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Ein kreativer Traunreuter Literat

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Der Traunreuter Sänger, Hörspielautor, Schriftsteller und Lyriker Georg Ihmann begeht am heutigen Dienstag seinen 90 Geburtstag. Seit einigen Jahren lebt er mit seiner Frau Lore im Seniorenheim Pur-Vital in Traunreut. Im Hintergrund ein Bild von Georg Ihmann, das der früh verstorbene Traunreuter Maler Franz Heigl gemalt hat. (Foto: Eder)

Traunreut – »Er hat die Kultur in dieser Stadt in den vergangenen 50 Jahren entscheidend mitgeprägt«, heißt es immer wieder, wenn man über den Traunreuter Sänger, Hörspielautor, Schriftsteller und Lyriker Georg Ihmann nachliest. Mit Gedichtbänden und Erzählungen, mit Rundfunk- und Kinderhörspielen sowie mit Lesungen, die ihn durch die ganze Bundesrepublik und ins benachbarte Österreich führten, hat er sich im Literaturbereich einen guten Ruf erworben. All diese Aktivitäten sind inzwischen aber Vergangenheit – seinen 90. Geburtstag am heutigen Dienstag begeht Ihmann im Seniorenheim Pur-Vital in Traunreut, in dem er seit gut zwei Jahren zusammen mit seiner Frau Lore lebt.


Schmal ist er geworden in den vergangenen Jahren, und derzeit ist er an den Rollstuhl gefesselt: Er hatte ja als 17-Jähriger im Krieg so schwere Erfrierungen erlitten, dass ihm beide Unterschenkel amputiert werden mussten. Aktuell bekommt er neue Prothesen, die allerdings erst in mühsamer Kleinarbeit angepasst werden müssen.

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»Als Jugendlicher begreift man das noch gar nicht«

Auf die Frage, was das für einen jungen Mann bedeutet haben muss, beide Beine zu verlieren, war seine Antwort: »Als Jugendlicher begreift man das noch gar nicht.« So kann man seine Lebensleistung in der Kultur in Traunreut und weit darüber hinaus gar nicht hoch genug einschätzen. Wie er als schwer Kriegsversehrter geschafft hat, sein Leben so zu meistern, ohne in Selbstmitleid oder Depression zu versinken, verdient allerhöchste Hochachtung.

Das Alter allerdings hat seinen Schaffensdrang jetzt begrenzt, sein Studio, das ein Stück Lebensinhalt war, in dem er seine Hörspiele und seine Musik produzierte und aufnahm, ist aufgelöst worden, seine Tage verlaufen jetzt in erzwungenem »Ruhestand«. Umso mehr freut es ihn, wenn er über sein Leben berichten kann, das er durch Disziplin, Begabung und Kreativität allen Schicksalsschlägen zum Trotz so positiv hat gestalten können. »Ich hab’ gut gelebt«, bilanziert Ihmann, »und war zufrieden.« Mit seinen Prothesen habe er sich seinerzeit rasch angefreundet: »Ich bin viel gegangen, und kein Mensch hat mir dann mehr angesehen, dass ich Prothesen trug.«

Seine Jugend ist rasch erzählt. In Schlesien geboren, machte er eine Lehre im Hotelfach, sollte er doch eines Tages das Hotel eines Onkels übernehmen. Der Krieg machte ihm dann einen Strich durch die Rechnung, und nach einiger Zeit in englischer Kriegsgefangenschaft verschlug es ihn in den Landkreis Traunstein, wo die Mutter eine Bleibe gefunden hatte.

Förderer durch Zufall gefunden

Durch verschiedene Zufälle fand er einen Förderer, der ihm über Jahre hinweg Gesangsunterricht erteilte. Er studierte dann Opern- und Konzertgesang und kam über seinen Förderer in Kontakt unter anderem mit dem Bayerischen Rundfunk, bei dem er nach und nach immer mehr Aufträge als Sänger oder Sprecher bekam.

Auch die Ehe mit seiner Frau Lore, einer Traunreuter Lehrerin, ist der Musik geschuldet: Lore sang damals im Traunreuter Chor, Georg trat bei einem Kirchenkonzert als Solist auf. So lernten sich die beiden kennen und heirateten 1954; ein Sohn und eine Tochter gingen aus dieser Ehe hervor. Seine Laufbahn als Sänger musste Ihmann allerdings relativ bald aufgeben: Das lange Stehen bei Proben und Auftritten überforderte seine Beine.

Und wieder waren es danach Zufälle, die ihn zum Schreiben brachten. Der Traunreuter Zahnarzt Dr. Karl-Heinz Söhngen sei es gewesen, so erinnert sich Ihmann, der ihn aufgefordert hatte, doch ein Hörspiel für Kinder zu schreiben. Nach einigem Zögern machte er sich an die Arbeit – das Hörspiel kam gut an, weitere folgten. Und so wurde das Schreiben – in Verbindung damit, dass er seine Stücke selber sprach und auf Kassette aufnahm – zu seinem Lebensinhalt. Ungezählte Texte, Gedichte, Büchlein entstanden, in zahlreichen Anthologien ist Ihmann vertreten.

Themen seiner Texte sind oft »die Nachkriegsjahre, die Schicksale von Leidensgefährten einer verlorenen und verratenen Jugend, aber immer auch Akzente der Versöhnung, Ansätze einer optimistischen Zukunftsschau und Friedensappelle«, wie der Traunreuter Chronist Peter Seeholzer einmal zusammenfasste.

Eine besonders schöne Buchausgabe ist eine von Ihmanns letzten: ein prächtig gestalteter Band »Zeitlichter« mit kurzen Gedichten von ihm und eindrucksvollen Skulpturen des Pettinger Bildhauers Konrad Kurz. In diesem Buch sind auch einige Höhepunkte von Ihmanns schöpferischem Wirken nachzulesen. Demnach sang er im Jahr 1960 zum letzten Mal im Rundfunk, in dem Fall im österreichischen.

Texte wurden in viele Sprachen übersetzt

Texte von ihm, die danach entstanden, gingen in die Schweiz, nach Österreich, Schweden, gar nach Tokio und wurden in viele Sprachen übersetzt. Ein Höhepunkt für Ihmann war die Einladung zu einer Lesung im Bundestag im Jahr 2001 auf Einladung der Kriegsgräberfürsorge aus Anlass des Volkstrauertages.

Zahlreiche Texte widmete er seiner Heimatstadt Traunreut und engagierte sich hier auch über Jahrzehnte hinweg im kulturellen Leben – als Sänger, als Moderator, bei Lesungen. Neben einer Reihe anderer Ehrungen wurde er 1989 mit dem bisher erst ein einziges Mal vergebenen Kulturpreis der Stadt Traunreut und 2002 mit der Ehrenmedaille in Gold ausgezeichnet. he

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