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»Ein Riesenspaß, solange nichts passiert«

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Als »Werbeträger für die Stadt, mehr als alle Hochglanzprospekte zusammen, bis weit nach Österreich hinein«, bezeichnete dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner die Traunsteiner Rosentage. Die Stadt Traunstein wird ab 2017 als Mitveranstalter auftreten, ebenso wie beim Faschingszug der Faschingsfreunde Blau-Weiß-Kammer im kommenden Jahr. (Foto: Archiv Artes)

Traunstein – Die Stadt Traunstein wird im kommenden Jahr als Mitveranstalter bei den Rosentagen und beim Faschingszug der Faschingsfreunde Blau-Weiß Kammer auftreten. Das beschloss der Stadtrat in seiner gestrigen Sitzung. Diskutiert wurde sowohl im Stadtrat als auch im Kultur- und Sportausschuss darüber, inwieweit die Stadt haftbar gemacht werden kann, falls etwas passieren sollte.


Der Faschingsverein Blau-Weiß Kammer hatte beantragt, die Stadt möge beim Faschingszug 2017 in Kammer als Mitveranstalter auftreten, wie sie das auch beim jährlichen Faschingszug der Veitsgroma Zunft immer getan hat. Anders als vielfach vermutet, richtet der Kammerer Verein seinen Faschingszug nicht als Ersatz für den im kommenden Jahr nicht stattfindenden Traunsteiner Faschingszug aus. Anlass für den Faschingszug in Kammer ist vielmehr das 33-jährige Bestehen der Faschingsfreunde Blau-Weiß Kammer im Jahr 2017.

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Beantragt hatte der Verein, dass die Stadt als Mitveranstalter zum Beispiel die Kosten für Versicherung und Gema sowie den Druck von Plakaten übernehmen soll. Außerdem ging es um das Aufstellen kostenloser Plakattafeln, Bauhofleistungen und das Entsorgen von Müll nach der Veranstaltung.

»Das war immer ein Highlight«

»Das ist sehr schön, dass die das zu ihrem Jubiläum machen«, lobte Oberbürgermeister Christian Kegel im Kultur- und Sportausschuss. Auch Uwe Steinmetz (UW) war froh. »Das war immer ein Highlight, wenn die was gemacht haben«, lobte er die Blau-Weißen.

»Sehr gut, dass wir als Stadt die Vereine unterstützen«, fand auch Wilfried Schott (Grüne) die Geschichte, »aber gehen wir da als Mitveranstalter nicht haftungsrechtlich und finanziell ein Risiko ein?«, fragte er. Er sei gerne dafür, sich finanziell zu beteiligen, aber als Mitveranstalter aufzutreten, das gehe ihm zu weit.

Ähnlich sah das Stephan Hohenschutz von der Verwaltung: Ein Mitveranstalter gehe neben Fragen der Sicherheit und Ordnung auch Verpflichtungen in Bezug auf haftungs- und finanzrechtliche Fragen ein.

»Ob Mitveranstalter oder nicht, das spielt doch keine Rolle«, sagte dazu dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD), »wichtig ist doch, dass die von uns ein positives Signal kriegen. Unterstützen wir's einfach, dann sind wir halt Mitinitiatoren.«

Zweiter Bürgermeister Hans Zillner (CSU) sah das eher kritisch. »Das ist alles ein Riesenspaß, solange nichts passiert. Wenn doch, reden da nicht mehr wir, sondern ganz andere Leute drüber, wie das rechtlich und finanziell ausschaut.« Zillner regte an, eine generelle Regelung zu erlassen, wann die Stadt als Mitveranstalter auftritt und wann nicht. Aber »in dem Fall kommen wir nicht mehr aus«, sagte er mit Blick auf die Gleichbehandlung der Faschingsvereine. Und Christa Fuchs (CSU) meinte, man solle schon eine Wertschätzung ausdrücken. Und eine Versicherung müsse der Veranstalter ja ohnehin haben.

»Es wäre einfach schwer zu vermitteln, warum wir bei der Veitsgroma Zunft als Mitveranstalter auftreten und beim Faschingsverein aus Kammer nicht«, betonte Oberbürgermeister Christian Kegel im Stadtrat. Dieser sah das letztlich ähnlich und votierte mit 15 zu 5 Stimmen dafür, dass die Stadt im kommenden Jahr beim Faschingszug der Faschingsfreunde Blau-Weiß Kammer als Mitveranstalter auftritt.

Rosentage sind »wirklich ein Aushängeschild für die Stadt«

Das trifft auch für die Traunsteiner Rosentage 2017 zu. »Sie sind wirklich ein Aushängeschild für die Stadt«, sagte dazu Oberbürgermeister Christian Kegel. Die Mitveranstalterrolle sei hier in erster Linie so gedacht, dass man der Werbegemeinschaft als Veranstalter signalisiere, »das, was ihr hier macht, ist für uns wertvoll«.

Wieder war es Wilfried Schott (Grüne), der Bedenken hatte. »Ich kann es nur wiederholen. Ich kann nicht zustimmen, dass die Stadt irgendwo Mitveranstalter ist. Es ist selbstverständlich vollkommen in Ordnung, dass wir finanzielle Leistungen bringen, aber nicht, dass wir haftungs- und finanzrechtlich die Verantwortung übernehmen.« Im Stadtrat wollte er wissen, ob die Stadt als Mitveranstalter auch an den Gewinnen der Rosentage beteiligt werde.

Dazu sagte Oberbürgermeister Christian Kegel, dass das bislang immer ein ziemliches Nullsummenspiel gewesen sei. »Und wenn überhaupt, dann gab es einen kleinen Verlust, den die Traunstein erleben GmbH getragen hat.«

Für Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) war klar, dass die Stadt als Mitveranstalter auftreten sollte: »Die Leute sagen ja nicht, 'die Werbegemeinschaft hat das toll gemacht', die sagen, 'die Stadt hat das toll gemacht'. Und die Veranstalter sind selbstverständlich absolut abgesichert.« Es scheine zwar rechtliche Bedenken zu geben, die sie nicht sehe, aber »die Rosentage sind ein Werbeträger für die Stadt, mehr als alle Hochglanzprospekte zusammen, bis weit nach Österreich hinein.«

Einen entsprechenden Antrag hatte die Traunsteiner Werbegemeinschaft mit Vorsitzendem Thomas Miller gestellt. Der Stadtrat stimmte – wie auch beim Faschingszug – mit 15 zu 5 Stimmen dafür, dass die Stadt im kommenden Jahr als Mitveranstalter der Rosentage auftritt. Diese Entscheidung könne aber jederzeit widerrufen werden, hieß es.

Bislang trat die Stadt als Mitveranstalter bei den Faschingsumzügen der Veitsgroma-Zunft, beim Georgiritt, den Chiemgauer Kulturtagen, dem Pfälzer Weinfest und beim Traunsteiner Apfelmarkt auf. Nun kommen zwei weitere dazu. KR/coho