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Ein noch zu wenig bekanntes Juwel

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Museumsdirektorin Dr. Birgit Löffler erläutert den Besuchern das Werk des Künstlers Imi Knoebel mit dem Titel »Fishing Blue«. (Foto: H. Eder)

Traunreut. Das Kunstmuseum »Maximum« zeigt in einer ständigen Schau Werke von acht zeitgenössischen Künstlern, um die es die bedeutendsten Museen der Welt beneiden – und die von Traunreut aus immer wieder Leihgaben erbitten und auch bekommen. Bei einer von der Bürgerliste Traunreut organisierten Führung wurde einmal mehr deutlich, welch ein Juwel des Kunstschaffens der letzten 60 Jahre sich hier in Traunreut, man muss es fast so sagen, ein Stück weit verbirgt.


Denn die Hallen an der Nansenstraße sind im Schatten der gegenüberliegenden Heidenhainschen Großbauten leicht zu übersehen. Dabei gehen die Gebäude und die darin ausgestellte Kunst eine interessante Synthese ein, wie sie besser kaum passen könnte: Die langgestreckten Gebäude – bisher zwei große mit Verbindungstrakt sowie zwei kleinere, ein drittes großes mit weiteren 1000 Quadratmeter wird gerade ausgebaut – sind sogenannte N-Bauten aus der Munazeit, dienten zu Zeiten der Munitionsfabrik als Rohstofflager, sind also ein Stück Traunreuter Geschichte. Und genau die gut 60 Jahre, die die Geschichte der Stadt Traunreut umfasst, die 1960 in den Rang einer Stadt erhoben wurde, repräsentiert auch die zeitgenössische Kunst, die im »Maximum« ausgestellt ist, in eben dieser Zeit von Heiner Friedrich gesammelt, dem großen Kunstmäzen aus Altenmarkt und New York, dem dies alles zu verdanken ist.

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Heiner Friedrich musste Maschinenbau studieren, sollte er doch die familieneigene Firma Alzmetall übernehmen. Er aber, der nebenbei Philosophie studiert hatte, ging schließlich andere Wege, wie Dr. Birgit Löffler, die Museumsdirektorin, bei der Führung ebenso charmant wie kompetent und unterhaltsam schilderte. Bei einer Wanderung in Griechenland lernte er amerikanische Künstler kennen – ein Kontakt, der schließlich zu seinem Lebensinhalt wurde. Nicht nur förderte er viele Künstler, er inspirierte sie auch und initiierte mit ihnen zusammen Neues.

Auch wenn Andy Warhol als wohl bekanntester Künstler in Traunreut vertreten ist – mit einzigartigen Werken von unschätzbarem Wert, so ist es auch eine echte Sensation für ein Museum wie das »Maximum«, dass der Amerikaner Dan Flavin, einer der bedeutendsten Vertreter der Minimal Art, mit 21 Werken seiner Lichtkunst-Installationen aus Leuchtstoffröhren in Traunreut zu sehen ist.

In Traunreut gibt es Planungen, das Kunstmuseum mehr noch in die Mitte zu holen – durch die Gestaltung eines Weges vom »Maximum« bis zum »K1« und dann noch weiter bis zur Eichendorffstraße. Die Pläne liegen vor, zur endgültigen Ausgestaltung könnte es allerdings noch etwas dauern. Gleichwohl aber leistet die Stadt inzwischen auch einen Beitrag zum Unterhalt des Museums: mit einem jährlichen Zuschuss von 35 000 Euro, also etwa einem Zehntel der jährlichen und bisher vom Stifter allein getragenen Unterhaltskosten.

Aus den Reihen der Besucher kam immer wieder ein gewisses Bedauern zur Sprache, dass das Museum beziehungsweise seine enorme Bedeutung und die Exponate von Weltrang, die hier stehen, in der Region immer noch zu wenig bekannt seien. Gerade deshalb sei es besonders wichtig, wie Bürgerlisten-Fraktionssprecher Hans Danner sagte, der Kunst in der Stadt ihre Wirkung zu verschaffen, nicht zuletzt mit der geplanten »Achse« vom »Maximum« in die Stadt hinein; denn die Kunst im Maximum habe ebenso Weltgeltung wie die Traunreuter Industriebetriebe. he

Blattl Sonntag Traunstein