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Ein Ort für alle Traunsteiner entsteht

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Spatenstich für die Sanierung der Klosterkirche. . (Fotos: Wannisch)
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Das Kruzifix stammt aus dem 17. oder 18. Jahrhundert.

Traunstein – Das Klosterkirchenensemble, wo derzeit noch Bagger stehen und Archäologen graben, soll spätestens in eineinhalb Jahren »mit Leben gefüllt sein«.


Das kündigte Oberbürgermeister Christian Kegel am Montagnachmittag beim Spatenstich für die Sanierung und Modernisierung des Areals an der Ludwigstraße an.

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Dabei betonte Kegel, in Anspielung auf den barrierefreien Umbau, die Klosterkirche solle ein Ort für alle Bürger werden: »Was hier entsteht, ist nichts, was sich ein Bürgermeister oder ein Stadtrat einbildet, sondern ein künftiger Veranstaltungsraum für alle Traunsteiner, ob mit oder ohne Behinderung.« Nicht unerwähnt ließ das Stadtoberhaupt auch die durchaus kontrovers geführten Diskussionen während der mehrjährigen Planungsphase. Doch diese hätten schließlich zu einem guten Gesamtergebnis geführt, sagte Kegel.

Dass sich die Stadt zum richtigen Zeitpunkt um staatliche Fördermittel bemüht hat, bestätigte Franz Severin Gäßler, zuständig für Städtebauförderung bei der Regierung von Oberbayern. Bei Gesamtkosten von rund 8,4 Millionen Euro habe man im vergangenen Jahr knapp 4,3 Millionen Euro an Fördermitteln »für Traunstein gerettet«. Eine Summe, die in diesem Jahr nicht mehr zu holen gewesen wäre, wie Gäßler sagte. »Der Verteilungskampf um die Mittel aus der Städtebauförderung ist härter geworden, heuer gab es insgesamt für Oberbayern nur 3,7 Millionen Euro zu verteilen.«

Dass sich die großzügige Förderung lohne, davon ist Architekt Peter Färbinger überzeugt. Auch wenn man mit den Arbeiten noch lange nicht fertig sei. Dank der Sanierung werde der Vorplatz zur Ludwigstraße hin aufgewertet, das Areal erhalte zudem durch den Rückbau nicht repräsentativer, moderner Elemente, wieder sein ursprüngliches Gesicht.

Kruzifix und Tonscherben entdeckt

Einen Einblick in die klösterliche Lebenskultur des 17. und 18. Jahrhunderts fördert derzeit das Team um Archäologe Hardy Maaß zutage. Unter den Funden ist auch ein kleines Kruzifix aus Blei oder Zinn, das am Gründonnerstag entdeckt wurde. Eine Vielzahl von Tonscherben und Tierknochen geben Zeugnisse über das kulinarische Klosterleben. Daraus haben die Archäologen bereits die Erkenntnis gewonnen, dass der klösterliche Speiseplan der damaligen Zeit eher karg, aber nicht arm an Bier gewesen sei, wie Maaß die Funde interpretiert.

Menschliche Knochen wurden bislang nicht gefunden. Grabstätten der Kapuzinermönche in der Kirche sowie im ehemaligen Innenhof des Klosters, der sich heute auf den Schulhof der Ludwig-Thoma-Grundschule ausdehnt, sind zwar dokumentiert, wurden aber bereits nach der Säkularisation um 1821 umgebettet.

Unterirdische Grundmauern und Kellerschacht

Auch die Grundmauern eines Pförtnerhäuschens, links neben der Kirchenpforte, entdeckten die Archäologen. Der Pförtner habe von dort die sogenannte innere Pforte, den Zugang zum Kloster, kontrolliert. Nur wenige Meter daneben stießen die Experten auf einen Kellerschacht, dessen Bau dank erhaltener Dokumente auf das Jahr 1763 datiert werden kann. Der Schacht wurde als Abwassergrube genutzt, denn im darübergelegenen Südflügel des ehemaligen Klosters befanden sich Küche und Waschräume.

Abgeschlossen sind die archäologischen Arbeiten bisher nicht. Ein Großteil des Innenhofs werde »in eine 4,5 Meter tiefe Baugrube verwandelt«, wie Maaß ankündigte. Was dabei noch zutage treten wird, darauf sind die Archäologen gespannt. vew