weather-image
15°

Ein Kindergarten mit eigenem Stil

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Kinder ließen bunte Luftballons in den Himmel aufsteigen. Zuvor hatten sie Karten mit ihren Wünschen an den Ballons befestigt. (Foto: Flug)

Unterwössen – Der Unterwössner Kindergarten St. Martin gilt als eine Vorzeigeeinrichtung in seiner Zusammenarbeit aus Kindern, Erzieherinnen und Eltern, getragen von einem Umfeld aus Kirche und Gemeinde.


Das zeigte sich auch beim Jubiläumsfest zum 40-jährigen Bestehen der Einrichtung. Weil das Wetter so schön war, feierten alle gemeinsam auf dem Fußballplatz unmittelbar neben dem Kindergarten. In großer Runde standen und saßen alle beieinander, als der Dienstherr des Kindergartens, Pfarrer Martin Straßer, den Gottesdienst eröffnete. Mit wenigen Worten machte er die Zeitspanne von 40 Jahren bewusst und hob hervor, dass in 40 Jahren Kindergarten auch 40 Jahre vorbildliche Betreuungsarbeit stecken würden.

Anzeige

Die Kinder gestalteten den Gottesdienst wesentlich mit. Während sie eine kindergroße Erdkugel durch den Kreis rollten, sprachen sie ihre Gedanken aus, wie Gott die Erde entstehen ließ. »Zum Schluss«, so die Kinder, »hatte er die geniale Idee, den Menschen zu erschaffen.« Das Fazit der Kleinen: »Wir müssen gut auf die Erde aufpassen.«

Nach einer Pause für Spiel und Erfrischung in der Sonne wechselte die Gemeinschaft ins Festzelt. Dort ergriff Kindergartenleiterin Birgit Dupke das Wort, und die Trauer wurde spürbar, dass nicht die ehemalige Leiterin Astrid Bock sprach, wie es eigentlich geplant war. Bock, die den Kindergarten aufgebaut und 33 Jahre geleitet hatte, war – schon länger in Pension – vor wenigen Wochen verstorben. So blickte an ihrer Stelle Birgit Dupke auf das Jahr 1987 zurück.

Dem damals vorherrschenden Muster, dass Kinder von der Mutter daheim erzogen gehören, zum Trotz überzeugte Monsignore Franz Niegel den Pfarrgemeinderat und Bürgermeister Josef Kurz-Hörterer, den Kindergarten zu gründen. »Weil Niegel das Bestmögliche für seinen Kindergarten wollte«, so Dupke, »holte er die junge Astrid Bock aus München zurück in ihren Heimatort Unterwössen«. Die habe sich damals »der mutigen Entscheidung gestellt, unseren Kindergarten St. Martin mit ihrer Liebe zu lenken und zu leiten«.

An die Eltern gewandt meinte die Kindergartenleiterin, dass Unterwössen das beste Beispiel sei, wie eine enge und gute Zusammenarbeit mit Eltern und Erziehern einen wichtigen Grundstock für den Kindergarten lege. Sie dankte ihnen für das Vertrauen, das sie den Erzieherinnen in all den Jahren entgegengebracht hätten. Das Wichtigste seien nach wie vor die Kinder. »Kinder, die den Kindergarten jeden Tag aufs Neue mit ihrem Lachen und Leben erfüllen.«

Pfarrer Martin Straßer unterstrich die Weitsicht von Monsignore Niegel, des Pfarrgemeinderats, der Kirchenstiftung und des Bürgermeisters, den Kindergarten 1987 gegen Widerstände und damalige Ansichten durchzusetzen. Der mit so etwas einhergehende Wandel mache auch vor der Gegenwart nicht Halt. »Ich will die Zukunft nicht beschönigen und weise darauf hin, dass Erwägungen in der Diözese in Zukunft Änderungen bringen können. Der Kindergarten wird wohl nicht immer in der Hand der Kirchenstiftung bleiben.« Trotzdem blickt Pfarrer Straßer hoffnungsvoll in die Zukunft.

Bürgermeister Ludwig Entfellner betonte, dass der Kindergarten Unterwössen bekannt sei für seinen eigenen Stil, der im Wesentlichen von den Leiterinnen und Erzieherinnen geprägt sei. Der gehe weit über eine Verwahrstation für den Nachwuchs hinaus. »Der Kindergarten Unterwössen nutzt die in jedem Kind steckende Energie. Er fordert und fördert. Der Kindergarten ist präsent im Dorf und zwar nicht nur deswegen, weil er täglich mit seinen Gruppen im Dorf unterwegs ist. Die Kinder prägen jetzt und dann als Jugendliche und Erwachsene das Dorf.«

Erstmals trat ein Elternchor auf

Der offizielle Teil wurde musikalisch gestaltet von rund 20 Musikanten der Musikkapelle Wössen. Beim bunten Nachmittag und Abend stach besonders der musikalische Beitrag des Kinderchors hervor: Die Kinder sangen mit einem erstmals auftretenden Chor der Eltern. Bunt wurde es, als jedes Kind schriftliche Wünsche der eigenen Familie an einem Luftballon in das strahlende Blau des Himmels entließ.

Der »Troll Wurliz« brachte mit seinem Mitmachtheater alle in Schwung und begeisterte Kinder wie Erwachsene. Rund um den Kindergarten gab es Stationen wie Kinderschminken oder das Flechten von Schlüsselanhängern mit Perlen. Fotowände und Fotoshows führten in die Geschichte des Kindergartens ein. Rundherum gab es Kaffee und Kuchen, Gegrilltes und selbstgemachte Salate. lukk