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Ein Zeichen gegen Schleuderpreise gesetzt

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Rund 30 Mitglieder des Bayerischen Bauernverbands demonstrierten am Dienstag vor der Aldi-Filiale in Traunstein gegen Schleuderpreise für Milchprodukte und Fleischwaren. (Foto: Mix)

Traunstein – Rund 30 heimische Landwirte haben am Dienstag in Traunstein vor den Filialen der Discounter Aldi und Lidl demonstriert. Mit ihrer Aktion wollten die Mitglieder des Bayerischen Bauernverbands aus den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land ein Zeichen setzen gegen Schleuderpreise für hochwertige Nahrungsmittel. Für die Produzenten seien die Preise »katastrophal niedrig«.


Aldi als Vorreiter in der Branche senkte Anfang August den Preis für ein halbes Pfund Butter von 85 auf 79 Cent, Norma zog nach – und auch die anderen Discounter bieten Molkereiprodukte immer günstiger an. Ähnlich dramatisch für die Erzeuger sieht es beim Schweinefleisch aus. Auch hier müssen sich die Landwirte mit niedrigeren Erlösen zufriedengeben.

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Bei der Demonstration in Traunstein, die im Rahmen einer bayernweiten Kampagne stattfand, wiesen die Landwirte mit Transparenten darauf hin, was die Schleuderpreise der Handelskonzerne auf Dauer zerstören: die regionale nachhaltige Erzeugung, bäuerliche Familienbetriebe, die heimische Landwirtschaft sowie Qualität und Wert der Lebensmittel. Der Lebensmitteleinzelhandel, so die Meinung der Demonstranten, liefere sich derzeit einen ruinösen Preiskampf auf dem Rücken der Bauern.

Sofort nach Wegfall der Milchquote hatte Aldi die Preise rein auf den Verdacht hin, dass die produzierte Milchmenge steigen werde, gesenkt. Das Russland-Embargo, das zwar politisch keine Wirkung zeige, dafür aber die deutschen Milcherzeuger hart treffe, tue noch ein Übriges dazu, so die Meinung der Bauern. Wenn nun auch noch Ernteausfälle wegen der Trockenheit hinzukämen, werde die Situation für so manchen Betrieb bedrohlich.

»In nahezu allen Bereichen haben die Bauern erhebliche Einbußen zu verzeichnen und mit riesigen Problemen zu kämpfen«, sagte BBV-Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer. »So kann und darf es nicht weitergehen. Wenn jetzt nichts gegen diesen Verdrängungswettbewerb unternommen wird, wird unsere Landwirtschaft ans Messer geliefert.«

BBV-Geschäftsführer Reinhard Lampoltshammer kündigte an, dass der Bauernverband bei einem weiterem Preisdruck durch die Großkonzerne eine Empfehlung an seine Mitglieder herausgeben werde, nicht mehr bei Aldi, Lidl und Co. einzukaufen. »Ein Zehnerl mehr für einen Liter Milch bringt niemanden um, aber den Bauern täte es gut«, so seine Meinung.

Mit Plakaten und Aufklebern machten die Landwirte darauf aufmerksam, dass am Ende alle, Erzeuger wie Verbraucher, Verlierer dieser Rabattschlacht sein werden. »Wer Qualität und Nachhaltigkeit will, darf nicht so mit hochwertigen Lebensmitteln und uns Bauern umgehen«, betont Sebastian Siglreithmayer.

Die Marktleiter der beiden Traunsteiner Filialen wollten keine Stellungnahme abgeben. Sie forderten, die Demonstration aufzulösen. mix