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Ein Pionier der Volksmusik wird 85 Jahre alt

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So kennt man Sigi Ramstötter in der Region und weit darüber hinaus – lächelnd mit einem Notenblatt in der Hand. Am heutigen Montag feiert er seinen 85. Geburtstag.

Teisendorf. In ganz Oberbayern und darüber hinaus ist Sigi Ramstötter als Musikant und Sänger bekannt. Man kann ihn zu Recht einen Pionier und Förderer der Bayerischen Volksmusik nennen. Am heutigen Montag feiert er seinen 85. Geburtstag.


Geboren in Neukirchen, wuchs er mit seinen drei Geschwistern in einem sehr musikalischen Elternhaus auf. Sein Vater gehörte den »Neukirchner Sängern« an. Mit 13 kam er zur Neukirchner Blaskapelle und erlernte und spielte unter der Leitung von Regimentskapellmeister Rick sämtliche Instrumente. Drei Jahre leitete er die Musikkapelle Neukirchen, drei weitere Jahre die Musikkapelle Teisendorf.

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Als Ofenbauer und Fliesenleger eröffnete er in Teisendorf mit 21 Jahren einen eigenen Betrieb und hatte bis zu sieben Gesellen beschäftigt, später gründete er ein Reiseunternehmen mit Busbetrieb, das er 40 Jahre innehatte.

Neben seiner Familie und seinem Beruf widmete er sein ganzes Leben der Volksmusik. Er begründete den ersten »Traunsteiner Dreigesang« und den »Ramstötter Dreigesang«. Mit dem jungen »Neukirchner Dreigesang« nahm er 1950 am Preissingen in Bischofshofen teil und lernte im gleichen Jahr Wastl Fanderl kennen, mit dem ihn eine lebenslange Musikantenfreundschaft verband. Viele Jahre hat er beim »Fanderl Quartett« mitgesungen und bei 50 Fernsehsendungen »Bayerisches Bilder- und Notenbüchl« mitgewirkt.

Sigi Ramstötter hat nicht nur in unzähligen Singstunden den Teilnehmern bayerisches und alpenländisches Liedgut nähergebracht, sondern auch zahlreiche Singgruppen ins Leben gerufen, beraten und mit passendem Liedgut versorgt. Auch bei den Volkstänzern ist er bestens bekannt. Hat er doch bei den Sing- und Tanzwochen in Südtirol mit dem Fanderl Wastl 20 Jahre als Tanzmeister und Musikberater mitgewirkt und später mit seiner 1954 gegründeten »Teisendorfer Tanzlmusi« und mit dem unvergessenen Tanzmeister Georg von Kaufmann in ganz Oberbayern Volkstanzkurse abgehalten.

Das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern hat vor mehreren Jahren begonnen, die volksmusikalische Arbeit von Sigi Ramstötter zu dokumentieren. Einige Notenbücher sind bereits erschienen. Unter anderem ein Heft mit von ihm geschriebenen Okarinastückln sowie eine Dokumentation mit Originalnoten der »Teisendorfer Tanzlmusi«.

Seit fast 40 Jahren leitet Ramstötter zudem den Grabenstätter Volksliedchor, bei dem jeder mitsingen kann, der gerne echte Volkslieder und Jodler singt. Der Bayerische und der Salzburger Rundfunk haben unzählige Aufnahmen mit der »Teisendorfer Tanzlmusi«, dem »Ramstötter Familiengesang«, der »Teisendorfer Geigen- und Okarinamusi«, den »Ramstötter Buam« und den »Teisendorfer Alphornbläsern« – um nur einige zu nennen – aufgezeichnet.

Beim Traunsteiner Lindlsingen und -musizieren war Ramstötter jahrzehntelang in der Beratergruppe. Aber auch über die Grenzen hinaus ist er mit seiner Tanzlmusi bekannt geworden. Über das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut hat er mit seiner Musikgruppe vier Wochen lang Westafrika bereist und 20 Konzerte gegeben. Er war auch in Australien, Portugal, der Schweiz und Slowenien.

Unterstützt wird Sigi Ramstötter in seinem Engagement von seiner Frau Ishild sowie seinen Söhnen und Töchtern, die ebenfalls gute Sänger und Musikanten sind. Für seine Verdienste um die Volksmusik erhielt er mehrere Auszeichnungen, unter anderem 1997 die »Bezirksmedaille in Gold« überreicht vom Bezirkstagspräsident Hermann Schuster, 2009 die »Chiem-Pauli-Medaille«, die »Landkreismedaille« sowie die »Verdienstmedaille in Gold des Marktes Teisendorf«. Außerdem erhielt er 1991 das »Bundesverdienstkreuz am Bande« der Bundesrepublik Deutschland.

All diese Preise und Auszeichnungen sind Sigi Ramstötter aber nicht zu Kopf gestiegen. Er ist immer ein bescheidener, warmherziger Mensch geblieben, der sich der echten Volksmusik verschrieben hat und sie auch heute noch mit unermüdlichem Engagement besonders an die Jugend weitergibt. Zu seinem Ehrentag die besten Glückwünsche verbunden mit der Hoffnung, dass er noch lange seiner Lieblingsbeschäftigung – dem Musizieren und Singen – nachgehen kann!