Ein lustiges, aber auch gefährliches Wintervergnügen

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Rodeln macht Spaß, ist aber nicht ganz ungefährlich. Immer wieder kommt es beim Schlittenfahren zu Unfällen. Wer einige Regeln beachtet, ist aber zumindest sicherer unterwegs. Das Traunsteiner Tagblatt hat die Bergwacht um Tipps gebeten. Foto: dpa

Winterzeit ist Rodelzeit. Doch die Gefahr beim Schlittenfahren wird leicht unterschätzt. Das zeigen auch Rodelunfälle am Unternberg, an der Hochplatte oder am Hochgern. Wir haben mit der Bergwacht gesprochen und sie um Tipps für ein möglichst sicheres Wintervergnügen mit dem Schlitten gebeten. Entscheidend ist: Tempo anpassen und einen Helm tragen.


Von einem »immensen Betrieb« spricht Sepp Auer von der Bergwacht Marquartstein am Hochgern, dem Rechenberg und der Feldlahn-Alm. Dabei meint er nicht nur Rodler, sondern auch Winterwanderer und Skitourengeher. »Die Parkplätze sind insbesondere an schönen Wochenenden völlig überfüllt und wir müssen an solchen Tagen vor einem Einsatz schauen, ob wir mit unseren Rettungsfahrzeugen überhaupt durch kommen«, betont er. Sepp Auer stellt im Vergleich zu anderen Jahren eine deutliche Steigerung an Bergsportlern fest. »Es sind definitiv sehr viel mehr Menschen bei uns unterwegs – und es ist eh verwunderlich, dass nicht deutlich mehr passiert«, sagt der Bereitschaftsleiter der Bergwachtler in Marquartstein.

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»Rücksicht auf Aufsteigende nehmen!«

Auf die Frage, auf was man beim Rodeln achten sollte, sagt er: »Rücksicht auf Aufsteigende nehmen! Und insbesondere vor uneinsehbaren Kurven das Tempo drosseln, es können Menschen oder auch Fahrzeuge kommen!« Schlittenfahrer und Bobfahrer sollten immer drauf achten, dass sie in angemessenem Tempo unterwegs sind und im Notfall bremsen können. Nur so könnten Unfälle vermieden werden, sagt Sepp Auer, der betont, dass im Vergleich zu vor ein, zwei Wochen das Rodeln nun sehr viel weniger gefährlich sei, weil die Strecken nicht mehr so hart und schnell seien. »Das lässt einen Sturz ins Geländesicher glimpflicher ausgehen.«

Unbedingt vermieden werden sollten beim Schlittenfahren eisige Pisten und Rodelbahnen, sagt Dr. Kristian Krammer, der Bereitschaftsleiter der Bergwacht in Bergen. Und wer seinen Schlitten oder Bob nach oben ziehe, sollte nicht mitten auf der Strecke oder in Gruppen nebeneinander gehen. Beim Runterfahren sollte darauf geachtet werden, dass genügend Abstand gehalten werde zum Vordermann. Wichtig sei auch, dass man das Gerät immer unter Kontrolle habe – »also nicht zu schnell fahren«, betont Kristian Krammer. Besser sei es auch, alleine auf dem Schlitten zu sitzen und nicht zu mehreren. Da sei das Gefährt besser steuerbar.

Beliebt ist in Bergen die Strecke Richtung Maria Eck hinauf. Einen größeren Andrang als in anderen Jahren stellt der Bergwacht-Bereitschaftsleiter aber nicht fest – »vermutlich auch deshalb, weil die Strecke nach Maria Eck nicht präpariert wird«.

Ganz anders sehe es allerdings beim Skitourengehen aus, betont Kristian Krammer. »Die Zahl der Tourengeher nimmt deutlich zu, insbesondere seit es Mode geworden ist, auf präparierten Pisten aufzusteigen und abzufahren.« Speziell der Hochfelln scheine momentan besonders hoch im Kurs zu stehen. »Der Kohlstatt-Parkplatz ist sogar wochentags vollständig zugeparkt und auf den Hängen tummeln sich mehr Tourengeher als zu Betriebszeiten normale Skifahrer.« Das Problem: Bei Skibetrieb, der aufgrund von Corona ja nicht erlaubt ist, würden die Pisten lawinenüberwacht. Dies sei derzeit nicht der Fall, was von Skitourengehern besondere Erfahrung und Kenntnisse erfordern würde – die viele allerdings nicht hätten. »Wer dann noch die präparierte Piste braucht, um sauber und sicher abzufahren, der tut sich bei Tiefschnee, Bruchharsch oder nassem, schwerem Pappschnee sehr schwer«, betont Dr. Kristian Krammer.

Dass derzeit kein Skibetrieb ist, stellt auch die Bergener Bergwacht vor zusätzliche Herausforderungen bei ihren Einsätzen. Denn die Rettungskräfte können nicht wie in anderen Jahren einfach in die Seilbahn steigen. Zunächst einmal muss einer der drei Betriebsleiter organisiert werden. »Das kann dauern und die Einsatzkräfte müssen zu Fuß oder mit anderen Mitteln zum Unfallort vordringen«, sagt der Bereitschaftsleiter der Bergwacht. Bei gutem Flugwetter sei allerdings auch der Hubschrauber eine große Hilfe, betont Dr. Kristian Krammer.

»Bremsen war fast nicht möglich«

Die Gefahr beim Rodeln ist vor allem groß, wenn wenig Schnee liegt. Das sagt Sebastian Nachbar von der Bergwacht in Ruhpolding. Die Strecke am Unternberg sei bis zu den Schneefällen am vergangenen Wochenende sehr eisig gewesen. »Es ging super zum Schlittenfahren, aber bremsen war fast nicht möglich.« Denn auf der Forststraße sei nur eine dünne Schicht harter Schnee oder Eis gelegen. »Da kannst Du mit den Füßen und Händen kaum etwas machen.« Hinzu komme, dass die Strecke nicht präpariert werde. »Wenn eine Raupe fährt, dann hat man talseitig eine Schneewand, die mich fängt, wenn ich aus der Spur komme«, sagt der Bergwachtler. Diese fehle derzeit und es sei bereits zu einem Unfall gekommen, bei dem ein Schlittenfahrer an einen Baum gefahren sei.

Grundsätzlich stellt Sebastian Nachbar fest, dass die Gefahr beim Rodeln unterschätzt werde. »Da trägt zum Beispiel kaum einer einen Helm.« Der Bergwachtler geht aber davon aus, dass das Rodeln am Unternberg durch den Neuschnee »nicht mehr so viel Spaß macht. Da haben sich jetzt Spuren gebildet, es ist brüchig und es gibt keine gescheite Strecke mehr«.

Kinder sollten hinten auf dem Schlitten sitzen

Der Deutsche Alpenverein empfiehlt, beim Rodeln keinen Alkohol zu trinken. Denn dieser beeinträchtige das Reaktionsvermögen. Außerdem würden Gefahren dann oft falsch eingeschätzt. Wichtig sei auch – neben den bereits genannten Tipps der Bergwacht – , auf eine gute Ausrüstung zu achten. Dazu gehören Helm, Skibrille, Winterjacke, feste Handschuhe, warme Skihose mit Schneefang oder Gamaschen, feste Schuhe und ein guter Schlitten. Ideal wären Bremssohlen und Rückenprotektoren, wie der DAV mitteilt.

Eine aktuelle Studie der Uni Graz zusammen mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit hat ergeben, dass bei Rodelunfällen ohne Helm schon bei geringen Geschwindigkeiten – ab 10 km/h – ein erhebliches Risiko für schwere Kopfverletzungen besteht. Des Weiteren wurde bei einem computersimulierten Crashtest herausgefunden, dass der sicherste Platz für Kinder hinten auf dem Schlitten ist – nicht vorne.

KR

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