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Ein würdiges Fest zum 50. Marktjubiläum gefeiert

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Bürgermeister Rudi Jantke (rechts) staunte über den Einfallsreichtum der Schüler der Mittelschule, die zum Jubiläum einen langen Balken mit 50 Kerzen brachten. Er musste die 50 Kerzen ohne Luft zu holen ausblasen. (Foto: T. Eder)

Grassau – Es wurde gefeiert, erinnert und gelobt beim Festabend zur 50. Markterhebung. Das Grassauer Blechbläserquintett und die Damenkapelle der Musikschule überzeugten mit ihrem Spiel und Horst Lehnert bewies wieder einmal, dass er nicht nur als Standesbeamter eine gute Figur macht, sondern auch als Moderator.


Einwohner und Versorgungsfunktion

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Als Grassau am 12. April 1965 die Bezeichnung »Markt« verliehen wurde, waren Gemeindevertretung und Bürgermeister gleichermaßen stolz auf diese Auszeichnung, betonte Jantke. Grassau war die zweite von 55 Gemeinden, die sich Markt nennen durfte. Voraussetzung waren angemessene Einwohnerzahl, zentrale Lage mit Versorgungsfunktionen auch für umliegende Gemeinden und eine belebte Ortsmitte als Marktplatz.

Auch die damals aufstrebenden Körting-Werke spielten eine Rolle als größter Arbeitgeber der Region und die guten Beziehungen des damaligen Schulleiters, Rektor Trimpl, zu dessen Schwager, dem Bayrischen Innenminister Junker. An die schwierige Zeit, als Körting 1978 in Konkurs ging und viele Grassauer wie Achentaler ihre Arbeit verloren, erinnerte Jantke. Es sei gelungen, Grassau durch Förderung von Handwerk, Gewerbe, Landwirtschaft, Einzelhandel und Tourismus neu auszurichten.

Gemeinde auch für junge Menschen attraktiv gestalten

Eine Herausforderung heute sei es, ländliche Gemeinden auch für junge Menschen attraktiv zu gestalten, sagte Jantke. Besondere Bedeutung habe auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze, etwa, indem man die ehemaligen Industrieanlagen Körtings in einen Gewerbepark für mittelständische Betriebe umwandelt.

Wichtig sei die Einsicht der Gemeinden im Achental, intensiv zusammenzuarbeiten, im Abwasserzweckverband seit 40 Jahren, Schulverband, Musikschule und im Ökomodell. »Eine Gemeinde muss nicht mehr alles haben.

Stolz auf den Beitrag der Gemeinde zur Energiewende

Er sei stolz auf die Gemeinde und ihren Beitrag zur Energiewende mit dem Biomasseheizwerk. Er sei aber auch stolz auf die großartige Hilfsbereitschaft, Toleranz und Gelassenheit, die die Bürger auch gegenüber der seit 28 Jahren bestehenden Flüchtlingsunterkunft zeigen. In dieser Zeit habe es noch nie nennenswerte Probleme zwischen Hilfesuchenden und Bürgern gegeben. Die Grassauer Unterkunft sei mit 160 Asylbewerbern die größte Einrichtung im Landkreis.

Stolz sei er zudem auf das unglaubliche ehrenamtliche Engagement in Vereinen, sozialen Organisationen, der lokalen Agenda 21, der Bücherei, bei den Spielzeug- und Kleidermärkten, Feuerwehr und BRK und auch im Asylbewerberheim. Jantke würdigte diejenigen, die in den vergangenen 50 Jahren Verantwortung getragen haben, seine Vorgänger im Amt, postum Hans Steiner (1958-1974), posthum Konrad Strehhuber (1974-1986), Raimund Schupfner (1986-2002) und den damaligen Geschäftsleiter Claus-Dieter Hotz.

Dies sei ein festlicher Anlass für die gesamte Region, sagte Landrat Siegfried Walch und meinte, dass Grassau schon immer ein Zentrum der Region war. Markt sei eine würdige Bezeichnung für zunehmende Leistungskraft und Entwicklung. Es gehe nicht immer bergauf und ein Einschnitt sei der Konkurs der Körting-Werke sicher gewesen. Aber Grassau habe sich dennoch weiterentwickelt.

Walch: Gemeinde steht für Gastfreundlichkeit

Es sei nicht nur eine große, sondern auch wirtschaftlich starke Kommune. Im kulturellen Bereich wie auf dem bildenden Sektor habe Grassau Bedeutung für die Region und die Musikschule sei etwas ganz Besonderes. Grassau sei aber auch mit dabei, wenn es um die Energiewende gehe und da brauche es lokales Handeln, so der Landrat, der zudem auf die touristische Bedeutung der Gemeinde einging.

»Ihr seid eine Gemeinde, die für Gastfreundlichkeit und Weltoffenheit steht«, lobte Walch. Grassau sei Vorbild in der Asylpolitik. Auch wenn es nicht immer einfach sei, so müsse doch denen geholfen werden, die um Leib und Leben fürchten. Walch dankte für das Engagement in Kultur, Brauchtum, Sport und Soziales, dankte allen die geholfen haben, dass sich der Markt Grassau so entwickeln konnte.

An die gemeinsame Geschichte der Partnerschaft zwischen Grassau und Tscherms in Südtirol, die nun schon 52 Jahre währt, erinnerte Bürgermeister Roland Pernthaler. Zum Festabend sei nur eine kleine Delegation gekommen, doch zum Bürgerfest am 11. Juli werde auch die Musikkapelle anwesend sein, versprach er. Die Partnerschaft zur Gemeinde Raschau im Erzgebirge hat heuer 20-jähriges Bestehen, informierte Bürgermeister Manfred Meyer aus Raschau-Markersbach. Er ging auf die Umstrukturierung der Landkreise und Gemeinden in seiner Region ein. Die Kontakte entstanden 1990 und wurden mit der Unterzeichnung der Partnerschaft 1995 besiegelt.

Als Grassau 1965 zum Markt erhoben wurde, seien damit eine Verpflichtung und Herausforderungen verbunden gewesen, die Grassau angenommen habe. Trotz erheblicher Probleme habe die Gemeinde die Entwicklung stetig vorangetrieben. Meyer bezeichnete die Landschaft als sensationell und meinte, dass »der liebe Gott wohl doch eher ein Bayer war«. Glückwünsche überbrachte auch Bürgermeister Yves Picarda aus der befreundeten südfranzösischen Gemeinde Rognonas. Die Verbindung zu Rognonas bestehe seit 38 Jahren. »Hoch lebe die Freundschaft«, sagte er auf Deutsch.

Mittelschüler hatten viele gute Ideen

Die wohl schönste Überraschung des Abends überbrachten Wirtschaftsschüler der Mittelschule Grassau. Der Achtklässler Richard Stegemann stellte in launigen Worten das Geburtstagsgeschenk, einen langen Balken mit 50 weißen Kerzen und einem Geheimfach für Zündhölzer vor. Aufgabe des Bürgermeisters war es, diese 50 Kerzen in einem Atemzug auszublasen. Eine weitere Überraschung boten die Schüler im Foyer des Heftersaals. Dort hatten sie das Gemeindewappen aus rund 1600 hölzernen Wäscheklammern dargestellt. Hinter jeder Klammer verbarg sich ein Los mit der Chance auf ein Dinner. Dies waren aber nur zwei von zehn Projekten, die sich die Schüler mit ihrer Lehrerin Mirela Mitrenko ausgedacht haben. tb