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Eine andere Pfarrei kam für Richard Datzmann nicht in Frage

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»Gut behütet« blickt Richard Datzmann auf 30 Jahre Pfarrer in Traunwalchen zurück. Der Hut ist das Markenzeichen des 69-Jährigen. Niemals verlässt er ohne ihn das Pfarrhaus. (Foto: Rasch)

Traunreut. Seit 30 Jahren ist Richard Datzmann Pfarrer in Traunwalchen. Das Ereignis wird mit einem Festgottesdienst am Sonntag um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche Traunwalchen gefeiert. Den Gottesdienst, der vom Kirchenchor mit der Maria-Zeller-Messe musikalisch umrahmt wird, wird Richard Datzmann selber zelebrieren. Anschließend findet im Gasthaus Springer-Forthuber ein Empfang statt.


Richard Datzmann, 1944 in Oberaudorf geboren und in München aufgewachsen, hat zunächst Bauschlosser gelernt und diesen Beruf drei Jahre lang als Geselle ausgeübt. Er holte das Gymnasium nach und studierte in München Theologie. 1977 wurde er als sogenannter Spätberufener zum Priester geweiht. Bevor er am 10. Juli 1983 mit 39 Jahren seinen Dienst in Traunwalchen antrat, war er jeweils drei Jahre Kaplan in Rosenheim und in Berchtesgaden.

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Durch die kirchliche Strukturreform ist Richard Datzmann seit dem 1. April dieses Jahres Pfarrvikar und somit dem neuen Leiter des Pfarrverbandes Traunreut, Stadtpfarrer Thomas Tauchert, unterstellt. In einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt blickte der heute 69-jährige auf seine 30-jährige Amtszeit in Traunwalchen zurück und äußerte sich auch über die Entwicklung der katholischen Kirche.

Herr Datzmann, Sie sind seit 30 Jahren Pfarrer in Traunwalchen. Drei Jahrzehnte an ein und derselben Wirkungsstätte sind heutzutage auch im Seelsorgeberuf keine Selbstverständlichkeit mehr.

Datzmann: Mir wurde vor etlichen Jahren angeboten, ob ich nicht in eine andere Pfarrei wechseln möchte. Das stand aber für mich aber außer Frage. Ich fühle mich in Traunwalchen sehr wohl, hab ich damals zum Bischof gesagt. Ich habe einen wunderbaren Mitarbeiterstab. Der Zusammenhalt ist einfach schön.

An welches Ereignis in Traunwalchen denken Sie besonders gerne zurück?

Datzmann: Da gibt es viele. Die 1200-Jahr-Feier von Traunwalchen zum Beispiel. Aber auch die vielen kirchlichen Feste wie Firmungen oder Erstkommunionen waren immer recht feierlich. Dabei konnte ich immer auf die vielen Helfer zählen. Auf die rund 100 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern kann die relativ kleine Pfarrei wirklich stolz sein.

Der Zusammenschluss der ehemaligen selbstständigen Pfarreien Traunwalchen, Sankt Georgen und Traunreut in einen großen Pfarrverband ist mittlerweile fast vollzogen. Neuer Leiter ist Stadtpfarrer Thomas Tauchert. Wie gehen Sie als langjähriger Pfarrer von Traunwalchen mit dieser Entscheidung um?

Datzmann: Für mich ist das nicht so dramatisch. Ich bin kein großer Organisator. Pfarrer Thomas Tauchert ist doch um einiges jünger und die bisherigen Absprachen, wie die Aufteilung der Gottesdienste in allen drei Kirchen, klappen ganz gut.

30 Jahre Pfarrer Richard Datzmann waren auch geprägt von großen Bau- und Sanierungsmaßnahmen.

Datzmann: In der Tat ist einiges passiert. Vor allem die Sanierung der Kirchturmkuppel, die mit einem großen Aufwand abgetragen und wieder aufgesetzt wurde, war ein riesiges Spektakel.

Im Moment ist der Pfarrhof eingerüstet. Was passiert auf der Baustelle?

Datzmann: Das Dach wird mit Holzschindeln neu eingedeckt. Und bei dieser Gelegenheit werden auch einige Fenster ausgetauscht.

Sie haben zuvor einen Handwerksberuf gelernt und erst später Theologie studiert. Was hat Sie dazu bewegt, Priester zu werden?

Datzmann: Der Anstoß kam über die Kolpingfamilie, die über Priestermangel klagte. Ich habe lange überlegt, ehe ich eine Entscheidung getroffen und das Gymnasium nachgeholt habe. Danach habe ich in München Theologie studiert.

Was hat sich in Ihren Augen in den vergangenen drei Jahrzehnten in der Kirche verändert? Sollte sich die Kirche mehr öffnen, moderner werden?

Datzmann: Ich denke, dass die Kirche schon erheblich zeitgemäßer geworden ist. Unter anderem wurde in der Liturgie mit der deutschen Sprache ein neuer Stil eingeführt. Was die Kirche allerdings nicht aufgeben kann, ist das Zentrum des Glaubens. Selbst wenn junge Priester neue Ideen einbringen, man kann die Menschen nicht dadurch bekehren, dass man mit ihnen zehn Minuten redet.

Jedes Jahr quittieren rund 300 000 Katholiken und Protestanten ihre Mitgliedschaft in der Glaubensgemeinschaft. Hat die Kirche in Ihren Augen nicht zuletzt auch wegen der vielen Skandale in den letzten Jahren an Glaubwürdigkeit verloren?

Datzmann: Der Schwund ist nicht zu übersehen. Für mich ist das ein gesellschaftliches Problem. Die Skandale sind zweifellos ein Riesenproblem und haben die Leute bewegt. Eine Offenheit in Sachen Missbrauch war in der Kirche lange nicht gegeben. Heute sind die Bischöfe sehr streng geworden und verlangen von den Pfarrern ein polizeiliches Führungszeugnis.

Es gibt immer weniger katholische Pfarrer. Glauben Sie, dass sich durch die Auflösung des Zölibats wieder mehr Menschen für den Priesterberuf entscheiden würden?

Datzmann: Es würde sich wahrscheinlich nicht viel ändern. Der Priesterberuf hängt in erster Linie mit der Überzeugung zusammen, sich mit der Botschaft zu identifizieren. Der Priestermangel hat sich bereits bei meiner Priesterweihe vor 36 Jahren abgezeichnet. Schon damals sprach die Diözese von einem »Tiefpunkt«.

Im nächsten Jahr werden Sie 70 Jahre alt. Denkt man da schon mal an den Ruhestand?

Datzmann: Als Pfarrer kannst du mit 70 beim Erzbischöflichen Ordinariat den Ruhestand eingeben. Der Erzbischof entscheidet dann, wie es weitergeht. In diesem Sinne: »Des seng ma dann scho, ob a mi no do lasst.«

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