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»Eine baulich zukunftsträchtige Lösung für unseren Ort«

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Das künftige Bürgerhaus soll mit einer modernen Holzfassade ausgestattet werden. Die Computersimulation zeigt die Südfassade mit dem Haupteingang und einem Vordach. (Bild: Büro Scheitauer)

Unterwössen – Eine Zäsur in Sachen altes Hallenbad hat der Unterwössener Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.


Nach zweijähriger Entwicklung mit den Verantwortungsträgern, Nutzern und Bürgern hat das Gremium die Planungsphase für die Umnutzung nun für beendet erklärt. Im Mittelpunkt des letzten Variantenvorschlags für das 5,9  Millionen Euro teure Großprojekt stand die Aufgabe der bisher vorgesehenen Gastronomie.

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Die zweijährige Meinungsbildung unter der stets präsenten Fragestellung »Was ist notwendig, machbar und wünschenswert?« habe sich nach den Worten von Bürgermeister Ludwig Entfellner gelohnt. So werde man im zukünftigen Bürgerhaus eine Heimat und Aktionsmöglichkeiten für ein knappes Dutzend Vereine und öffentliche Einrichtungen sowie einen Mehrzweckraum als gesellschaftlichen und kulturellen Treffpunkt schaffen, die das Dorfleben bereichern.

Mit Räumen für die Kita und das Familienzentrum werde man Entfellner zufolge, zudem der Zukunft und der Familienfreundlichkeit Rechnung tragen. Als zentrale Einrichtung wird die Tourist-Information repräsentative Räumlichkeiten bekommen und durch den Wegzug aus dem Oberwössener Rathaus gleichzeitig den dortigen Raumbedarf lösen.

Im Zuge der Finanzierungsmöglichkeiten war festgestellt worden, dass alle Bereiche – bis auf die Gastronomie – förderfähig sind. »Mit Hilfe der Städtebauförderung und gemeindlichen Rücklagen kann das 5,9-Millionen-Euro-Projekt voraussichtlich ohne oder nur mit geringer Neuverschuldung und Zwischenfinanzierung geschultert werden«, betonte der Gemeindechef. Insgesamt werde der Gemeindeanteil an den Gesamtkosten etwa 2,39 Millionen Euro brutto betragen.

Cateringlösungen setzen sich immer häufiger durch

Durch die mangelnde Förderfähigkeit der Gastronomie hatte man laut Verwaltung im Vorfeld überlegt, die Planung zu verschlanken und auf die Gastronomie zu verzichten. Geschäftsleiter Thomas Müllinger ging dazu in der Sitzung ausführlich auf die Gründe ein. So sei es grundsätzlich keine Aufgabe der Gemeinde, eine Wirtschaft zu bauen und zu betreiben. Entsprechende Erfahrungen von anderen Gemeinden hätten sich dabei als problematisch erwiesen. Stattdessen gebe es viele Beispiele für erfolgreiche Cateringlösungen, die sich vermehrt in öffentlichen Bereichen durchsetzten.

Die laut Müllinger grob geschätzten, nicht förderfähigen Kosten für Ausstattung und Bau der Gaststätte von 1,2 Millionen Euro seien für die Gemeinde nicht rentabel und nicht refinanzierbar. Eine finanzielle Beteiligung oder Pacht durch Brauereien hätte sich nicht realisieren lassen. »Das finanzielle Risiko würde somit ausschließlich bei der Gemeinde liegen und das ist auf Grund der bevorstehenden Hochwasserschutzmaßnahmen für Oberwössen nicht zu vertreten«, so der Geschäftsleiter. Falls sich zu einem späteren Zeitpunkt jedoch noch der Bedarf und die Finanzierbarkeit einer Gaststätte ergebe, sei ein nachträglicher Bau immer noch möglich.

Wie Architekt Christoph Scheitauer in der Sitzung erklärte, »ist durch das Weglassen des Restaurants in der Planung mehr Klarheit entstanden.« Er hat nun stattdessen am Haupteingang auf der Südseite ein Vordach für einen möglichen temporären Biergarten und ein großzügiges Foyer von 225 Quadratmeter eingeplant, das direkt in die Mehrzweckhalle führt. Zudem wurden in der neuesten Planungsvariante eine großzügige Cateringlösung und Räumlichkeiten für eine zweite Kita-Gruppe berücksichtigt, deren Bedarf aber noch zu ermitteln ist.

»Nach vielen Jahren der Ungewissheit liegt uns nun eine baulich zukunftsträchtige Lösung für unseren Ort vor«, freute sich Bürgermeister Entfellner. Jetzt gehe es darum, die Planung abzuschließen und den Bau gemeinsam mit Bürgern und Fachleuten sowie der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat Zug um Zug auf den Weg zu bringen. Einen möglichen Baubeginn zum Ende des Jahres stellte er als »schaffbare Zielsetzung« in den Raum.

Johannes Weber (CSU) lobte die Planung als »sehr gut gelungen, zukunftsweisend, bedarfs- und familiengerecht«. Claudia Schweinöster (OWG) und Anton Aberger (CSU) werteten sie als »sehr guten Kompromiss«. »Mit der Gaststätte würden wir uns übernehmen«, warnte Hermann Minisini (CSU) und Markus Entfellner (FDP) stufte sie gar als »Träumerei« ein.

Irlinger und Sonntag stimmten nicht zu

Für den zweiten Bürgermeister Barthl Irlinger (OWG) war die Streichung der Gaststätte der Grund, die Planung abzulehnen. Auch Sandra Sonntag (Wählervereinigung Bürgerkandidaten) verweigerte die Zustimmung. Sie hatte sich ein detailliertes Finanzierungskonzept für das Projekt gewünscht und sah in der Planung ein »unkalkulierbares Finanzrisiko«. bvd