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»Ein Gefühl von Freiheit, das wir auch in Zukunft genießen wollen«

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Reisen ins europäische Ausland sind derzeit noch nicht möglich – das könnte sich aber schon bald ändern. Wer in den Pfingstferien trotzdem nicht aufs Meer verzichten möchte, kann an die Nord- oder Ostsee fahren. Dort und in vielen anderen Urlaubsregionen in Deutschland gibt es noch freie Unterkünfte. Foto: dpa

Ob ans Meer in Kroatien oder in die österreichischen Berge: Hält der Trend bei den Corona-Zahlen an, sind in Europa einige Grenzen ab 15. Juni wieder offen. Branche und Urlauber schöpfen Hoffnung. Wir haben mit Reisebüros aus der Region gesprochen, welche Probleme das Coronavirus gebracht hat, wo man in den Pfingstferien noch eine Unterkunft bekommt und wie es mit dem Sommerurlaub im Ausland aussieht.


Wer in den Pfingstferien innerhalb Deutschlands verreisen möchte, für den hat Julia Ertl von Marx-Reisen aus Fridolfing gute Nachrichten: »Auch in den beliebtesten Ferienregionen können wir aktuell noch Zimmer buchen.« Neben der Nordsee und Ostsee seien auch in vielen anderen Urlaubsregionen noch Unterkünfte verfügbar.

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Eine große Herausforderung für die Mitarbeiter seien dabei die fast täglich neuen Meldungen, was Grenzöffnungen und wieder aufgenommene Flugverbindungen betrifft, sagt Ertl weiter. »Aktuell gehen wir davon aus, dass ab 15. Juni das Reisen innerhalb Europas wieder möglich wird. Wir sehen verstärkt Nachfrage nach Reisen nach Griechenland, Kroatien und Österreich – wir haben aber auch Gäste, die ihren Sommerurlaub in Italien verbringen möchten.«

»Fast täglich kamen neue Absagen«

Völlig überrollt wurden die Reisebüros mit Beginn der Grenzschließungen und der Reiseverbote von einer Stornierungswelle. »Die Reiseveranstalter waren ebenso überfordert, was zu Wartezeiten bei Stornierungen führt. Viele Kunden reagieren verständnisvoll – aber natürlich nicht alle«, so Julia Ertl.

Von einem auf den anderen Tag hat das Virus auch die Firma Kreuz-Busreisen aus Grassau erwischt. »Gut gebuchte Reisen im Frühjahr mussten komplett storniert werden«, sagt Markus Kreuz. Fast täglich kamen neue Absagen und Stornierungen von Gruppen, Firmen und Vereinen hinzu. »Der Lockdown führte zum vorübergehenden Erliegen der gesamten Reisebranche.«

Hinzu kam, wie Evi Daxenberger vom Reisebüro Wembacher aus Waging schildert, dass der Flugverkehr nahezu vollständig eingestellt wurde. »Individuell gebuchte Kunden mussten von uns kurzfristig auf passende und noch verfügbare Rückflüge umgebucht werden, was sich aufgrund des reduzierten Flugplans häufig als Herausforderung darstellte – jedoch haben wir es geschafft, all unsere Kunden nach Hause zu bringen.«

Anna Fembacher vom Reisebüro Ticket Easy aus Traunstein bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel: »Wir haben nicht nur seit Mitte März keinerlei Umsatz durch Neubuchungen mehr, sondern sind dazu verpflichtet, die Provisionen für die Beratung, die wir bereits in den Monaten zu zuvor getätigt haben, zurückzuzahlen. Daher benötigen wir für die gesamte Reisebranche dringend einen Rettungsfonds. Mit der Soforthilfe kann dies nicht abgedeckt werden, da diese lediglich dazu da ist, die Betriebskosten abzudecken.«

Hinter den Mitarbeitern der Reisebüros liegen arbeitsintensive Wochen. »Alle gebuchten Reisen mussten rückabgewickelt und Stornierungen sorgfältig abgearbeitet werden«, sagt Markus Kreuz. Doch er blickt positiv in die Zukunft, denn ab dem 30. Mai sind innerhalb Bayerns Busreisen wieder möglich. »Wir bieten unseren Kunden jetzt Tagesfahrten für viele schöne Ziele in Bayern an und freuen uns, wieder durchzustarten.«

Auch bei den Kunden und Mitarbeitern von Marx-Reisen war die Stimmung wochenlang sehr gedrückt. »Erfreulicherweise scheint sich das nun zu ändern und wir bekommen wieder Buchungen für die laufende Saison«, freut sich Julia Ertl.

Veranstalter werben mit besonderen Aktionen

Dass die Nachfrage nach Reisen in den Sommermonaten nun wieder steigt, bestätigt Evi Daxenberger. »Einige Veranstalter bieten bei Neubuchung tolle Aktionen – wie zum Beispiel Urlaubsreisen mit 0 Euro Anzahlung und einer kostenlosen Stornierungsmöglichkeit bis 14 Tage vor Abreise.« Auch die Nachfrage an Auslandsreisen nehme langsam wieder zu. »Aufgrund der niedrigen Infektionszahlen ist Griechenland als Flugziel sehr gefragt und auch Kroatien steht bei Selbstfahrern ganz weit oben.« Aber auch Urlaub in Deutschland ist und bleibt beliebt – schon vor der Corona-Krise seien viele Unterkünfte bereits seit längerem gut gebucht gewesen. »Die aktuelle Situation hat dies natürlich nochmals verstärkt«, sagt Daxenberger weiter. »Jedoch gibt es immer noch in den verschiedensten Regionen Deutschlands verfügbare Unterkünfte« – auch für die Pfingstferien.

»Von der Option innerhalb Deutschlands in den Urlaub zu gehen, machen natürlich einige Kurzentschlossene Gebrauch«, fügt Anna Fembacher hinzu. Bei den Kunden von Ticket Easy waren Reisewünsche von Rügen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern bis hin zum Europapark Rust dabei. »Glücklicherweise konnten wir auch all diese Buchungswünsche erfüllen und haben das Richtige gefunden.« Fembacher geht davon aus, dass Reisen innerhalb Europas spätestens zu den bayerischen Sommerferien wieder möglich sein werden. »Derzeit orientieren sich die Nachfragen der Kunden jedoch primär auf Ferndestinationen für Herbst und Winter.«

Einig sind sich die Vertreter der Reisebüros, dass sich das Reisen in Zukunft verändern wird. »Gruppengrößen werden kleiner sein«, erklärt zum Beispiel Markus Kreuz. Er rechnet vor allem mit einer starken Nachfrage für Reiseziele in Deutschland sowie den Nachbarländern Österreich, Schweiz, Slowenien, Kroatien oder Südtirol.

»Für uns ist Reisen ein Gefühl von Freiheit, das wir auch in Zukunft genießen wollen«, so Julia Ertl von Marx-Reisen. »Wir gehen davon aus, dass Reisen innerhalb Europas sehr schnell wieder stark nachgefragt werden.« Anders sehe es derzeit bei Fernreisezielen aus. »Hier bleibt abzuwarten, wie sich die Corona-Infektionszahlen auf den anderen Kontinenten entwickeln.«

»Chance für nachhaltig geprägten Tourismus«

Anna Fembacher sagt, es werde existenziell sein, neue Geschäftsideen und -modelle zu entwickeln, weil die Veränderungen der Branche bereits gegeben sind. »Reisen wird bewusster und nachhaltiger sein. Wir nutzen bereits jetzt die Zeit, um daran zu arbeiten, und freuen uns darauf.«

Eine ähnliche Meinung hat auch Evi Daxenberger. »Mit Sicherheit wird die neue Reisefreiheit wieder mehr geschätzt, und 'Urlaub' bewusster wahrgenommen. Wir denken, es könnte auch eine Chance sein: Gerade für nachhaltig geprägten Tourismus. Unabhängig davon wird es wichtiger sein denn je, dem Gast durch Transparenz und gute Beratung Sicherheit zu vermitteln. Das ist unsere Aufgabe: während der Krise und auch in Zukunft.« jal

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