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Ein Wikinger-Schatz von Emil Huber

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Emil Huber mit der offiziellen Fundkarte, mit der er seinen Wikingerschatz der Archäologischen Staatssammlung meldete. Die Funde sind derzeit in Rosenheim zu sehen.

Schleching – Emil Huber aus Schleching hat eine ungewöhnliche Visitenkarte: »Hobby-Archäologe« steht dort als inoffizielle Berufsbezeichnung aufgedruckt. Seit 22 Jahren geht der Rentner mit Metalldetektor und Kopfhörer auf Schatzsuche. Das hat dem Lokschuppen Rosenheim einzigartige Exponate beschert, die in der Ausstellung »WIKINGER!« erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.


Zu sehen sind ein prachtvolles Ensemble aus vergoldeten Riemenbeschlägen mit Tierornamenten, Riemenenden, einem Riemenverteiler und einer Schnalle. Alles zusammen bildete einst eine Gürtelgarnitur, mit der ein Wikinger sein Schwert festhielt. Gefunden hat Emil Huber den Schatz am 6. Dezember 2003 auf einer »markanten Anhöhe« bei Marquartstein. So steht es in der Fundkarte. »Ich habe nicht gedacht, dass das so alt und so wertvoll ist«, sagte Huber.

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Auf die Spur des Fundes kam er durch seinen Freund Josef Bock, der bereits 1996 zwei dieser kleinen Teile gefunden hatte. »Ich habe mir gedacht, da muss noch mehr sein. An einem Wintertag, als noch kein Schnee lag, bin ich nochmal in den Wald.« Huber meldete seinen Fund sofort der Archäologischen Staatssammlung. »Dann kamen gleich vier Archäologen zur Begutachtung. Der Fundort wurde abgesperrt, nochmal umgegraben, und tatsächlich hat man noch ein kleines Teilchen gefunden.«

Uneins waren sich die Experten über die Bedeutung des Fundes. So wurde der Schatz erst falsch datiert. Erst die Archäologin und Kuratorin der Wikinger-Ausstellung im Lokschuppen, Dr. Michaela Helmbrecht, erkannte sofort: Diese kostbaren Teile stammen aus der Karolingerzeit und gehörten einem Wikinger. Unklar ist, wie der Schatz nach Marquartstein kam. Möglicherweise hat ein Wikinger die Riemengarnitur dort verloren, vielleicht gehörte sie aber auch einem Bajuwaren. Heute ist die Archäologische Staatssammlung der Eigentümer der Riemengarnitur. Emil Huber verkaufte diesen Schatz. Viele andere hat er aber behalten. Seine Sammlung umfasst über 500 Fundstücke, viele davon aus der Bronzezeit und der Urnenfelderzeit von 1200 bis 800 vor Christus. Daheim beherbergt er deshalb ein kleines Privatmuseum, das man auf Anfrage auch besichtigen kann. Außerdem hat er schon einige kleinere Ausstellungen organisiert.

Rund um Marquartstein ist Emil Huber längst ein bekannter und geschätzter Hobby-Archäologe. Seine Leidenschaft für seine Streifzüge durch die Landschaft mit Metalldetektor und Kopfhörer begann früh. »Ich hatte schon in der Schule einen Pfarrer, der an Geschichte interessiert war. Ich habe von ihm viel gelernt.« Bis zu seiner Rente hatte Emil Huber einen Textilreinigungsbetrieb. Mit der Schatzsuche begann er im Alter von 50 Jahren. »Ob man erfolgreich ist, hängt alles von der Erfahrung ab. Ich schaue immer: Ist da ein Wasser in der Nähe? Dann gibt es oft etwas auf Anhöhen, wo man sich früher gerne angesiedelt hat, weil es sicherer war.«

Vor allem aber braucht man als Schatzsucher ein gutes Gehör. »Meistens merke ich am Ton des Metalldetektors, ob es sich um Bronze, Silber oder Gold handelt. Eisen kann ich ignorieren.« Zuweilen aber muss auch ein Experte wie Emil Huber mit Enttäuschungen leben. »Es ist schon passiert, dass das Gerät angeschlagen hat und ich mich auf einen Schatz gefreut habe. Dabei waren es nur Flaschenverschlüsse oder Bierdeckel. Ich hole auch viel Mist aus unseren Wäldern.«

Seine große Sammlung wird in Zukunft eine neue Heimat bekommen. Hobby-Archäologe Emil Huber wird all seine Schätze einem Museum in Unterwössen übergeben.

Die Ausstellung »WIKINGER!« ist noch bis 4. Dezember im Lokschuppen in Rosenheim zu sehen. Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und Samstag, Sonntag und am Feiertag von 10 bis 18 Uhr. fb