weather-image
27°

Ein Licht zur täglichen Andacht

4.3
4.3
Bildtext einblenden
Es dauerte lange,  bis  man  den  Adventskranz  in  Bayern  akzeptierte,  schließlich  liegen seine Ursprünge in Hamburg.
Bildtext einblenden

Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts an die vielfältigen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Heute: der Adventskranz.


Was würde wohl eine Umfrage unter Passanten heutzutage erbringen, die lautet: »Wo hat der Adventskranz seine Wurzeln? Und seit wann ist er auch bei uns in Altbayern heimisch?« Schauen wir einfach zurück, ungefähr in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Es war um das Jahr 1840 herum, als der evangelische Pfarrer Johann Heinrich Wichern vor den Toren Hamburgs in einer von ihm geleiteten Sozialeinrichtung in der Vorweihnachtszeit einen Kronleuchter mit Tannengrün und Kerzen schmückte. Für jeden Tag im Advent sollte zur täglichen Andacht ein Licht entzündet werden und jeden Tag war es ein anderes Kind, das die Kerze des Tages entzünden durfte. Eine wunderbare Idee, die zudem das endlos lange Warten auf das Christkind für die jungen Leute erträglicher machte.

Anzeige

Nach und nach aber setzte sich im Hinblick auf die vier Adventsonntage der aus Tannenreisig gebundene, grüne Kranz mit den vier Kerzen schon aus praktischen Erwägungen überall durch. Die violetten Bänder am Kranz und die ursprünglich ebenfalls violetten Kerzen darauf sollten auf den Bußcharakter dieser Einstimmungszeit auf das kommende Weihnachtsfest hinweisen. Der Kranz selbst dagegen mit seiner Kreisform galt als Symbol des »Erdenrunds«, aber auch der Ewigkeit.

Es dauerte sehr lange, bis man in Bayern diesen als »protestantisch« apostrophierten Adventskranz endgültig akzeptierte, zuletzt auch in katholischen Kirchen. Über Köln (1925) und München (1937) bahnte sich der Adventskranz, wie wir ihn heute kennen, schließlich auch den Weg in die Stuben unserer Häuser und Wohnungen.

Heute ist er zum Inbegriff der Adventszeit geworden – gleich, ob in einem Bauernhaus oder in einer Bahnhofshalle. fb