weather-image
27°

Eine Anlaufstelle für Bürger in Not

2.5
2.5
Bildtext einblenden
Er erkannte 1990 die Notwendigkeit zur Gründung der Hilfsplattform: Altlandrat Jakob Strobl. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Die großen Katastrophen passieren nicht nur rund um den Erdball, auch bei uns treiben persönliche Schicksalsschläge und Unglücke oft in unverschuldetes Leid und Elend. Im Landkreis Traunstein hat man bereits vor zweieinhalb Jahrzehnten erkannt, dass man dort, wo staatliche Hilfen nicht greifen, schnell und unbürokratisch helfen muss. 1990 wurde deshalb die Bürgerhilfsstelle vom damaligen Landrat Jakob Strobl gegründet. Jetzt wurde im Landratsamt das 25-jährige Bestehen des Sozial- und Hilfsfonds gefeiert.


Auch wenn die Bürgerhilfsstelle anfänglich mehr ein Wegweiser im Behörden-Dschungel war, hat sich diese im Lauf der Jahrzehnte gewandelt. Seither werden Menschen im Landkreis, die unverschuldet in außergewöhnliche Notsituationen geraten sind, beraten, unterstützt und es wird unbürokratisch Hilfe geleistet. 500 000 Euro sind in den vergangenen 25 Jahren an Spenden eingegangen und gingen komplett an bedürftige Landkreisbürger.

Anzeige

Ein bürgernaher, sozialer und menschlicher Landkreis

Florian Seestaller, der die Leitung der Bürgerhilfsstelle vor fünf Jahren von Siegi Götze übernommen hatte, betonte, die Stelle sei eine freiwillige Einrichtung im Landkreis, »aber man braucht sie auch«. Das Jubiläum mit geladenen Gästen aus Kirchen, der Kommunalpolitik und verschiedenen Organisationen aus dem Landkreis sei auch ein Netzwerktreffen der vielfältigen Helfergruppen.

Landrat Siegfried Walch blickte zurück: »Das sind 25 Jahre, in denen der Mensch im Mittelpunkt steht.« Die Bürgerhilfsstelle sei eine erste Anlaufstelle für viele in Not geratene Menschen aus dem Landkreis. War die Einrichtung ursprünglich dafür geschaffen, um Bürgernähe aufzubauen und Bürokratie abzubauen, hat sich die Form der Bürgerunterstützung seither verändert. Von einer reinen Beratungsstelle hin zu einer Unterstützungsstelle in persönlichen, finanziellen Notlagen. Gerade Kinder, Jugendliche und Familien würden unterstützt, wenn gesetzliche Leistungen nicht reichen oder ausgeschöpft sind. Es sind »Herzenshilfen« betonte Walch, der die Weitsicht von Altlandrat Jakob Strobl würdigte, der die Einrichtung 1990 mit Unterstützung des Kreistages einsetzte. Siegfried Walch gab ein klares Bekenntnis zur Bürgerhilfsstelle ab: »Es gehört zu unseren Hauptaufgaben, dass wir ein bürgernaher, sozialer und auch menschlicher Landkreis sind.«

Altlandrat Jakob Strobl betonte, dass die Anregung für die Bürgerhilfsstelle von einem Bürger aus Reit im Winkl kam. Diese habe er als frisch gewählter Landrat aufgenommen und damit sein erstes Wahlkampfversprechen eingelöst. Er machte deutlich, dass gerade im Jahr 1990 durch den Zuzug ehemaliger DDR-Bürger und Spätaussiedler enorme Herausforderungen für den Landkreis und die Bürger entstanden seien. »Hilfe vor Ort war gefragt, die Bürgerhilfsstelle ist ein Erfolgsmodell.«

»Jeder ausgezahlte Euro ist gut überlegt«

Aus dem Kreis der ehrenamtlichen Helfer kam exemplarisch ein Lob von Erika Stefanutti vom Helferkreis Übersee: Jeder ausgezahlte Euro sei gut geprüft und überlegt. Vielen Hilfe suchenden Menschen würde so unbürokratisch geholfen. Dekan Dr. Hans Huber zog am Beispiel des biblischen Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter eine Parallele zur christlichen Lehre. Dessen selbstlose Hilfe sei ein praktisches Beispiel der christlichen Nächstenliebe. Auch mit der Bürgerhilfsstelle versuche man die Not und das Elend zu lindern, das auch im Landkreis vorhanden sei.

Stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber brachte noch einen Spendenscheck mit. Die Landfrauen hatten auf der Gewerbeschau Truna für die Bürgerhilfsstelle 500 Euro erwirtschaftet. Die Rhythmusgruppe Weizenkorn aus Trostberg, die für die gelungene musikalische Begleitung des Festakts sorgte, spendete ihr Honorar ebenfalls. awi