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Ein Jahr Ökomodellregion: Arbeitskreise arbeiten an Umsetzung

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Biobauer Hans Praxenthaler aus Fridolfing leitet die Öko-Modellregion-Arbeitsgruppe »Biomilch«. (Foto: Ökomodellregion)

Waging am See – Die Zusammenarbeit funktioniere immer besser, bilanzierte Alfons Leitenbacher, der Leiter des Landwirtschaftsamts Traunstein bei einem Pressegespräch zum Thema »Ökomodellregion«. Der Kirchanschöringer Bürgermeister Hans-Jörg Birner, Vorstandssprecher der Ökomodellregion, bestätigte dies und betonte, dass ursprünglich vorhandene »ideologische Schranken« – gemeint ist vor allem das Verhältnis zwischen biologisch und konventionell wirtschaftenden Bauern – immer mehr abgebaut würden. Und Marlene Berger-Stöckl, eine der beiden Projektbetreuerinnen, präsentierte eine breite Themenpalette, an der seit einem Jahr unterschiedlich intensiv gearbeitet wird.


Denn fast genau ein Jahr liegt es nunmehr zurück, dass Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei einem Festakt in der Münchner Residenz den Gemeindeverbund Waginger See-Rupertiwinkel zu einer staatlich anerkannten Öko-Modellregion ernannt hat. Die insgesamt fünf Öko-Modellregionen in Bayern sollten, so der Minister bei der Überreichung der Urkunden, »beispielhaft zeigen, wie man in gezielter Zusammenarbeit und mit einem überzeugenden Konzept die Produktion ökologischer Lebensmittel und das Bewusstsein für Ökologie, Regionalität und Nachhaltigkeit voranbringen kann.«

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»Zustand des Waginger und Tachinger Sees verbessern«

Eines der Ziele war, den ökologischen Zustand von Waginger und Tachinger See zu verbessern. Ein Weg dorthin sollte es sein, ökologischen Landbau zu fördern und dessen Anteil rund um die Seen von aktuell 7,5 Prozent anzuheben, im Idealfall zu verdoppeln. Etwa hundert engagierte Leute aus den beteiligten Gemeinden Waging am See, Taching am See, Wonneberg, Kirchanschöring, Petting, Fridolfing und Tittmoning treffen sich regelmäßig, um in diese Richtung voranzukommen. Neu dabei sind auch erste Mitarbeiter aus der Gemeinde Teisendorf, die mit der Ökomodellregion seit Jahresende kooperiert.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Streuobst. Denn große Keltereien in der Region erzielen derzeit im Biosaft-Bereich Umsatzsteigerungen. Ihr wachsender Bedarf an Bioobst muss aber durch Zukäufe aus dem In- und Ausland gedeckt werden. Sie wären, wie man bei der Ökomodellregion weiß, an heimischer Bioware sehr interessiert und würden dafür auch höhere Preise zahlen. Ziel der Ökomodellregion und der AG Streuobst ist es, diese beiden Seiten an einen Tisch zu bringen, unter anderem soll ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Leader-Regionen unter Regie des Chiemgauer Streuobstvereins für eine Sammelzertifizierung von Bioobst auf den Weg gebracht werden. Die sieben Gemeinden der Ökomodellregion haben sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren gemeinsam 1500 Bäume zu pflanzen – konkret im kommenden Frühjahr bereits 100 Stück.

Weitere Themen dieser kommunalen Säule sind der Bezug von biologisch erzeugten Lebensmitteln für Schulen, kommunale Einrichtungen oder auch bei Vereinsfesten. Hier haben schon verschiedene Seminare und Informationsveranstaltungen stattgefunden. Der Bedarf für regionale Bioware ist insgesamt enorm. Etwa bei biologisch erzeugten Kartoffeln, Gemüse und Getreide sowie bei Milch, Käse und Fleisch gebe es, wie die Gesprächsteilnehmer betonen, eine große Nachfrage, ebenso auch bei Ölen, etwa bei Bio-Leinöl. Die beiden größten Abnehmer von Biomilch in der Region, die Molkereien Andechs und Berchtesgadener Land, seien offen für weitere Lieferanten. Hier liege eine große Chance für umstellungsinteressierte Betriebe. Die Erzeugung von Milch bleibe das wichtigste Standbein in der Grünlandregion, aber es gebe weitere Möglichkeiten für Bioerzeuger, die sich andere oder zusätzliche Betriebszweige erschließen wollen.

Heuer soll konkret der vermehrte Anbau von Biobraugerste beginnen. Die Schlossbrauerei Stein, die bei der Erzeugung von konventioneller Gerste bereits seit langem mit Bauern in der Region zusammenarbeitet, möchte auch die Gerste für ihre Bio-Biere in der Region erzeugt wissen. In einer ersten Phase würden, so die Brauerei, rund 25 Hektar an Fläche gebraucht. Sieben Bauern stehen bereit, auf ihren Grundstücken Bio-Gerste für Stein anzubauen. Die beteiligten Landwirte sehen darin eine Chance, hier mit ihrem Produkt einen guten Preis zu erzielen.

Düngemittel reduzieren

Bei alledem geht es aber – und das wird immer wieder betont, um Missverständnisse zu vermeiden – auch um die konventionelle Landwirtschaft. Denn, so Alfons Leitenbacher, der Chef des Landwirtschaftsamts Traunstein, »auch wer nicht umstellen will, kann viel Positives tun«: etwa durch Reduzierung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln oder durch die Einrichtung von Gewässerrandstreifen. Es gibt, wie Leitenbacher eindringlich zusammenfasste, nämlich »nicht nur intensiv und bio, sondern auch noch etwas dazwischen.« Darum sei es in der Ökomodellregion eine wichtige Aufgabe, das Bewusstsein zu schärfen, auch die Wertschöpfung innerhalb der konventionellen Landwirtschaft zu stärken, schlicht: »so viele mitnehmen, wie es nur geht, und miteinander reden«. Chancen für Biobetriebe in der Öko-Modellregion aufzuzeigen heiße noch nicht, dass nunmehr um jeden Preis jeder Bauer biologisch wirtschaften solle.

Die Koordination all dieser vielfältigen Aktivitäten und die Verbreitung der Ideen auch auf der Suche nach geeigneten Partnern obliegt den beiden Projektmanagerinnen Marlene Berger-Stöckl und Christa Zeitlmann, die ihr Büro im Rathaus der Gemeinde Waging haben. Der Freistaat unterstützt damit die Umsetzung der Konzepte der Öko-Modellregion über einen Zeitraum von zwei Jahren, indem die Kosten zu 75 Prozent übernommen werden. he