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Ein »Haus für Kinder« an der Kolpingstraße

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Traunreut – In der Diskussion um einen Standort für ein »Haus für Kinder« (wir berichteten) hatte die SPD in der Hauptausschusssitzung Bürgermeister Klaus Ritter aufgefordert, die Stadtverwaltung möge bis zur Stadtratssitzung eine genaue Auflistung vorlegen, wie viele Kinder in dem betroffenen Quartier Weisbrunn-Waldfeld derzeit eine Kindertagesstätte besuchen. Entsprechend legte der Bürgermeister nun im Stadtrat die Zahlen mit Stand vom September 2015 vor. Der Liste nach stammen 190 Kinder aus dem Quartier, die eine Kinderkrippe oder einen Kindergarten im Stadtgebiet besuchen. 12 davon gehen in den städtischen Kindergarten St. Georgen, der Großteil verteilt sich in der Kernstadt.


Ernst Ziegler (SPD) bezweifelte die Angaben: »Die Zahlen sind nicht glaubwürdig«, kritisierte er. Er forderte eine exakte Auflistung, wo die Kinder wohnen. Ziegler vermutet, dass die Auflistung auch Kinder, etwa aus den Wohnblöcken am St.-Georgs-Platz beinhaltet. Vor diesem Hintergrund plädierte er auch für den Standort St.-Georgs-Platz.

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Appell, sich für einen Standort zu entscheiden

Bürgermeister Ritter verteidigte die Zahlen, die nachweislich auch im Rahmen einer Studie festgestellt worden seien. »Kann sein, dass einige Kinder vom Sankt-Georgs-Platz dabei sind, aber wir haben Null Kindertagesplätze in dem Gebiet.« Er appellierte inständig, sich für einen der sechs Standorte zu entscheiden. Wie berichtet, hat sich der Hauptausschuss mit knapper Mehrheit für den Standort an der Kolpingstraße ausgesprochen. »Wir müssen Kitas bauen, die Einrichtungen sind alle übervoll und in Kürze kriegen wir noch 200 Flüchtlinge dazu, unter denen auch Kinder sind«, forderte Ritter.

Ritters Aussage, dem Wunsch der Eltern Folge zu leisten, sich eine bevorzugte Einrichtung auszusuchen, teilte Gabi Liebetruth (Bürgerliste) nicht. Es gehe nicht an, auf Kosten der Stadt eine Einrichtung zu bauen, weil den Eltern die vorhandenen Einrichtungen nicht gut genug seien. »Das kann nicht sein!« Daraufhin stellte Sepp Winkler (Bürgerliste) einen Antrag, die Diskussion um einen Bau respektive einen Standort der Tagesstätte auch aus wirtschaftlicher Sicht in den September zu vertagen. Winker stellte generell in Frage, ob man überhaupt momentan einen Kindergarten brauche. »Wollen wir den Verwaltungshaushalt weiter belasten?« Den Antrag unterstützte aber nur die Bürgerliste, die sich grundsätzlich den Standort an der Kolpingstraße vorstellen könnte, der letztendlich mit knapper Mehrheit (14:12) nach einer kontroversen Debatte auch beschlossen wurde.

Als Vertreter der CSU, die geschlossen für den Standort Kolpingstraße stimmte, stellten 2. Bürgermeister Hans Peter Dangschat und Andrea Haslwanter heraus, dass der Standort am westlichen Stadtrand im Anschluss an den Wertstoffhof zukunftsorientiert und gut erreichbar sei. Die Kolpingstraße müsse ohnehin saniert werden und das dort geplante Wohnbaugebiet »Stocket« wäre auch attraktiv, sagte Dangschat. Halswanter stellte auch in Frage, dass der Wertstoffhof auf Dauer dort bestehen werde. Eine Option wäre für sie auch das im Privatbesitz befindliche Grundstück »Hochreiter Feld« im Anschluss an das Wohngebiet Nettunoallee gewesen. Nach Angaben des Bürgermeisters hätte der Grundstücksbesitzer auf Anfrage signalisiert, das Grundstück zu verkaufen. »Es wird schwierig, wäre aber möglich«, sagte Ritter.

Unterschiedliche Favoriten

Im Gegensatz zu den Freien Wählern, die den Standort Johann-Sebastian-Straße im Wohngebiet Weisbrunn-Waldfeld verteidigten, vertrat Dangschat die Auffassung, dass die Erreichbarkeit ungeeignet wäre und die Struktur des Wohngebiets für eine Verkehrsberuhigung ausgelegt sei. Konrad Unterstein von den Freien Wählern drehte den Spieß um: An der Kolpingstraße bestehe das Problem mit dem Gewerbe und dem damit verbundenen Lkw-Verkehr. »Für mich erscheint die Bach-Straße sinnvoll«: Der Bolzplatz bleibe erhalten und die Erschließung sei in seinen Augen sehr gut möglich. Ritter erklärte dazu, dass die Erreichbarkeit bei allen Kindertagesstätten nicht das Gelbe vom Ei sei. »Wir haben es überall mit einer beengten Situation zu tun.«

Die Grünen plädierten ebenfalls für die Johann-Sebastian-Bach-Straße. Der Standort Kolpingstraße habe den großen Nachteil, dass er sehr abgelegen  und  zu     Fuß   schlecht erreichbar sei, sagte Martin Czepan. Die Erreichbarkeit sei ein wichtiges Kriterium und deshalb warne er vor der Kolpingstraße. Aus den Reihen der SPD stimmte nur Güther Dzial für den Standort Kolpingstraße. Der Standort sei ideal für einen Bau für die Zukunft. ga