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»Ein Kripperl ist für die Ewigkeit«

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Ernst Mitterer mit einem kleinen Teil seiner Krippen in der Werkstatt im Keller seines Hauses. (Foto: Mix)

Traunreut – Der Traunreuter Weihnachtsmarkt steht vor der Tür und wartet auch dieses Jahr mit einer Fülle an Angeboten, die auf das bevorstehende Fest einstimmen. Traditionell gehört zum Weihnachtsfest auch eine Krippe oder ein Kripperl, wie man in Bayern sagt. Ernst Mitterer aus Traunreut hat den Bau solcher Kripperl zum Hobby gemacht und stellt in seiner Werkstatt bei sich daheim alle erdenklichen Variationen her, heimatlich alpenländisch, orientalisch, modern. Von ihm stammt auch die große Ausstellungskrippe, die seit drei Jahren auf dem Traunreuter Weihnachtsmarkt in einer der Hütten gezeigt wird und die Jahr für Jahr erweitert wurde.


Wann das mit dem Kripperl-Bau begonnen hat, weiß Ernst Mitterer gar nicht mehr so genau, 30 Jahre dürfte es auf jeden Fall her sein. Aufgewachsen auf einem Bauernhof, hat sich der inzwischen pensionierte Postbeamte schon immer für den Werkstoff Holz interessiert. »Spielzeug hatten wir damals nicht so viel, da hat man halt in der Werkstatt rumprobiert und sich das eine oder andere selber zusammen gezimmert«, erinnert sich der 65-Jährige. Mehr oder weniger das ganze Jahr über ist er mit seinem Hobby beschäftigt, denn das Material für seine Krippen sucht er zum Teil in der freien Natur zusammen. »Das geht schon im Frühjahr los«, sagt er. Dann machte er sich mit der Axt auf den Weg, holt sich im Wald alte Baumstöcke oder Wurzeln, die gesäubert werden und dann einige Zeit trocknen müssen. Auch Gräser nimmt er mit. Die werden getrocknet, eingefärbt und mit Haarspray haltbar gemacht. Neben den Ställen wirken sie dann wie Bäume oder Sträucher. Brauchen kann der findige Bastler so ziemlich alles. Die Wurzel eines Kiwistrauches aus seinem Garten, den er ausgegraben hat, hat er einfach umgedreht und als Baum aufgestellt. Eine alte Gartenbank, deren Holz im Laufe der Jahre stark verwittert ist, hat er klein geschnitten und für das Dach eines besonders originellen Stalles verwendet.

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Die Kripperl von Ernst Mitterer gibt es in allen erdenklichen Variationen und Größen. Ganz einfache, kleine Ställe aus Wurzeln erinnern an die karge Unterkunft von Josef und Maria vor über 2000 Jahren. Fortschrittlicher sind da schon die Häuser im alpenländischen oder Südtiroler Stil, die der Krippenbauer akribisch genau nachbaut und dabei auf authentische Details achtet. Er recherchiert viel über Baustile und hält auch immer die Augen offen, wie ein Dach oder ein Anbau in Wirklichkeit ausschaut. Die dabei gesammelten Ideen werden dann bei den Krippen umgesetzt und mit vielen liebevollen Details ausgeschmückt. Da gibt es an der alpenländischen Krippe ein altes Backhaus, eine Futterkrippe für das Vieh, davor steht ein Bankerl zum Ausruhen, ein Hirtenfeuer brennt, das aus winzig kleinen Holzscheiten besteht. In der Ecke lehnt ein Rechen oder Besen und vieles mehr.

Wichtig ist dem Traunreuter auch, dass er die Stimmungen und Meinungen seiner Kunden einfängt. »Der neueste Trend vor allem bei jungen Leuten geht in Richtung orientalische Krippe«, hat er festgestellt und sich sogleich an die Umsetzung gemacht. Die große Ausstellungskrippe, die beim Traunreuter Weihnachtsmarkt gezeigt wird, hat er dieses Jahr um einen Anbau und ein Beduinenzelt erweitert. Ein Elefant und ein Kameltreiber sind dort heuer neu zu sehen.

Auch seine orientalischen Krippen sind aus Holz, werden aber mit feinem Malerputz verputzt, sodass es wie Mauerwerk aussieht. Mit speziellen Farben, die vorsichtig aufgetupft werden, und so manchen Details, wie Palmen aus Papier, entsteht dann der orientalische Gesamteindruck. Und größere Türme baut er so, dass sie leicht abgenommen und umgelegt werden können. Denn die einzelnen Teile sollen den Rest des Jahres einfach und platzsparend verstaut werden können.

»Ein Kripperl ist für die Ewigkeit«, meint Ernst Mitterer. »Man kann es immer wieder umgestalten oder erweitern.« Ein Kripperl zu bauen, braucht viel Zeit. »40 bis 50 Stunden brauch' ich schon für so ein Kripperl«, erzählt Mitterer und für die großen, orientalischen kommt er schnell mal auch auf 60 Stunden, weil sehr viel Feinarbeit dabei ist. mix

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