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Ein großes Fest auf sieben Almen

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Die Nachwuchstrachtler der Miesenbacher begeisterten die Besucher auf der Brander-Alm mit traditionellen Volkstänzen. (Foto: Schick)

Ruhpolding. »A Oimgläut von da Glockenkuah, a fesche Sennerin und a zünftige Musi dazua« – dieses gängige Klischee konnte man bei der dritten »Ruhpoldinger Almroas« hautnah erleben. Wobei das Wort Klischee hier positiv gemeint ist, denn die Almen rund um das Miesenbacher Tal lassen aufgrund ihrer herrlichen Lage unweigerlich eine gewisse Postkartenidylle aufkommen.


Und die wollten die Besucher bei dem idealen Ausflugswetter in Scharen genießen: Einheimische, Feriengäste, Radler und Bergwanderer aus der Region verteilten sich auf die einzelnen Kaser, die mit almtypischen Schmankerln, musikalischer Unterhaltung, Brauchtumsdarbietungen und vielem mehr aufwarteten. Die sieben gastgebenden Almbauern mitsamt ihrem Helfergefolge hatten dann auch alle Hände voll zu tun. Längere Wartezeiten glichen sie mit Herzlichkeit und dem einen oder anderen netten Wort aus, und so waren die Aufstiegsmühen schnell vergessen.

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Auf der Brander-Alm unterhalb der Hörndlwand zeigte die Kindergruppe des Trachtenvereins »D’ Miesenbacher« mit ihren Plattlern und Tänzen, dass sie schon für das große Gaufest im Juli gerüstet ist. Von der »Soatn-Steirer-Blosn« aus Inzell und Ruhpolding weiß man ja schon seit langem, wie gern sie sich musikalisch auf den Almen herumtreiben und das ließen sie auch dementsprechend akustisch anklingen.

Auf der Westseite der dolomitenähnlichen Kletternadel, mitten im Röthelmoos, hatte die Bewirtungsmannschaft im Dandl-Kaser ganz schön zu rödeln. Scarlet Haßlberger zeigte zu den Klängen der »Almdudler«, wie schnell auch im Hausgebrauch ein Frischkäse auf den Tisch kommen kann.

Drüben auf der Haaralm beim Sulzner-Kaser, wo die »Taubensee Tanzlmusi« zünftig aufspielte, ging weder das Bier noch das Wasser aus, hatten doch die Almbauern erst kürzlich die neue Wasserversorgung (wir berichteten) in Betrieb genommen. Ihr Sprecher Luggi Böddecker stellte das zaungeführte Weideprojekt vor, das vor drei Jahren begonnen worden ist, um Unkräuter wie den Bürstling oder das Farnkraut einzudämmen. Ebenso fand das Herzstück der Wasserversorgung, der neue Stoßwidder, großes Interesse.

Die »Kaibiziager«, drei Bauern, die sich so nennen, weil sie immer, wenn´s zum Musikspielen war, Nachwuchs im Stall erwarteten und deshalb wieder heim mussten, unterhielten die Bergfreunde auf der Ster-Alm am Eingang zur Thorau. Den »Manggein«, den Murmeltieren, die sich sonst bis auf 20 Meter dem Kaser nähern, war der Trubel scheinbar nicht geheuer und so verfolgten sie das Treiben der Zweibeiner lieber aus sicherer Entfernung.

Im Nesslauer Hochkessel ließen sich die Moosener Bläser aus dem Vilstal hören, und der Ruhpoldinger Bürgermeister Claus Pichler, der die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hatte, stimmte mit seinem Vierg’sang ein paar Almlieder an.

Große Aufmerksamkeit zog die dickste Tanne des Chiemgaus auf sich, zu der der Brandstätter Bauer Mathias Holzner die Interessenten führte und einige Erläuterungen gab. Sie steht nur unweit vom Kaser entfernt, weist den stattlichen Umfang von 4,86 Metern auf und wird immerhin mal 27 Festmeter Holz liefern.

Eine große Schar hatte sich am Vormittag auf den Farnböden eingefunden, um mit den Pfarrern Otto Stangl und Thomas Schmeckenbecher das neue schmiedeeiserne Kreuz des Burschenvereins einzuweihen. Es ist erst vor kurzem an einem großen Felsblock auf dem Weg zum Hochfelln angebracht worden (siehe Bericht auf Seite 11).

Nach der Bergmesse gab die »Strohnschneid-Musi« am Beilhack-Kaser ihr gefälliges Debüt vor größerem Publikum und die jungen Schnalzer der Rauschberger-Zell zeigten zwischendurch einige Kostproben ihres Könnens.

Handwerklich ging es hingegen in der Schwarzachen-Alm beim Plenker-Kaser zu, wo die Bergradler eindeutig in der Überzahl waren. Hier wurde das Aushöhlen eines stattlichen Baumstamms demonstriert, der dann nach seiner Fertigstellung als Almbrunnen dienen soll. ls

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