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Die Röthelmoosalm ist ihre zweite Heimat geworden: Die Sänger des Ruhpoldinger Männerchors sind Peter Zacher (stehend von links), Roland Weber, Michael Lazar, Alois Gruber, Georg Nagl, Erhard Hiebl, Peter Bichler, Frank Hinterreiter sowie Pongratz Gstatter (sitzend von links), Georg Speckbacher, Hans Pertl, Erich Stadler und Konrad Fegg. Unterstützt werden sie von Harfenistin Angela Mainwolf. Aus der Anfangsformation sind heute nur noch Roland Weber und Dirigent Erich Stadler dabei. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Seit vier Jahrzehnten erfreut der Ruhpoldinger Männerchor seine Zuhörer bei den verschiedensten Anlässen, die sich im Jahresverlauf in der Fremdenverkehrsgemeinde und darüber hinaus ergeben. Am kommenden Samstag um 20 Uhr feiert nun das sangesfreudige Ensemble sein Jubiläum mit einem zünftigen Kirchweih-Hoagascht, den die Jubilare zusammen mit befreundeten Musikanten und Sängern gestalten.


Mit dabei im großen Saal des Pfarrzentrums ist neben dem Ruhpoldinger Männerchor die Taubensee  Tanzlmusi,   die Hobergoaßmusi, die Vachenauer Sängerinnen, Michael & Rafael und der Kirabiche Viergsang. Durch den Abend führt Heini Abfalter aus Neukirchen.

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Gegründet am Karfreitag 1975

Die eigentliche Gründung des Männerchors erfolgte am Karfreitag 1975, nachdem bereits ein Jahr zuvor die Idee durch Hans Pichler, Sepp Wolfgruber und Georg Kastner während der Rauschberger-Generalversammlung aufgeworfen wurde.

Da die Suche nach einem Dirigenten von Salzburger Format an finanziellen Mitteln scheiterte und auch Ignaz Buchner, der Leiter der »Miesenbacher Trachtenkapelle« absagte, erklärte sich der damalige Lehrer und spätere Rektor der örtlichen Volksschule Erich Stadler aus Traunstein bereit, die Probenarbeit fürs Erste zu übernehmen. Dass daraus eine bleibende Verbindung bis zum heutigen Tag wurde, zeigt sich nicht nur in der musikalischen Kontinuität, sondern auch im gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sein straffes, aber herzliches Regiment brachte Stadler scherzhaft und respektvoll zugleich die Bezeichnung »da Deitara« ein, weil er seine Mannen seit der Anfangszeit fest im Griff hat. Allein 1500 Übungsabende sind seither fein säuberlich im Probenbuch festgehalten.

Anfangs flaute das Interesse schnell wieder ab

Ein Blick in die Chor-Chronik verrät, dass aber auch der Männerchor nicht vor Anfangsschwierigkeiten verschont geblieben ist. Waren bei der ersten Probe gleich 14 Männer mit Eifer dabei, flaute das Interesse jedoch schnell ab, sodass bald nur noch ein kleines Häuflein von sechs Stimmen in den von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Raum ins Jagdschloss kamen. Erst als das Repertoire von rein deutschen Volksliedern auf alpenländisches Liedgut und Jodler umgestellt wurde, wurden die Sänger auch wieder mehr.

Den ersten erfolgreichen Auftritt, begleitet von der »Rauschberger Hackbrettmusi« absolvierte man noch im selben Jahr bei der Weihnachtsfeier des VdK und bald darauf war die Bauernmesse von Annette Thoma einstudiert, die erstmals während einer Bergführer-Tagung in Ruhpolding mit Anderl Heckmair, dem Erstbesteiger der Eiger Nordwand, erklang. Sie gehört seitdem zum festen Notenbestand des Chors ebenso wie die Kärntner und die Alpbachtaler Messe, die Deutschen Messen von Haydn und Schubert sowie die »Messe breve« von Charles Gounod.

Dadurch blieben die Einsätze nicht nur auf den weltlichen Bereich wie Herbst- und Frühjahrssingen, Kurkonzerten, Heimatabenden, Faschingsveranstaltungen und dergleichen beschränkt. In der Folgezeit wurde der Männerchor immer häufiger für Hochzeiten, Advent- und Mariensingen, Beerdigungen und Bergmessen wie auf der Röthelmoosalm oder dem Patrozinium auf dem Hochfelln engagiert.

Sogar die Russen waren begeistert

Das rege Chorleben umfasste zudem jährliche Ausflüge, Wallfahrten, Nikolausfeiern und das traditionelle Klopfersingen, wovon die russischen Biathleten in ihrem Trainingsquartier beim Menkenbauern so begeistert waren, dass die Sänger überschwänglich mit Anstecknadeln und genügend Wodka bedacht wurden.

Als 1989 Vorstand Sepp Krammer starb, übernahm sein Sitznachbar Erhard Hiebl diesen Posten und hält zusammen mit 2. Vorsitzenden Georg Nagl bis heute Erich Stadler den Rücken frei für die musikalische Ausrichtung, die nach wie vor durch alpenländisches Liedgut geprägt ist.

Freilich könnten die Jubilare mittlerweile eine Nachwuchsspritze gut gebrauchen, denn von den einstmals 25 Sängern zählen derzeit nur noch dreizehn zum festen Stamm. Doch die werden bei ihrem Jubiläum mit Begeisterung zeigen, was in ihren Stimmen steckt. ls