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Ein raffinierter Geldschrankknacker

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Es wird Geburtstag gefeiert – doch das böse Ende folgt auf dem Fuß: Das scheint auch das sorgenvolle Gesicht von Tochter Franzi (Margit Weinmann, links) anzudeuten. Sie stößt zusammen mit dem Vater (Helmut Loipfinger) und den Schwestern Luise (Franziska Mader, rechts) und Barbara (Lydia Mayerbüchler) an. (Foto: H. Eder)

Waging am See. »Das Geld liegt auf der Bank« heißt das neue Stück des Kolping-Theaters Waging am See, das vor fast ausverkauftem Pfarrsaal Premiere gefeiert hat und die Besucher köstlich amüsiert zurückließ. Dass das Geld auf der Bank liegt, das war der zentralen Person des Stücks, dem Kunstschlosser Gustav Kühne (eine prächtige Rolle für Helmut Loipfinger), ein Dorn im Auge – viel lieber hätte er die Moneten eigenhändig aus dem Tresor geholt, war er doch ein begnadeter Künstler im Umgang mit dem Schweißbrenner.


Im ersten Teil des Stücks (beim »Vorspiel, das auch ein Nachspiel hat«, wie Regisseurin Martina Schmid ankündigte) war die Welt noch in Ordnung. Gustav Kühne plante sorgfältigst seine Einbrüche – übrigens auch ganz im Einvernehmen mit seiner Familie: Seine beiden Töchter Luise und Franzi (Katharina Trattler und Franziska Mader) unterstützen ihn dabei und denken richtig mit. Kriminalkommissar Böttcher (Wiggerl Stief), der die professionelle Handschrift von Gustav Kühne wohl kennt, möchte ihm die konkrete Tat – und noch einige weitere in der Vergangenheit – gern nachweisen, was ihm, nicht zuletzt auch wegen der Schläue der Töchter, nicht gelingt. Die sind inzwischen – brav und wohl erzogen, wie sie sind – trotz der »Nachtschicht« längst wieder in die Schule gegangen.

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Aber der Schock darüber, dass ein paar Jahre Gefängnis so kurz bevorgestanden sind, veranlasst Kühne – nicht zuletzt auf Drängen seiner Frau (Sabine Loipfinger) – zu einem Schwur, seine Panzerknacker-Karriere wenn auch nicht zu beenden, so aber doch lange Zeit auf Eis zu legen. Was ihm viele, viele Jahre der Sehnsucht nach einem ordentlichen Aufbruch beschert, den er in seinem Leben doch noch einmal verwirklichen möchte: »Das Leben muss doch einen Sinn haben.«

Im zweiten Teil haben seine inzwischen erwachsenen Töchter – jetzt dargestellt von Monika Mader und Margit Weinmann – Karriere gemacht und sind von der Aussicht, dass ihr Vater doch vielleicht nochmals in sein altes Fahrwasser zurückgleitet, nichts weniger als begeistert. Und von da an nehmen verwickelte Geschehnisse ihren Verlauf – eine stete Quelle größten Vergnügens für die Besucher. Vor allem die beiden Töchter erfreuen das Publikum mit ihren ätzenden Sprüchen aufeinander und auch ihrem Vater gegenüber, haben sich die Drei doch ganz schön auseinander entwickelt. Und der stets präsente Sarkasmus des Vaters sorgt ebenfalls für viel Lacherfolg.

Und da ist dann auch noch die Nachzüglerin Barbara (Lydia Mayerbüchler), die von der früheren »Karriere« ihres Vater bis dato noch keine Ahnung hatte. Ironischerweise wird sie von einem Verehrer umgarnt – Hans Böttcher (Johannes Schmuck), dem Sohn des Kriminalkommissars von ganz früher, der möglicherweise die Geschichte des Bankräubers Kühne aufschreiben möchte. Dem muss natürlich ein Riegel vorgeschoben werden, findet die Familie einmütig. Vervollständigt wird das Ensemble von Kühnes Enkelin (Zweitrolle für Katarina Trattler), die den coolen Opa so recht bewundert, und von einem Vertreter für Alarmanlagen (Claus Liebl), der Opa Kühne sehr willkommen ist.

So erlebt das Publikum ein Stück, das seinen Charme und seinen Humor nicht zuletzt daraus bezieht, dass Geldschrankknacker Kühne sein Metier so als ganz normalen Beruf sieht, in den er sein ganzes Engagement und seinen ganzen Stolz leg. Und selbst ein Tresorknacker hat so seine Prinzipien: »Stehle nie mehr als du brauchst!«

Weitere Vorstellungen sind am morgigen Samstag um 20 Uhr, am Sonntag um 18 Uhr sowie am 18. Januar um 20 Uhr und am 19. Januar um 18 Uhr im Waginger Pfarrheim. Kartenvorbestellungen sind bei der Tourist-Info unter Telefon 08681/313 möglich. he