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Ein Schritt zu mehr Inklusion von Gehörlosen

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Bei der Vorführung des Films im Traunsteiner Ratssaal zeigte der Vorsitzende des Gehörlosenvereins, Robert Mörtl, mit einigen Gehörlosen Ausschnitte von Tanzeinlagen im Film.

Traunstein. Mit dem gemeinsamen Filmprojekt »Traunstein sichtbar/hörbar in Bewegung« von Gehörlosen und Hörenden machte der Gehörlosenverein Traunstein und Umgebung auf sich und seine Arbeit aufmerksam. Mit Unterstützung der Volkshochschule Traunstein entstand für die Chiemgauer Kulturtage eine kinetisch-tänzerische Entdeckung der Stadt Traunstein.


Der kurzweilige und interessante Film der Projektleiterin, Choreographin und Tanzwissenschaftlerin, Corinna Spieth aus Traunstein, wurde während der Kulturtage im Traunsteiner Kulturzentrum, im Rathaus und im Hof des Landratsamtes gezeigt. Wie bereits bei den Oberbayerischen Kultur- und Jugendkulturtagen 2013 sollte mit diesem Projekt der inklusive Gedanke in die Öffentlichkeit getragen werden.

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Im Film ist die Bewegung zu den Klängen Mittel zum Zweck. Vor der Vielseitigkeit tänzerischer Bewegung bilden historische Plätze der Stadt wie die Arkaden des ehemaligen Friedhofs im Stadtpark oder der Stadtplatz die theatralische Kulisse. Mit dem mal witzig, mal schnell geschnittenen Film eröffnet Projektleiterin Spieth den Zuschauern neue Perspektiven auf die Stadt und ihre besondere Architektur.

Der Vorsitzende des rund 55 Mitglieder starken Gehörlosenvereins, Robert Mörtl, erklärte beim anschließenden Gespräch, dass bei der Erstellung des Films der Kontakt mit den Hörenden visuell, durch Zeichen der Gebärdensprache und Handzeichen erfolgte. Tochter Jana Mörtl gestand, dass es nicht immer einfach gewesen sei, weil die Zusammenarbeit für beide Seiten etwas Neues gewesen sei. Durch die Kommunikation beim Tanzen habe man aber keinen Unterschied bemerkt, ob es sich um einen gehörlosen oder hörenden Tänzer gehandelt habe, so Spieth.

Beim Pressegespräch erklärte Vorsitzender Robert Mörtl, dass er die Aufgabe seines Vereins darin sieht, den Gehörlosen in der Welt der Hörenden mehr Ansehen zu verschaffen, aber auch die Kultur der Gehörlosen sowie die Gebärdensprache zu erhalten. »Der Wunsch der Gehörlosen ist es, dass ebenfalls mehr Hörende die Gebärdensprache erlernen«, ergänzt er. Die Gehörlosen würden sonst aus dem Alltag ausgeschlossen werden und die sozialen Bindungen verlieren.

Jana Mörtl meinte, man müsse versuchen, die Gebärdensprache mehr in die Öffentlichkeit zu bringen. Aus den Reihen der Zuschauer wurde deshalb die Forderung erhoben, dass es im Traunsteiner Landratsamt einen ständigen Gebärdendolmetscher geben müsse, um die Gehörlosen bei der Erledigung von Amtsgeschäften zu unterstützen. Robert Mörtl wünschte sich zudem, dass im Rahmen der Inklusion auch Gebärdendolmetscher bei öffentlichen Veranstaltungen dabei seien, die das Geschehen synchron übersetzen. Bjr

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