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Ein politisch Verfolgter und seine Partisanen

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Franz Fuchs (links), Willi Schwenkmeier (rechts) und Christa Fuchs verliehen Oberbürgermeister Christian Kegel den Orden »Für nix und wieder nix«.
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Beschützt von zwei Landsknechten hielt Albert Rosenegger seine Fastenrede. (Fotos: Buthke)

Traunstein – Humor war am Samstag wieder Trumpf beim Traunsteiner Starkbierfest im historischen Saal des Hofbräuhauses. Höhepunkt war der Auftritt des Fastenpredigers Albert Rosenegger, der bis vor zehn Jahren mit seinen Reden beim CSU-Starkbierfest brillierte. Bei seinem Auftritt und dem Spiel des NUTS-Trios wurden vor allem die Kommunalpolitiker wieder deftig »derbleckt«. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Traunsteiner Stadtmusik.


Den Auftakt übernahm jedoch Bräu Maximilian Sailer, der einiges feststellen musste über die »Bierstadt« Traunstein: Dass zwar eine schöne Bierpfanne einen Kreisverkehr schmückt, aber die Brauereien nicht genannt werden dürfen, dass es beim Faschingszug Bier in Plastikbechern und Dosen gibt oder auch, dass die Wirtshäuser für die jungen Leute zugesperrt werden sollen, weil sie keine Vergnügungsstätten sein dürfen. »De junga Leit soll'n brav dahoam bleim in der Bierstadt Traunstein und an Kakao tringa«, so Sailer.

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Begleitet von der Bayerischen Bierkönigin Marlene Speck und der »Miss Chiemgau« Bettina Scheiwein durfte Oberbürgermeister Christian Kegel im Anschluss auf der Bühne das erste Fass mit dunklem Bock anzapfen.

Fastenprediger Rosenegger, der die Traunsteiner als »Ihr Unverbesserlichen« begrüßte, erinnerte sich zu Beginn, dass er vor zehn Jahren in der Franz-Eyrich-Halle eine Fastenrede gehalten hatte. Damals habe es Traunstein metertief eingeschneit, aber niemand sei auf die Idee gekommen, das Dach könne nicht standhalten. Der Saal des Vereinshauses sei damals schon 15 Jahre geschlossen gewesen. Heute werde dort ohne bauliche Veränderung Theaterpublikum empfangen. Die Statik habe sich also von selbst verbessert.

Zu Oberbürgermeister Kegel meinte Rosenegger: »Wenn ma Eahna begegnet, moant ma immer, Sie kemman aus dem 'Land des Lächelns'. Aber nix do, sie kemman aus dem abgründigsten Niederbayern, aus Abensberg, wo nach der alljährlichen 'Schlacht im Gillamoos' de Scherm von de zammdroschenen Maßkrüg knöcheltief unter de Biertisch leng.«

»Haben Sie schon einen Asylantrag gestellt?«

Aber nicht deshalb fragte er Kegel, ob er schon einen Asylantrag gestellt habe, sondern weil er ein politisch Verfolgter sei. Denn er habe oft nicht nur ein feindliches Lager, sondern – wenn es hoch hergehe – gleich zehn. »Sie ham ja einen Rat beinander, der einer verbalen Partisanentruppe gleicht.«

Zum Bürgerbegehren gegen die Landesgartenschau stellte Rosenegger fest, dass der Traunsteiner schon oft bewiesen habe, dass er der geborene Pessimist sei, der sogleich losziehe, um das Virus der Dumpfheit auf seine Mitmenschen zu übertragen. Die Grünen, deren Nummer die Landesgartenschau eigentlich sei, verkröchen sich wie scheue Zauneidechsen in ihrem selbst konstruierten Biotop.

Aber das sei nur die Spitze des Eisbergs, denn stimmfreudige Traunsteiner hätten ein Bürgerbegehren gegen den Ausbau der Güterhalle in Gang gesetzt. Der Bürger frage sich, warum er einen Stadtrat gewählt habe, wenn er seine eigenen Entscheidungen nicht mehr tragen möchte und bei jedem »Schoaß« zuerst die Volksmeinung einholt.

Landrat Siegfried Walch bescheinigte Rosenegger an diesem Abend eine positive Ausstrahlung. »Mit dera kannt ma ja sogar an Opel verkaufa.« Die »Walchs« seien im vergangenen Jahrhundert »Rosshändler« gewesen. Bis zum heutigen Tag habe sich das nur unwesentlich geändert. Walch habe es richtig gemacht, dass er sich als Landrat um ein zweites Standbein bemüht habe.

Aber auch Politiker in Land und Bund blieben vom Fastenprediger nicht verschont. Der CSU-Abgeordnete Klaus Steiner verleihe dem Landesparlament durchaus Gewicht, so Rosenegger, obwohl sein Körpergewicht scheinbar mit den Umfragewerten der CSU einhergehe. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler sei dagegen die Ausnahme. »Sie verkörpert gradezu die Illusion, dass d'SPD in Bayern noch Fleisch auf den Rippen hat.« Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl lobte er für deren Einsatz gegen TTIP und Gentechnik. »Des hoaßt natürlich ned, dass Sie ned a hin und wieder schwer nachvollziehbaren Unsinn in d'Welt setzen, der aber von Eahna so gschickt vortrogn wird, dass ma ihn glatt glaubt.«

Eine Szene aus dem Vorzimmer von Oberbürgermeister Kegel spielten Christa und Franz Fuchs sowie Willi Schwenkmeier vom NUTS. Bei der Vorzimmerdame (Christa Fuchs) erschien ein Vertreter der Bürgerwehr »Traunstein, do bin i dahoam!« (Franz Fuchs) und wollte beim Oberbürgermeister seine Unterschriftenlisten abgeben. Die Bürgerwehr sei gegen alles, wo der Stadtrat dafür sei und für alles, wo der Stadtrat dagegen sei. Gegen Landesgarten, Güterhalle, Gewerbegebiet, Kafka und außerdem gegen den Rathaus- und Jacklturmbau. Auf den Einwand »aber de san doch schon lang baut«, meinte er: »Aso, is ja egal, dagegen warn ma aber a gwen.«

Kegel erhält den Orden »Für nix und wieder nix«

Wenig später erschien Petrus (Willi Schwenkmeier) bei der Vorzimmerdame und wollte jetzt noch einmal genau wissen, warum Traunstein gegen die Landesgartenschau sei. Während die Vorzimmerdame von »rausgeschmissenem Geld« sprach, sah Petrus eine einmalige Chance. »Sie haben doch panische Angst davor, dass die Beschaulichkeit Ihres verschlafenen Provinznestes unterbrochen wird«, meinte Petrus. Der Deutsche und auch der Bayer seien vom Charakter her einfach Bedenkenträger. Am Ende des Spiels verliehen die Akteure dem Oberbürgermeister Christian Kegel den Orden »Für nix und wieder nix«. Bjr