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»Ein wirklich imposantes Bauwerk«

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Inzwischen ist der Bau aus dem Jahr 1963 in die Jahre gekommen. Eine bauliche Sanierung steht an – und kann vielleicht noch heuer beginnen. (Foto: Schwaiger)

Traunstein. Die Zeitgenossen überschlugen sich mit Lob, sprachen überschwänglich von einem »hervorragend gelungenen Werk« und einem »wirklich imposanten Bauwerk«: Heute vor genau 50 Jahren, am 1. März 1963, ist das Justizgebäude an der Herzog-Otto-Straße in Traunstein festlich eröffnet worden.


Im wahrsten Sinne des Wortes »in ganzer Größe« stehe das neue Justizgebäude da, hieß es auch begeistert in einem Artikel, der am 16. Januar 1963 im Traunsteiner Wochenblatt erschienen ist. Zweieinhalb Jahre hatte es gedauert, bis der sechsgeschoßige Hauptbau und sein »kleiner Bruder« daneben, das Gebäude der Sitzungssäle, fertig gewesen waren.

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»Es war höchste Zeit« für einen Neubau

Noch im Januar 1963 zogen die einzelnen Abteilungen in ihre neuen Räume ein: das Landgericht, das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft mit all ihren Dienststellen. Die damals »etwa 200 Angehörigen der Gerichte und der Staatsanwaltschaft« fanden laut Zeitungsbericht Arbeitsplätze vor, »um die sie manch anderer Büromensch geradezu beneiden könnte«. Und weiter heißt es: »Wer aber die Räume im jetzigen Landgerichts- bzw. im Amtsgerichtsbau kennt, der kann gar nicht anders, als festzustellen: Es war die höchste Zeit. Unübersichtlichkeit, Platzmangel, zu wenig Licht und andere Unerfreulichkeiten und hier und dort zu allem auch noch – selbst das ist vorgekommen – die Gefahr, dass nicht einmal mehr das Bauwerk selbst beisammen bleibt.« Das Landgericht war zuvor am Stadtplatz untergebracht gewesen, das Amtsgericht im Ämtergebäude an der Rosenheimer Straße.

Im neuen Justizgebäude gehörten Platzmangel und Co. der Vergangenheit an: »Mit Genugtuung kann der sichere Geschmack festgestellt werden, mit dem alle Räume eingerichtet sind«, stand am 16. Januar 1963 in der Zeitung.

Was bei der Eröffnung am 1. März 1963 verkündet wurde – und heute fast schon undenkbar ist: Die geplante Kostensumme von 5 020 000 Mark wurde »erheblich unterschritten«.

Engelbert Lohner, der jetzige Geschäftsleiter des Landgerichts, weiß, dass es bereits um 1900 Bestrebungen für eine neue Unterbringung der beiden Gerichte in Traunstein gegeben hatte. Doch die beiden Weltkriege verzögerten das Vorhaben. Dem ersten Spatenstich, so Lohner, sei außerdem ein »jahrzehntelanges Gerangel« um eine Verlegung des Landgericht-Standorts nach Rosenheim vorausgegangen. »Doch Traunstein konnte sich damals durchsetzen«, so Lohner. Die Anfänge der Gerichtsbarkeit in Traunstein gehen zurück ins 13. Jahrhundert.

Er selber erinnert sich noch an die Bauzeit. »Ich war damals Schüler am Chiemgau-Gymnasium. Wenn wir Turnunterricht hatten, mussten wir durch die Baustelle einen Umweg in Kauf nehmen.« Als Anwärter kam er dann 1967 zur Traunsteiner Justiz: »Ich weiß noch, wie schön neu damals alles war.«

Heute, fünf Jahrzehnte später, ist eine bauliche Sanierung nötig. »Die Heizkosten wachsen uns über den Kopf«, sagt Engelbert Lohner. Wenn man Glück habe, dann falle der Startschuss für die Außensanierung noch in diesem Jahr.

Zu wenig Platz für die Akten

Nach der Eröffnung des neuen Staatsanwaltschaftsgebäudes im Jahr 2000 und des Erweiterungsbaus für das Amtsgericht ist an der Herzog-Otto-Straße wieder Platz für alle Angestellten und Beamten der Traunsteiner Justiz; zwischenzeitlich war ein Teil der »Mannschaft« in einem Provisorium am Salinenberg untergebracht. Zu wenig Platz ist aktuell nur für die Akten. »Da tun sich Probleme auf«, so Lohner.

Doch unterm Strich, so bestätigt der Geschäftsleiter des Landgerichts, habe das Gebäude seinen Zweck gut erfüllt. Nicht selten komme es vor, dass bei Sommerhitze die Kollegen aus den Neubauten neidisch sind auf die im Altbau. »Die Räume sind gut 2,90 Meter hoch und die Fenster nicht zu groß. Da ist es im Sommer angenehm kühl.« san