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Ein Lodenmantel neben viel Prunk

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Während er seine Schlösser überaus prunkvoll ausstatten ließ, trug Ludwig II. gerne Mäntel der gutbürgerlichen Art. Der Lodenmantel, der auf dieser Aufnahme des Hof-Fotografen Joseph Albert von 1886 zu sehen ist, wird ab Sonntag auch erstmals in der Ausstellung auf Herrenchiemsee präsentiert. (Foto: Schlösserverwaltung)

Chiemsee – Zwei Monate lang war es geschlossen, das Museum über Ludwig II. auf Herrenchiemsee. Nachdem die neue Klimaanlage nun eingebaut ist und der Brandschutz verbessert wurde, öffnet die Sammlung am kommenden Sonntag wieder ihre Türen.


Zur feierlichen Wiedereröffnung wird ein privater Mantel Ludwigs II. erstmals in der Ausstellung präsentiert. Der schwere, dunkle Lodenmantel aus Wolle und Seide ist sehr schlicht. Nur die doppelreihigen Knöpfe und ein Samtkragen zieren ihn. Er wurde vom Königlich-Bayerischen Hoflieferanten Fritz Schulze hergestellt, der in der Münchner Maximilianstraße ein Konfektionsgeschäft für Herren und Damen besaß.

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Wie Fotografien und Augenzeugen beweisen, trug Ludwig II. seit etwa 1880 meist Mäntel dieser gutbürgerlichen Art, auch bis kurz vor seinem Tod. Denn auch eine der letzten Fotografien, entstanden im Winter 1886, zeigt den König mit diesem Manteltypus, der einen starken Kontrast zur prunkvollen Ausstattung seiner Schlösser, Schlitten und Kutschen darstellt.

Der Mantel wird nun im Ludwig II.-Museum als tragisches Gegenstück zur kostbaren Nadelmalerei »Ludwig XIV. weiht der Muttergottes seine Krone« präsentiert. Das Bild war für das Kopfteil des Bettes im Paradeschlafzimmer bestimmt. Diese inhaltlich von Ludwig II. bestimmte Darstellung ist ein Schlüsselstück seiner idealistischen, ja kultischen Beschwörung des absoluten Königtums von Gottes Gnaden. Ihr ist sein ganzes Schloss Herrenchiemsee gewidmet.

Der Großvater des »Märchenkönigs«, Ludwig I., wie er am Tag des heiligen Ludwigs (25.8.) geboren und daher so getauft, hatte 1786 König Ludwig XVI. von Frankreich als Taufpaten gehabt. Daher bezog Ludwig II. ein Gefühl seiner Abstammung von den Bourbonen. Ideale und Wirklichkeit waren und blieben auch für Ludwig II. unvereinbar; dieser Mantel ist dafür ein Symbol.

Das 1987 eröffnete König Ludwig II.-Museum im Südflügel des Neuen Schlosses widmet sich den Lebensstationen Ludwigs II. von der Geburt 1845 bis zum frühen, tragischen Tod im Juni 1886 anhand von gemalten Porträts, Büsten, historischen Fotografien und originalen Prunkgewändern.

Als Mäzen des Komponisten Richard Wagner ging der König in die Musikgeschichte ein. Zu diesem Thema sind Porträts, schriftliche Dokumente sowie Theater- und Bühnenbildmodelle ausgestellt. Die »Königsschlösser« Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee sind ebenso dokumentiert wie die anderen Bauprojekte Ludwigs II. Originale Prunkmöbel aus dem zerstörten, königlichen Appartement der Münchner Residenz oder aus dem ersten Schlafzimmer von Schloss Linderhof sind Höhepunkte des Museums. fb