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Ein Gläschen Sekt zum 101. Geburtstag

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Zum 101. Geburtstag von Siegfriede Hofbauer kam auch dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner zum Gratulieren. (Foto: Hohler)

Traunstein – Als Siegfriede Hofbauer in Moorenweis im Landkreis Fürstenfeldbruck geboren wurde, tobte gerade der Erste Weltkrieg. Am Sonntag feierte sie ihren 101. Geburtstag im Seniorenheim Wartberghöhe der Diakonie Traunstein. Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner konnte aber erst am gestrigen Montag gratulieren – die Seniorin ist glücklicherweise so rüstig, dass sie ihren Geburtstag mit der Familie im Wirtshaus verbringen konnte.


Dass sie einmal so alt werden würde, hätte sie sich selbst weder gewünscht, noch hätte sie es geglaubt. Sie war das älteste von fünf Kindern – sie hatte noch drei Brüder und eine Schwester, die allerdings bereits alle verstorben sind. Ihre Eltern waren Lehrer – wie ihr Mann. Ihre Jugend verbrachte sie in Reichertshofen bei Ingolstadt.

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Ihren Mann Josef Hofbauer hatte sie im Nachbarort am Fasching kennengelernt. »Mir hat eigentlich alles an ihm gleich gut gefallen«, erinnert sie sich an die Zeit, als sie sich verliebte. In Surberg erhielt ihr Mann eine Stelle an der Schule und wurde bald darauf Schulleiter. Sie selbst arbeitete unter anderem bei der Gemeinde Surberg. 1940 heirateten die beiden, doch bald darauf wurde Josef Hofbauer von der Wehrmacht eingezogen. Nachdem er an der Ostfront schwer verwundet worden war, kam er nach der Behandlung in einem Lazarett in Linz zurück nach Surberg.

1950 wurde die einzige Tochter Friederike geboren. Josef Hofbauer war in Surberg mehr als 40 Jahre lang Schulleiter, Organist und Chorleiter. Siegfriede Hofbauer stand ihrem Mann in all den Jahren als Hausfrau zur Seite. In den 1960er Jahren zog die Familie ins Lehrerhaus neben der Schule im Surtal.

Innerhalb kurzer Zeit musste Siegfriede Hofbauer zwei schwere Schicksalsschläge verkraften: Im Juni 1998 verstarb ihr Mann, an Weihnachten des Jahres 2000 ihre Tochter. »Trotzdem hat sie nie den Lebensmut verloren«, sagt ihr Schwiegersohn Dr. Walter Lenze, langjähriger Amtstierarzt in Traunstein. Er und seine drei Söhne Christian, Ulrich und Florian haben noch heute einen sehr engen Kontakt zu der Jubilarin, der sie alle viel verdanken: »Als meine Frau starb, waren die Buben 19, 17 und 15. Da hat die Oma die Mutterrolle übernommen. Daher rührt auch das bis heute sehr enge Verhältnis.« Und trotz dieses schweren Verlustes gingen alle drei ihren Weg – Christian wurde Theologe, seine beiden Brüder Humanmediziner. Und Ulrich und seine Frau bescherten ihr sogar einen Urenkel, den kleinen Emil. »Da bin ich schon sehr stolz auf die Buben«, sagte die glückliche Oma beim Besuch des Traunsteiner Tagblatts.

Stolz sein darf sie aber auch auf sich selbst. Denn bis vor acht Wochen lebte sie noch in ihrer eigenen Wohnung und kümmerte sich selbst um den Haushalt. Bis ein Sturz vor acht Wochen mit Rippenbrüchen und Trümmerbruch einen Umzug ins Seniorenheim unumgänglich machte. Dass sie so lange so fit geblieben ist – körperlich und geistig – führt sie unter anderem auf die Gartenarbeit zurück, die sie zeitlebens gerne betrieben hat. Auch Handarbeiten war ihr geliebtes Hobby. »Sie hat die Kinder immer gut ausgestattet mit allem«, sagt Dr. Lenze voll Dankbarkeit.

Außergewöhnlich sind aber an Siegfriede Hofbauer nicht nur das Alter, die körperliche und geistige Verfassung und die Leistungen, die sie erbracht hat. Es ist vor allem ihre Lebenseinstellung, wie Pflegedienstleiterin Kerstin Niemietz bestätigt. Denn während andere Senioren oft lange damit hadern, wenn sie nicht mehr alleine leben können, ist Siegfriede Hofbauer dankbar für alles, besonders aber um den Schwiegersohn und die Enkel, die sich liebevoll um sie kümmern. Den Haushalt dürfen jetzt ruhig mal die Jüngeren machen. »Und ich hab' sogar einen Balkon«, sagt sie und strahlt. Außerdem versagt sie sich nichts – zum 101. Geburtstag darf's ruhig ein Gläschen Sekt sein, zum Essen auch mal ein Bier. Wenn sie weiter so gesund bleibt, darf das Traunsteiner Tagblatt sicher auch noch über ihren nächsten Geburtstag berichten. coho