weather-image
24°
56-Jähriger verübte zwölf Einbrüche in sechs Landkreisen – Zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Einbrecher hatte es auf Kindergärten abgesehen

Nach einer wilden Verfolgungsjagd durch Bad Füssing konnten Polizeibeamten einen 56-jährigen Österreicher, der im deutsch-österreichischen Grenzgebiet zahlreiche Einbrüche zumeist in Kindergärten – unter anderem in Petting, Kirchanschöring und Waging – auf dem Kerbholz hatte, dingfest machen.

Auch in die Kindergärten in Waging, Petting und Kirchanschöring wurde eingebrochen.

Am Montag verhängte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein gegen den geständigen Angeklagten eine vierjährige Freiheitsstrafe – wegen zehn vollendeten und zwei versuchten Diebstählen, jeweils mit Sachbeschädigung, sowie wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Anzeige

Die Einbruchsserie in sechs Landkreisen mit einem Beutegesamtschaden von über 6000 Euro, einem gestohlenen Auto mit einem Wert von 49 000 Euro und Sachschaden von mehr als 10 000 Euro begann am 31. März 2016 im Kindergarten in Stammham im Landkreis Altötting. Wie in fast allen Fällen schlug der Österreicher eine Scheibe ein, stieg ins Gebäudeinnere, hebelte Aktenschränke auf und suchte nach stehlenswerten Dingen wie kleinen Tresoren, Bargeld oder auch Elektronikgeräten.

Nächste Tatorte im April 2016 waren der Kindergarten in Ering im Landkreis Rottal-Inn, ein Kindergarten in Marktl sowie eine Einrichtung in Neuötting-Alzgern. Wenn der Landschaftsgärtner wieder Geld für den Lebensunterhalt brauchte, startete er zum nächsten Einbruch, etwa Ende Mai 2016 im Kindergarten in Petting. Anfang Juni 2016 wurde er in Aldersbach im Landkreis Passau wieder aktiv in Sachen Kindergarteneinbrüche, gefolgt von einem Einbruch im Pfarrkindergarten in Waging.

Mit gestohlenem Audi 33 000 Kilometer gefahren

Ein »Ausreißer« vom Metier her war der Einbruch in der Nacht zum 7. August 2016 in ein Autohaus in Bad Reichenhall, wo der 56-Jährige aus einem Büro einen Tresor mit Fahrzeugpapieren und -schlüsseln mitgehen ließ. Ein oder zwei Tage später war er in seinem Heimatland am Werk: In Engerwitzdorf suchte er einen weiteren Autohändler heim. Er erkor sich einen Audi Rs5 aus, mit dem er später rund 33 000 Kilometer illegal auf Achse war. Anfang September 2016 besann er sich erneut auf Kindergärten. Es waren Einrichtungen in Fridolfing und in Kirchanschöring an der Reihe. Eine Kindertagesstätte in Garching an der Alz bildete Anfang Oktober 2016 den Abschluss der Serie.

Zwischenzeitlich hatten die Behörden einen Haftbefehl gegen den 56-Jährigen erlassen. Er wurde am 7. Oktober 2016 in Bad Füssing am Steuer eines gestohlenen VW Golf gesichtet. Als er bemerkte, dass ihm die Polizei auf den Fersen war, gab der Österreicher Gas. Mit bis zu 130 Stundenkilometern raste er durch die Kurstadt. Als ein Streifenfahrzeug der Polizeiinspektion Bad Griesbach versuchte, den Angeklagten zum Anhalten zu zwingen, fuhr der Gesuchte direkt darauf los. Nur durch ein Ausweichmanöver des Polizeiwagens konnte ein Zusammenstoß verhindert werden.

Der 56-Jährige raste auf der Flucht kreuz und quer durch die Stadt – rücksichtslos über Gehwege und Grünanlagen. Das berichtete gestern ein Polizeizeuge: »Es war vormittags. Glücklicherweise waren kaum Fußgänger unterwegs.« Der Einbrecher lenkte schließlich in einen Vierseithof mit zwei Toren. Als ein Polizeiwagen die Flucht nach vorne versperrte, setzte der 56-Jährige zurück – direkt an ein Streifenfahrzeug. Der Zeuge erinnerte sich: »Als der Wagen stand, sah ich den Fahrer über der Gangschaltung zum Beifahrersitz gelehnt. Wir haben einen Sanka verständigt. Der Notarzt sagte: Der simuliert nur. Dem fehlt gar nichts.« Da sei der Angeklagte »wieder hellwach« geworden, habe sich fesseln und zur Inspektion nach Bad Griesbach bringen lassen. Das Ergebnis der rasanten Verfolgungsfahrt waren insgesamt vier beschädigte Autos. Dem 56-Jährigen flatterte inzwischen eine Rechnung der Polizei in die Zelle – über 16 000 Euro.

»Einbrüche hinterlassen Spuren im Sicherheitsgefühl«

Im Plädoyer hielt Staatsanwältin Martina Lermer das Geständnis zugute. Außerdem habe der 56-Jährige mancherorts nichts erbeutet. Strafschärfend wirkten die Vorstrafen mit mehreren verbüßten Haftstrafen, das massive Vorgehen, das gewerbsmäßige Handeln und »der Diebeszug in sieben Monaten durch ein riesiges Gebiet«. Die Anklägerin hob heraus: »Die Einbrüche in öffentliche Einrichtungen hinterlassen Spuren im Sicherheitsgefühl der Gesellschaft.« Sie plädierte auf fünf Jahre Freiheitsstrafe und zwei Jahre Sperrfrist für die Fahrerlaubnis.

Verteidiger Udo Krause auf Laufen verwies darauf, in Österreich stehe seinem Mandanten ein neues Verfahren wegen zehn Einbrüchen bevor. Eine beachtliche Strafe sei zu erwarten. Irgendetwas könne bei dem 56-Jährigen nicht stimmen. Er wolle so schnell wie möglich zurück nach Österreich und dort auch die jetzige Strafe absitzen. Der Verteidiger verzichtete auf einen konkreten Strafantrag. Im »letzten Wort« meinte der 56-Jährige unter Tränen: »Ich möchte mich entschuldigen, für das, was ich gemacht habe. Es kommt nimmer vor.«

Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs sprach von einer »dissozialen Persönlichkeit«. Der Angeklagte habe überwiegend in soziale Einrichtungen eingebrochen, um daraus seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Geständnis habe eine aufwändige Beweisaufnahme erspart. »Vier Jahre Strafe – das muss sein.« Die Kammer habe die Argumente der Staatsanwältin übernommen. Das Urteil wurde gestern mit Zustimmung der Anklägerin rechtskräftig. kd