weather-image
31°

Eine anspruchsvolle Aufgabe: 888 Pfeifen intonieren

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Organistin Wally Hasenknopf spielt sich schon mal auf der neuen Orgel ein, während die Mitarbeiter der Orgelbaufirma Linder, Michael Gartner (links) und Uli Skriwan, noch weitere Orgelpfeifen einbauen. (Foto: H. Eder)

Wonneberg – Die Arbeiten an der neuen Orgel der Wallfahrtskirche St. Leonhard gehen auf die Zielgerade. Derzeit sind Mitarbeiter der Orgelbaufirma Alois Linder aus Nußdorf am Inn dabei, die 888 Pfeifen zu intonieren. Da sind viel Feingefühl, Gehör und auch technisches Können erforderlich, bis sich durch winzige Veränderungen an den Pfeifen ein Klangbild einstellt, das die Experten Michael Gartner und Uli Skriwan und auch die Organistin Wally Hasenknopf zufriedenstellt.


Die besondere Herausforderung besteht auch darin, dass der Orgelklang sowohl vorn am Altar wie auch auf der Empore und überall dazwischen möglichst optimal abgestimmt sein soll. Diese Feinabstimmung wird noch einige Tage in Anspruch nehmen. Allerdings wird die Zeit langsam knapp: Am Sonntag, 16. Oktober, soll die Einweihung der Orgel über die Bühne gehen, die in St. Leonhard groß gefeiert wird.

Anzeige

20 Prozent der alten Pfeifen werden wiederverwendet

Auch ein nur flüchtiger Blick auf das Innenleben der Orgel, wo noch viele unterschiedlich große, runde Aussparungen auf das Einsetzen der vielen Orgelpfeifen warten, zeigt, welch handwerkliche Meisterleistung im Millimeterbereich allein hinter der Schreinerkunst steckt, ganz zu schweigen von den Anforderungen an den Klang. Das Zusammenfügen von Alt und Neu war nicht nur beim historischen Gehäuse schwierig, sondern auch bei der Kombination der historischen Pfeifen mit den neuen. Rund 20 Prozent der alten Pfeifen werden wiederverwendet: Das entspricht in etwa 100 Stück.

Dass das Gehäuse der alten Schöglmann-Orgel und einige der historischen Pfeifen für einen Orgelneubau wiederverwendet werden sollten, stand von Anfang an fest. Wegen der geringen Höhe auf der Empore kam auch nur die Aufstellung eines freistehenden Spieltisches in Frage. Die größte Herausforderung für die Firma Linder war es, ein zweimanualiges Instrument, das heutigen Maßstäben genügt, in das historische Gehäuse einzubauen. Von daher gestalteten sich Planung und Ausführung der Arbeiten manchmal etwas schwierig, wie Orgelbauer Alois Linder eingesteht; einen vernünftigen Kompromiss zwischen Platzbedarf und historischen Gehäusemaßen zu finden, war nicht einfach, ist aber gelungen.

Zunächst musste das mehrfach veränderte Gehäuse wieder stabilisiert und ergänzt werden. Um die alten Gehäuserahmen zu verstärken, wurde ein zusätzliches Gerüst eingebaut. Die historischen Pfeifen, die noch aus der Schöglmann-Orgel stammten, mussten gründlich untersucht und zugeordnet werden. Fehlende Teile wurden ergänzt und die Pfeifen wieder in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht. Für diese Ergänzungen wurde fein gewachsenes Fichtenholz aus den Nußdorfer Bergwäldern verwendet. Von dem freistehend vor der Orgel aufgebauten Spieltisch blickt die Organistin zum Altar, kann aber auch den Chor dirigieren.

3500 Arbeitsstunden stecken in der neuen Orgel, die rund 200 000 Euro kostet. Dazu kommen noch viele ehrenamtlich geleistete Stunden von Helfern aus der Kuratie – vom Ausbau der alten Orgel bis zum Emporhieven der Neuen, vom Ausmalen der Wände bis hin zu den vielen kleinen Handgriffen, die man nicht sieht, ohne die es aber nicht gegangen wäre. Die Leonharder, die den Aufbau der neuen Orgel mit beobachtet haben, wundern sich längst nicht mehr über die Kosten: »Wenn man die vielen kleinen Teile sieht, aus denen die Orgel besteht, und die viele Zeit, die die Mitarbeiter dafür aufwenden, dann kommen einem die Kosten gar nicht mehr so hoch vor«, meint Kirchenpfleger Hans Maier, der bei allen Arbeiten mit dabei war.

»Wir sind ganz kurz vor dem Ziel«

Einen Anteil daran hat der Orgelförderverein. Dieser hat es in den acht Jahren seines Bestehens geschafft, die Kosten für die neue Orgel in Höhe von rund 200 000 Euro praktisch komplett zu erwirtschaften. »Wir sind ganz kurz vor dem Ziel«, freut sich Vorsitzender Michael Frumm-Mayer und ist sich sicher, dass das gesammelte Geld ausreichen werde. Schließlich stünden von den zu diesem Zweck zusammengestellten Kochbüchern noch einige zum Verkauf, und es werde auch noch gesammelt. he