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»Ein Kirchenmann, der denkt wie das einfache Volk«

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Bei seinem Abschiedsgottesdienst stand Pfarrer Klaus Wernberger (Zweiter von rechts) mit (von links) Diakon Erik Oberhorner, Pfarrer Hans Holzner und Pfarrer Paul Voggenauer am Altar.

Unterwössen. Einen unvergesslichen Abschied haben die Unterwössner und die Menschen aus dem Oberen Achental ihrem Pfarrer Klaus Wernberger zum Kirchenpatrozinium in der Pfarrkirche St. Martin bereitet. Den Höhepunkt setzte Pfarrer Wernberger selbst. Er erhielt kräftigen Szenenapplaus für eine Predigt, in der er Kirche und Alltag kritisch betrachtete.


Nur am Rande blickte Wernberger zurück. Er erinnert sich an 16 schöne Jahre im Achental. »Trotz manchen Ärgers, der ja nirgends ausbleibt«, fügte er an. Der Geistliche schaute in einer gelungenen Metapher voraus. Er ließ Hildegard von Bingen sprechen, die mächtige Äbtissin und – wie Wernberger meinte – unbequeme Rebellin. Sie haben dazu aufgerufen, zu den Anfängen zurückzukehren. Niemand solle das offene unkritische Wort scheuen. Ein jeder solle die Sehnsucht nach dem Himmel und die täglichen Sorgen ernst nehmen. Dieser Rat gelte allen, besonders unseren Obrigkeiten, empfahl Pfarrer Wernberger.

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»In den Augen vieler hinkt die Kirche ihrer Zeit hinterher«

Auch einen ironischen Zeitgenossen gab Wernberger wieder: Ein jeder Zug habe einen Bremser. Der Zug der Zeit, der Zug der Entwicklung und des Fortschritts. Und der Bremser dieses Zuges sei die Kirche. Es dauere eine ganze Weile, bis die Kirche merke, dass sie trotz aller Bremsversuche eben doch mitgefahren sei. Auch wenn Wernberger das Bild für überzogen und verzerrt hielt, so räumte er doch ein, dass das Bild charakteristisch für das Ansehen der Kirche und der Christen in unserer Gesellschaft sei. Kirche, so der Geistliche, sei für viele »ein Verein«, in dem man noch altbacken denke, die der Zeit hinterherhinke.

Darum sprach Wernberger lieber von Menschen, die den Mut zur Originalität, zur Klugheit und Festigkeit den Dienst der Sache Jesu gefunden hätten. Er sah Franz von Assisi mit seiner konsequent gelebten Armut oder Thomas Morus, der noch im englischen Kerker seinen Humor nicht verlor, als er sich dem englischen König widersetzt hatte. Und Wernberger sah diese Hildegard von Bingen mit ihren aktuellen Ratschlägen.

Im weiteren Gottesdienst lenkte der Pfarrer den Blick auf den Kirchenpatron, den Heiligen St. Martin. Mit den Pfarrern Hans Holzner und Paul Voggenauer an der Seite und unterstützt von Diakon Erik Oberhorner bereitete er der Gemeinde im vollen Gotteshaus einen schönen Gottesdienst. Untermalt wurde der von viel Musik von der Musikkapelle, dem Kirchenchor und dem Kirchenorchester. 32 Ministranten waren aufgeboten, dem Gottesdienst einen besonderen Rahmen zu geben. Die Fahnenabordnungen der Unterwössner Vereine schmückten die Kirche. Honoratioren aus dem ganzen Achental waren gekommen, sich vom Pfarrer zu verabschieden.

Pfarrgemeinderatsvorstand Hans Kurfer erinnerte sich gerne zurück. »Lieber Klaus, du bist gekommen, ganz still und leise, hast beobachtet und dann die Fäden in die Hand genommen«, erinnerte sich Kurfer. In Wernbergers Predigten sah Kurfer Themen aus dem Leben und für das Leben. »Es tut gut, wenn ein Kirchenmann denkt, wie das einfache Volk.« Kurfer wünschte dem Pfarrer für seinen Ruhestand viel Unruhe, denn dadurch bleibe man jung.

Neben dem Unterwössner Bürgermeister und Gemeinderäten waren auch die Schlechinger sehr gut vertreten. Für sie ergriff Bürgermeister Hans Haslreiter das Wort, um Wernbergers »große Verdienste für den Erhalt der Pfarrkirche und des Pfarrverbandes aus Schleching, Ober- und Unterwössen« zu unterstreichen. Bürgermeister Haslreiter erinnerte an den Anfang. »Mit eurem Bürgermeister passe ich gut zusammen. In Umfang und in Größe und hoffentlich sonst auch«, hatte Wernberger seine Amtszeit 1997 begonnen. Dem stimmte Haslreiter zu. Er lobte die freundschaftliche Zusammenarbeit und die unbürokratische Denkweise.

»Es hätte ruhig noch länger sein dürfen...«

Für die Vereine erinnerte sich Lorenz Plenk weit zurück in die Kirchengeschichte im Achental. Früher hätten die Seelsorger ob des kargen Lohns im Achental alle fünf Jahre gewechselt. Heute lägen wohl 15 Jahre zwischen den Wechseln. Bei Wernberger hätte es noch länger sein dürfen, meinte Plenk.

Den Schluss machte Pfarrer Wernberger selbst, indem er eine lange Kette derjenigen aufreihte, die ihn in der Kirchenarbeit und drumherum über die vielen Jahre unterstützt hätten. Er begann bei Mesnerin und Ministranten, ging über Chor und Musik, erinnerte an Kirchenverwaltung, Sekretariat und Kindergärtnerinnen und endete bei Vereinen und den Bürgern auf der Straße.

Nach dem Gottesdienst zog die Gemeinde im Kirchenzug mit Musik ins Pfarrheim. Dort schossen die Gebirgsschützen Salut zu Ehren des Pfarrers. Bis zum 30. November verrichtet Pfarrer Wernberger noch seinen Dienst in Unterwössen, ehe er zum 1. Dezember an seinen Nachfolger Martin Straßer übergeben wird. Pfarrer Wernberger zieht nach Prien und hilft dort in der Seelsorge als Ruhestandspfarrer mit (wir berichteten). lukk

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