weather-image
27°

Eindeutige DNA-Spuren

4.7
4.7

Traunstein – Zum Albtraum wurde der nächtliche Heimweg für eine 19-Jährige am 4. September 2015 nach dem Besuch des Lokals in Mühldorf. Ein 25-jähriger Asylbewerber aus dem Senegal folgte ihr. Dann soll er ihr in den Innländen sexuelle Gewalt angetan haben. Der noch am gleichen Tag vorläufig Festgenommene muss sich nun vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel verantworten – wegen vierfacher Vergewaltigung jeweils mit vorsätzlicher Körperverletzung sowie wegen Handyraubs.


Der 25-Jährige leugnete am Dienstag alle Vorwürfe von Staatsanwältin Veronika Gnadl – trotz eindeutiger DNA-Spuren. Genmaterial des Angeklagten wurde am Opfer und umgekehrt nachgewiesen. Die Kammer hört insgesamt 14 Zeugen und zwei Sachverständige, einen Rechtsmediziner und einen Psychiater, an. Das Urteil soll am morgigen Donnerstag ergehen.

Anzeige

Der verheiratete Senegalese kam im August 2015 in die Bundesrepublik und lebte in der Asylbewerberunterkunft in Mühldorf. In der Tatnacht verließ die 19-Jährige mit einer Freundin das Lokal gegen 3.30 Uhr, um zu ihrem Freund zu gehen. Die Frauen trennten sich. Beim Fußweg entlang der Bundesstraße 12 bemerkte die 19-Jährige, dass ihr jemand folgte. Nahe einer Fußgängerüberführung hörte sie »Stop, wait«. Sie dachte, jemand wolle sie nach dem Weg fragen, blieb stehen und sprach mit dem Unbekannten. An der Bushaltestelle der Berufsschule an der Innstraße wollte die junge Frau ihrem Freund schreiben, sie sei gleich bei ihm. Der Asylbewerber entriss ihr das Handy und steckte es ein. Die Aufforderung, ihn zu küssen, lehnte die 19-Jährige ab. Der Täter erwiderte, das sei »rassistisch«. Er packte die junge Frau, zerrte sie in ein Gebüsch auf der anderen Straßenseite, stieß sie zu Boden, küsste sie und forderte »I want to fuck you«. Der viermaligen Vergewaltigung durch den körperlich überlegenen Mann konnte die sich nach Kräften wehrende, weinende 19-Jährige nicht entkommen. Ihr Flehen, sie gehen zu lassen, fand kein Gehör. Die junge Frau erinnerte sich, mal habe der Angeklagte auf Englisch gesagt »ich liebe dich«, mal gedroht, sie zu »töten«. Stimmen von der Straße bedeuteten die Erlösung. Passanten fanden die halbnackte, völlig verängstigte, verletzte junge Frau an der Innböschung und sorgten für rasche Hilfe. Der Sextäter suchte im Dunkeln das Weite. Gut zwölf Stunden später klickten die Handschellen für den mutmaßlichen Täter in der Gemeinschaftsunterkunft Mühldorf. Die 19-Jährige hatte ihn auf Fotos identifiziert. Seitdem saß er in Untersuchungshaft.

Angesichts der Beweise anhand der Akten legte der Vorsitzende Richter dem 25-Jährigen dringlich ein Geständnis nahe. Eine Verurteilung sei wesentlich wahrscheinlicher als ein Freispruch. Für das Opfer sei eine weitere Aussage »sehr unangenehm und sehr belastend«. Die Kammer sei bereit, ein Geständnis mit einem Strafnachlass von ein bis zwei Jahren zu honorieren. Dr. Jürgen Zenkel: »Diese Chance haben Sie nur einmal.« Nach einer Pause erklärte der Senegalese wortreich, er habe mit dem Mädchen »nur reden wollen«. Er  beharrte,  es   nicht   zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben: »Ich habe das nicht als Vergewaltigung betrachtet. Vergewaltigung ist, wenn du jemand Gewalt antust oder eine Waffe zeigst.  Ich  hab ganz normal mir ihr geredet.« Der 25-Jährige wich Fragen aus und verwickelte  sich  häufig in Widersprüche. kd