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Ein Stück mehr Lebensqualität für Tobias

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Seit einem Skiunfall vor fünf Jahren sitzt Tobias Schwaiger aus Übersee im Rollstuhl. Um die Stammzellentherapie zu finanzieren, die ihm wenigstens viele Schmerzen nehmen würde, sammelt er nun Spenden.

Übersee. Seit fünf Jahren ist Tobias Schwaiger an den Rollstuhl gefesselt. Er ist vom Hals an abwärts gelähmt. Seit einem Skiunfall vor fünf Jahren ist sein Leben geprägt von Krankheit, unzähligen Operationen, langen Klinikaufenthalten, Einsamkeit und von unerträglichen Schmerzen. »Die Schmerzen sind das Schlimmste«, sagt er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Dabei gibt es Wege und Möglichkeiten, seine Schmerzen zu lindern. Doch die Therapie ist teuer. Da ist jede Spende ein kleiner Schritt zu mehr Lebensqualität.


Soldat zu werden, war seine Berufung

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Tobias ist 25 Jahre alt. Mit 18 entschied er sich, Soldat zu werden. Er kam zu einer Spezialeinheit, der DSO – Division Spezielle Operationen. »Das war meine Berufung. Ich war mit Herz und Seele Soldat«, erzählt Tobias. Die Zeit bei der Bundeswehr ist für ihn nicht nur mit positiven Erfahrungen verbunden, vor allem die Einsätze im Ausland haben sich eingeprägt. Trotz aller Erlebnisse, die tiefe Spuren in seiner Seele hinterlassen haben, war es für ihn bis heute die richtige Entscheidung.

Der 17. Januar 2009 war sein erster Urlaubstag nach einem langen Auslandseinsatz. Mit Freunden fuhr er nach Österreich zum Skifahren. Bei der letzten Abfahrt stürzte er, schlug mit dem Kopf auf einer Eisplatte auf und brach sich das Genick. Mit einem Rettungshubschrauber wurde er ins Unfallkrankenhaus Salzburg geflogen und dort notoperiert. Doch es war zu spät. Die Diagnose war klar: Querschnittslähmung. Tobi würde nie wieder laufen können.

Nach der Not-OP lag Tobias 14 Tage im künstlichen Koma. »Das war mit Abstand die schlimmste Zeit in meinem Leben«, berichtet er. Im Koma plagten ihn Albträume von den Bundeswehr-Einsätzen und der Gewalt, die er erlebte – vermischt mit Stimmen seiner Eltern, Verwandten und Freunde, die ihn besuchten. Nach zwei Wochen wurde er ins Bundeswehrkrankenhaus Ulm verlegt. Dort erst wurde das Ausmaß seiner Behinderung festgestellt. In Salzburg wurde viel zu früh eine Querschnittslähmung diagnostiziert – deshalb wurden ihm dort auch zwei Schrauben zur Stabilisierung ins Rückenmark gedreht. Diese Schrauben sind nach seiner Ansicht bis heute der Grund für die Stärke seiner Lähmung und seiner starken Schmerzen.

Doch das war nicht alles. Es folgten ein stressbedingtes Magengeschwür, eine Lungenembolie, ein Arterienriss im Oberschenkel, der durch die Therapie entstand, und ein Dutzend weiterer Operationen an der Halswirbelsäule wegen Entzündungen zwischen dem zweiten und dem dritten Halswirbel. »Mein Kampf begann verrückterweise erst nach der Zeit bei der Bundeswehr«, sagt Tobi.

Krankenschwestern und Pfleger wurden zu Freunden

Doch er erträgt sein Schicksal ohne Jammern, mit viel Kampfgeist und Mut. Unzählige Krankenhausaufenthalte hat er überstanden – oft einsam und Hunderte von Kilometern entfernt von daheim. Krankenschwestern und Pfleger wurden seine neuen Freunde. Sie stehen ihm treu zur Seite und geben ihm neuen Mut, wenn er keine Kraft mehr hat.

Tobias lebt in Übersee im Haus seiner Eltern. Viel Hoffnung auf Besserung gibt es nicht. Sein Leben ist nur unter extremen Schmerzen möglich. Ohne Morphium wäre der Alltag undenkbar. »Ich schlafe jeden Abend mit Schmerzen ein und wache zwei bis drei Stunden später mit Schmerzen wieder auf. Länger als drei Stunden kann ich nicht schlafen«, sagt Tobi.

Einzige Hoffnung ist eine besondere Form der Stammzellentherapie, die seine Schmerzen lindern könnte. Dabei werden Stammzellen ins Rückenmark injiziert. Diese bilden Brücken zwischen gequetschten und zerstörten Nervenzellen. Damit hätte er nicht nur weniger Schmerzen, es besteht auch eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er bestimmte Funktionen wiedererlangen kann. Beispielsweise könnte er seinen Bizeps wieder bewegen und belasten. Eigenständiges Umsetzen aus oder in den Rollstuhl wäre möglich. Das führende Zentrum für diese Therapie liegt in Panama.

Im Krankenhaus lernte er Leidensgenossen kennen, denen diese Stammzellentherapie viele Schmerzen genommen und neuen Lebensmut geschenkt hat. Leider gibt es für die Behandlung von der Krankenkasse keinerlei finanzielle Unterstützung. Für Behandlung einschließlich Reisekosten sind 80 000 Euro notwendig, die Tobias selbst nicht zur Verfügung hat. Deshalb hofft er auf Spenden, auch wenn sie noch so klein sind. Die Therapie ist seine einzige Hoffnung, ohne die unerträglichen Schmerzen leben zu können.

Straßenkonzert für Tobias am Samstag am Maxplatz

Gemeinsam wollen seine Freunde mit verschiedenen Aktionen Geld für die Therapie auftreiben. Dazu haben sie eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Die Bürgerstiftung »Traunsteiner Land« unterstützt Tobias und die Aktionen seines Freundeskreises mit einem Spendenkonto. Damit ist es möglich, dass die Spenden steuerlich abzugsfähig sind.

Am Samstag ab 10 Uhr will Tobias – sofern sein Gesundheitszustand es zulässt – auf dem Maxplatz in Traunstein mit seinen Freunden um Spenden für ihn und die ersehnte Therapie bitten. Dabei geben seine Freunde ein Straßenkonzert. Wer Tobias Schwaiger helfen möchte kann dies durch eine Spende auf das Konto 10 7777 5 bei der VR-Bank Oberbayern Südost (BLZ 710 900 00) tun. pv