engen Austausch mit allen Verantwortlichen des Festivals: Veranstalter, Gemeinde, Malteser, BRK, DLRG, Bundespolizei und RVO. »Zweimal täglich finden Besprechungen statt.« Angesprochen wird dabei zum Beispiel, ob es irgendwo Probleme gegeben hat. »Es hat sich bewährt, alles Auge in Auge auszusprechen«, betont Guske.

Für den Notfall wurde auf dem Gelände des Sägewerks auch ein Krisenstabsraum eingerichtet. »Hier haben sich zum Beispiel alle Verantwortlichen getroffen, als vor drei Jahren der Blitz in der Nähe des Geländes eingeschlagen ist«, erklärt der Pressesprecher. Damals entschloss man sich, das Gelände wegen eines starken Unwetters vorübergehend zu räumen. Später konnte dann aber doch noch weitergefeiert werden.

»Ein ganz anderes, interessantes Arbeiten«

Auch wenn es doch Arbeitsalltag ist, Spaß haben die Beamten beim Einsatz in Übersee alle. »Das ist etwas ganz anderes, interessantes Arbeiten«, sagt Heiner Hofmann. Andreas Guske betont, dass viele Polizisten aus dem ganzen Präsidium sich jedes Jahr wieder freiwillig melden würden, um beim »Chiemsee Summer« zu arbeiten. Alle seien locker drauf und die meisten Kollegen hätten auch kein Problem damit, wenn Festivalbesucher mal ein Foto mit ihnen zusammen machen wollen oder zum Reden kommen. Julia Artes

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