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»Ein Tag, der lange im Gedächtnis bleiben wird«

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Stolz nahmen (von links) Gerhard Mauermann als Lindl, Georgivereinsvorsitzender Albert Schmied, Oberbürgermeister Christian Kegel und seine Ehefrau Konstanze die Urkunde im Münchner Kaisersaal entgegen. Weitere Fotos vom Festakt finden Sie im Internet unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos. (Fotos: Schwaiger-Pöllner)
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Auch die Schwerttänzer präsentierten sich auf der Bühne im Kaisersaal der Münchner Residenz.
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Ein wohl einmaliger Anblick: Schwerttänzer und Landsknechte halfen in München zusammen, um den »Frühling« in die Höhe zu heben und ihn so symbolisch über den Winter dominieren zu lassen.
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In der Eingangshalle der Residenz warteten die Traunsteiner auf den Beginn des Festakts.
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Georgivereinsvorsitzender Albert Schmied im Interview mit Moderatorin Traudi Siferlinger.

Traunstein – Es war »ein Tag, der uns lange im Gedächtnis bleiben wird«, wie es der Vorsitzende des Georgivereins, Albert Schmied, ausdrückte: Bei einem Festakt im Kaisersaal der Münchner Residenz nahm Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle den Traunsteiner Georgiritt und den Schwertertanz in das bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf – zusammen mit elf anderen Traditionen und Bräuchen aus dem Freistaat wie etwa dem Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald.


»Traditionen machen die Heimat unverwechselbar, Traditionen halten die Gesellschaft im Innersten zusammen«, sagte Spaenle in seiner Festrede. Die Anwesenden aus allen Ecken Bayerns, unter ihnen eine 20-köpfige Delegation aus Traunstein, lobte er dafür, dass sie sich dafür einsetzen würden, Traditionen zu bewahren.

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Vor allem den Heimat-Begriff beleuchtete Spaenle in seiner Ansprache: »Daheimsein in der Globalisierung ist was ganz Modernes«, führte der Minister aus. Es sei wichtig, zu wissen, »auf welchem Boden man steht«. Im Freistaat sei das Bewusstsein für Heimat besonders groß – und das unterscheide Bayern auch von den anderen Bundesländern. Ein Zeichen dafür sei, dass 21 der 57 Traditionen und Bräuche, die sich aktuell für die Aufnahme in das Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes bewerben würden, aus Bayern kämen.

Darunter sind auch der Traunsteiner Georgiritt und der historische Schwertertanz, die jetzt zumindest schon die erste Hürde, die Aufnahme ins Landesverzeichnis, genommen haben. Zu diesem wichtigen Ereignis war am Donnerstag eine 20-köpfige Delegation nach München aufgebrochen. Im Kleinbus saßen alle bereits in ihren historischen Kostümen – Albert Schmied als Herold, Gerhard Mauermann als Lindl, eine ganze Reihe Landsknechte, ein Ritterfräulein, eine Handvoll Schwerttänzer mit zwei Wurstln. Der Jüngste der Delegation gerade mal 14 Jahre alt, der Älteste stolze 84. Der Bus vollgepackt mit Standarte, Hellebarden, Schwerten, einer Trommel und der großen Kiste mit der Lindl-Rüstung.

»Ich bin nervöser, wenn wir am Stadtplatz stehen«

»Das ist schon eine Ehre«, sagte Sepp Parzinger, der seit vielen Jahren für die Ausbildung der Schwerttänzer zuständig ist, bei der Hinfahrt. Von Aufregung angesichts der Verleihung in festlichem Rahmen vor gut 200 Menschen war bei ihm keine Spur: »Ich bin nervöser, wenn wir am Stadtplatz stehen«, sagte er mit Blick auf die Auftritte der Schwerttänzer am Ostermontag.

Die wohl einzige Herausforderung für ihn und die anderen Schwerttänzer war, dass sie für die Hebefigur, die sie auf der Bühne im Münchner Kaisersaal aufführen sollten, nicht genügend Leute waren und spontan ein paar Landsknechte einspringen mussten. Doch nach ein paar Testläufen in der Eingangshalle der Residenz schien auch das kein Problem mehr zu sein.

Und tatsächlich ging dann auch alles gut, als Moderatorin Traudi Siferlinger die Traunsteiner Delegation auf die Bühne bat: Die zentrale Hebefigur des Schwertertanzes, die Symbol für den Sieg des Frühlings über den Winter ist, funktionierte einwandfrei. Zuvor hatte Professor Daniel Drascek, der Vorsitzende der siebenköpfigen Expertenkommission, die die Traditionen und Bräuche für das Landesverzeichnis ausgewählt hatten, den Georgiritt und den historischen Schwertertanz kurz vorgestellt. Dabei führte Drascek unter anderem aus, dass der Georgiritt in Traunstein seit 1762 nachweisbar ist und die ältesten Belege für einen Schwertertanz sogar auf das Jahr 1530 datiert sind. Das immaterielle Kulturerbe, so der Professor, sei zwar physisch nicht zu greifen, würde der Kultur aber ganz wesentlich ihre Prägung verleihen.

Ein anerkennendes Raunen ging durch den Saal

Albert Schmied unterstrich auf der Bühne, wie wichtig für den Georgiritt das Hauptmotto »Stadt und Land – Hand in Hand« sei. Ohne die Landgemeinden könnte die Veranstaltung in der Stadt niemals das sein, was sie jetzt ist. Ein anerkennendes Raunen ging durch den Saal, als Schmied ausführte, dass er erstmals als Fünfjähriger beim Georgiritt mitgeritten sei, damals als Postillon – »und seither bin ich jedes Jahr dabei gewesen«.

Gerhard Mauermann erzählte Moderatorin Traudi Siferlinger, dass er 1953 als Postillon angefangen hat und jetzt seit bereits 26 Jahren den Lindl mimt. »Also, der Lindl ist der Höchste?«, wollte Siferlinger wissen. »Für mich schon«, antwortete Mauermann verschmitzt und hatte damit die Lacher des Publikums auf seiner Seite.

Als der Kultusminister der Delegation aus Traunstein schließlich die Urkunde überreichte, kamen auch Oberbürgermeister Christian Kegel und seine Ehefrau Konstanze auf die Bühne; sie waren im Privatauto zur Verleihung nach München gefahren.

Zusammen mit den anderen Vertretern der ausgezeichneten Traditionen und Bräuche – unter ihnen etwa noch das Feldgeschworenenwesen in Bayern, der Zwiefache und das Wunsiedler Brunnenfest – ließen die Traunsteiner den Abend bei einem Staatsempfang in den angrenzenden Räumlichkeiten ausklingen. »Wir haben eine hervorragende Veranstaltung erlebt«, resümierte Georgivereinsvorsitzender Albert Schmied bei der Heimfahrt im Bus. san