weather-image
12°

Eine Alternative zum Mais?

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Foto: Wikipedia.org

Traunstein – Die Silphie, zu Deutsch »Ausdauernde Becherpflanze«, könnte vielleicht eines Tages auch im Landkreis Traunstein eine Alternative zu Mais als Futter- und Energiepflanze werden.


Im Ausschuss für Umweltfragen, Abfallwirtschaft und Energie stellte Reinhard Klett, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Altötting, die Staude aus der Gattung der Korbblütler vor. Sein Verband hatte 2015 und 2016 zusammen mit drei Biogas-Landwirten ein von einer Stiftung gefördertes Pilotprojekt mit inzwischen zehn Hektar Silphie-Anbauflächen im Landkreis Altötting durchgeführt.

Anzeige

Der Ausschuss wird sich bei einer Exkursion am 19. Juli zu Silphie-Anbauflächen in Kirchweidach zusammen mit Interessierten, etwa vom Bauernverband, den Imkervereinen, dem Landwirtschaftsamt Traunstein und dem Landschaftspflegeverband, näher informieren. In der Diskussion kamen Bedenken auf, zum Beispiel hinsichtlich Ausbreitungstendenzen und Dominanz gegenüber heimischer Flora. Nach Details wollen die Ausschussmitglieder die betreffenden Bauern fragen. Einer von ihnen kultiviert die Becherpflanze schon seit 2009.

Wie Landrat Siegfried Walch gestern betonte, hat der Landkreis Traunstein 2016 das »Jahr der Biene« ausgerufen. Die Aktion werde heuer mit »Blühender Landkreis Traunstein« fortgesetzt – zur Förderung der Arten- und Strukturvielfalt in Landschaft, Gemeinde und Garten. Die Basis bildeten der Erhalt und die Schaffung blühender Flächen als Nahrungsgrundlage und Lebensraum für Honigbienen und andere Blütenbesucher.

Silphie als gute Nektar- und Pollenquelle

Neben direkten ökologischen Vorteilen und dem Vernetzen von Biotopen ziehe auch der Mensch Gewinn daraus, etwa durch das Bestäuben von Wild- und Kulturpflanzen durch die Insekten. Dazu passend gebe es im Biomassesegment mit der Silphie eine mögliche Alternative oder Ergänzung zum Mais. Die Silphie sei eine gute Nektar- und Pollenquelle, blühe lange von Juli bis September, biete Deckung und Lebensraum für viele Tierarten, eigne sich aber auch als Energiepflanze mit hoher Biogasausbeute. Die Becherpflanze müsse nur einmal ausgesät oder gepflanzt werden, wachse anschließend in Dauerkultur mit bis zu 15 Jahren Standzeit. Der Arbeits- und Betriebsmittelaufwand ist laut Walch relativ gering. Ab dem zweiten Jahr sei kein Spritzen gegen Unkraut mehr erforderlich. Der Silphie-Anbau sei ein dauerhafter Bodenschutz vor Erosion. Das Bodenleben werde angeregt durch nur zweimaliges Befahren der Fläche mit Maschinen und Verzicht auf Bodenumbruch. Zudem sei die Nitratauswaschung geringer.

Reinhard Klett outete sich als »begeisterter Fan der Silphie«, auf die er zufällig vor zwei Jahren gestoßen sei. Derzeit nehme das Insektensterben zu, die Zahl der Vögel gehe zurück, von einer »Maiswüste« sei die Rede. Blumenwiesen seien nicht für Biogasanlagen geeignet. Im Erosionskataster bilde der Landkreis Altötting einen Schwerpunkt. Auch der Landkreis Traunstein sei betroffen von Humusabschwemmungen. Unter diesen Gesichtspunkten sei die Silphie eine Chance.

Dr. Pedro Gerstberger vom Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth forsche seit zehn Jahren auf dem Gebiet. Der Referent nannte viele positive Aspekte. Wildschweine fräßen die Samen nicht im Gegensatz zu Mais. Die Ernte der Becherpflanzen könne mit den herkömmlichen Maschinen erfolgen. Im Winter bleibe eine Stoppelbrache, eher einer Wiese gleichend. Während Mais im Juni noch niedrig auf Karstflächen stehe, entwickle sich bei der Silphie bereits die Vegetation. Somit werde Feuchtigkeit im Boden gehalten. Nach dem Schnitt im Herbst treibe die Silphie im Frühjahr sofort wieder aus und werde bis zu drei Meter hoch.

Im ersten Jahr muss gegen Unkraut gespritzt werden

Reinhard Klett bezeichnete die Neuanlage einer Fläche als »Knackpunkt«: »Derzeit sind noch Setzlinge erforderlich, die mit Setzmaschinen wie für Erdbeeren in den Boden gebracht werden. Samen sind noch nicht zuverlässig. Und im ersten Jahr muss noch gegen Unkraut gespritzt werden, ab dem zweiten Jahr jedoch nicht mehr.« Mais erfordere viel mehr Aufwand, sei aber nicht so ertragreich. Pro Hektar und Jahr seien mit Mais 15 Tonnen Ernte und ein Gewinn von 722 Euro zu erzielen, mit der Becherpflanze 17,3 Tonnen und mit 1251 Euro fast der doppelte Gewinn. Die Politik halte sich bei der Silphie zurück. Im Freistaat habe sich die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer aus Bayreuth dafür ausgesprochen, den Anbau der Pflanze finanziell zu unterstützen.

Der Landrat merkte an, er habe von der Silphie nie gehört, bis ihn CSU-Kreisrat Josef Mayer darauf hingewiesen habe. Ob die Pflanze mit dem Klima im Landkreis zurechtkomme, ob sich »der Einwanderer aus Amerika« kontrolliert ausbreite oder die heimische Flora verdränge, wollte Dr. Ute Künkele (ÖDP) wissen. Die erste Frage bejahte Reinhard Klett, für die zweite sei er nicht der Experte. Gegen Mais könne die Silphie schwer konkurrieren, war die Meinung von Peter Ober (CSU). Auf Hangflächen sei sie vielleicht denkbar. Außerdem sei zu prüfen: »Wie kriege ich die Pflanze wieder weg?« In Teisendorf existiere seit fünf Jahren eine Silphie-Fläche, betreut von Bauern gemeinsam mit Imkern. Dort habe man festgestellt, dass nur Wildbienen kamen, keine Honigbienen. Deshalb sei die Teilnahme der Imkerverbände an dem Ausflug in den Landkreis Altötting sinnvoll, erwiderte der Landrat. Der Landkreis wolle sich nicht in unternehmerische Entscheidungen einmischen, aber sich dem Thema unvoreingenommen nähern. kd

Italian Trulli