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Eine außergewöhnliche Frau

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Grabenstätt. Wenn Margot Wingruber am Montag im Landtag die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold erhält – weitere 31 Persönlichkeiten, wie Haindling und Marcus H. Rosenmüller, erhalten die Medaille in Silber – wird sie es vermutlich nicht mit einem einfach bescheidenen Dankeschön bewenden lassen. Denn Margot Wingruber wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht ihre Auszeichnung dazu verwenden würde, für ihr neuestes Projekt (siehe nebenstehenden Bericht) um Unterstützung zu werben. Mit der Medaille wird die Grabenstätterin ausgezeichnet für ihr herausragendes soziales Engagement. Wingruber musste selbst hart arbeiten, um überhaupt anderen helfen zu können.


Margot Wingruber sitzt selbst im Rollstuhl

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Von Geburt an körperlich schwer beeinträchtigt – sie sitzt schon lange im Rollstuhl – erkämpfte sie sich gegen alle Widerstände das Studium der Sozialpädagogik, das ihr niemand zutrauen wollte. Nach drei Jahren im Sozialpsychiatrischen Dienst in Berlin arbeitete sie beim Landgericht München als Bewährungshelferin. Hier initiierte sie mit Kollegen Projekte wie den »Täter-Opfer-Ausgleich« oder »soziale Arbeit statt Arrest« und hatte Lehraufträge an Universitäten und Fachhochschulen.

In einer Phase, in der sie gerade laufen konnte, kündigte sie – zum Entsetzen ihrer Umgebung – und reiste mit einer Freundin durch die Welt. In Südamerika wollte sie bei einer weiteren Reise sehen, wie weit sie alleine kommt – lebte in Lehmhütten, betreute Dorfkinder und half, Wasserkanäle zu reinigen. Schon damals diente die Musik der Verständigung: »Ich liebte ja die bayerischen Lieder, also haben wir 'Springt der Hirsch übern Bach' gesungen«, berichtete sie dem Traunsteiner Tagblatt von dieser Reise.

1988 Förderverein für Hirngeschädigte gegründet

Zurück in Deutschland arbeitete sie mit Behinderten mit sehr schweren erworbenen Hirnschäden, zum Beispiel durch Krankheit, Schlaganfall oder Unfälle. Zwar überlebten diese dank des Fortschritts medizinisch, doch wusste niemand, wie man mit ihnen umgeht. 1988 gründete sie den Förderverein »Mutabor«. Der Verein bietet ambulante Rehabilitation, und zwar nicht in einer stationären Einrichtung, sondern da, wo der Patient die Hilfe am nötigsten braucht: in der Familie, der Umgebung und der Arbeit. Dazu war es nötig, die im Gesundheitssystem getrennten Bereiche Physiotherapie, Logopädie und Psychologie zusammenzuführen.

Wieder leistet sie Überzeugungsarbeit

Das Mühevollste am Aufbau des Projekts »Mutabor«, das heute über 50 Mitarbeiter und eine therapeutische Tagesstätte mit dem »Café Mutabor« hat, war die Überzeugungsarbeit bei langfristigen Kostenträgern. Doch mit dem ihr eigenen Mut, mit Kreativität und Beharrlichkeit konnte sie immer mehr Menschen überzeugen und allmählich eine solide Finanzierungsbasis schaffen. »Mutabor« weiß sie inzwischen bei ihrer Nachfolgerin in guten Händen. Jetzt geht es ihr um »Drahdiwaberl und Springinkerl«. Und wieder leistet sie Überzeugungsarbeit, mutig und beharrlich. coho