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Ein Gebäude voller Sicherheit

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Tunnelmanager Josef Kaiser vom Staatlichen Bauamt gewährte einen Einblick in die Steuerungszentrale. (Foto: Brenninger)

Traunstein. Unscheinbar wirkt die Tür am Südportal des neuen Ettendorfer Tunnels. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich ist das neue Betriebsgebäude perfekt in die Landschaft integriert. Hinter der Türe verbirgt sich aber Technik pur. Das Betriebsgebäude des Tunnels ist für die Öffentlichkeit normalerweise versperrt. Für die Weihnachtsserie des Traunsteiner Tagblatts durften wir aber hinter die Tür blicken und auch am heutigen Freitag um 14 Uhr haben die Bürger bei der Einweihungsfeier und dem anschließenden »Tag des offenen Tunnels« die einmalige Gelegenheit, auch einmal einen Blick in das Betriebsgebäude zu werfen – und der lohnt sich.


Ab morgen ist das Gebäude für die Allgemeinheit wieder fest verschlossen, denn dann wird die Nordumfahrung für den Verkehr freigegeben. »Eine gewisse Nervosität ist schon da«, sagt Vitus Danzl vom Staatlichen Bauamt. »Aber ich bin zuversichtlich, dass alles gut in Betrieb geht.« Auch Tunnelmanager Josef Kaiser ist sich sicher, dass nichts schiefgehen kann. »Wir haben so viele Nachtschichten eingelegt und Tests gemacht, es läuft alles«, ist er sich sicher.

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Zu sehen gibt es im Gebäude einiges. Im größten Raum ist gleich linker Hand im Eingangsbereich die Überwachungsanlage auf einem großen Schreibtisch aufgebaut. In der sogenannten Schaltzentrale laufen fünf Monitore Tag und Nacht und sorgen für die Überwachung des Tunnels. Ringsherum sind graue, fast deckenhohe Kästen aufgestellt. Öffnet man diese, finden sich überall, fein säuberlich verstaut, viele kleine oder große, dünne oder dicke Drähte, aber auch Stecker, kleinere Kästen und viele weitere technische Ausstattungen sind darin zu finden. Jeder dieser grauen Kästen kann im Notfall entscheidend sein, denn darin sind unter anderem die Steuerungen für die Belüftung, für die Beleuchtung, für die Videoanlage, für das Telefon und für die Lautsprecheranlage untergebracht.

Im Betriebsgebäude ist in der Regel kein Personal. »Das wird alles von München-Freimann aus überwacht«, betont Vitus Danzl. Dort befindet sich die Verkehrsrechner- und Betriebszentrale (VBZ), die den Ettendorfer Tunnel zusammen mit 14 weiteren Objekten überwacht. »Und das 24 Stunden«, betont Danzl. Passiert im Ettendorfer Tunnel ein Unfall oder ein anderer Störungsfall, dann senden die Freimanner Kollegen sofort eine SMS an die Traunsteiner Rufbereitschaft, die vom Staatlichen Bauamt eingerichtet wurde.

Binnen Sekunden kann im Ernstfall dann die Alarmierung der Rettungskräfte erfolgen. »Wir haben dadurch im Notfall einen Zeitgewinn«, betont Josef Kaiser. Zwar handle es sich dabei oft nur um Sekunden, aber die können entscheidend sein, so der Tunnelmanager weiter. In diesem Fall schaltet sich dann auch der Sendemast, der direkt oberhalb des Tunnels installiert ist, ein. »Dieser ist wirklich nur bei der Kommunikation der Rettungskräfte aktiviert«, so Kaiser weiter.

Brennt es etwa im 725 Meter langen Tunnel, kann in München-Freimann und auch in der Steuerungszentrale in Traunstein genau geschaut werden, wo der Brandherd liegt. Der Tunnel ist nämlich in zehn Brandabschnitte eingeteilt und dank eines Brandmeldekabels an der Decke des Tunnels ist die Ortung schnell möglich. Auch die Fluchtwege sind kurz, der Tunnel verfügt über zwei Notausgänge, grüne Rettungsweganzeigen weisen den richtigen Weg. Im Ernstfall werden die Betroffenen im Tunnel auch via Sprechanlage mit Texten informiert. »Dabei handelt es sich um Textkonserven«, informiert Kaiser. »Diese laufen auf deutsch, englisch und französisch durch.« Dabei spreche eine angenehme Frauenstimme, »die gut und leicht verständlich ist«, sagte Kaiser.

Ist im Tunnel etwas passiert, kann in der Steuerungszentrale auch der Verkehr rund um den Tunnel geregelt werden. »Das geschieht via Wechselverkehrszeichen«, informiert Kaiser – und das passiert ebenfalls alles vollautomatisch. Auch im Staufall reagiert das System umgehend. »Wir haben vier Zählstellen im Tunnel, die Geschwindigkeiten werden dabei erfasst,« sagt Kaiser. Stellt das System zähen oder dichten Verkehr oder gar einen Stau fest, werden die Fahrzeuge blockweise abgefertigt.

Das Betriebsgebäude verfügt aber noch über weitere Räume. Im einen befindet sich die Druckerhöhungsanlage, die im Notfall dafür sorgt, dass die Feuerwehr an den sechs Hydranten genügend Wasser und ausreichend Druck zur Verfügung hat. Direkt gegenüber ist der Raum mit der Notstromversorgung. Sollte einmal der Strom ausfallen, über die in einem, aus brandschutzrechtlichen Gründen in einem anderen Raum untergebrachten, Batterien für zwei Stunden dennoch Strom geliefert erzeugt werden. Geht man durch eine weitere Türe, steht man plötzlich an der Heilig-Geist-Straße. Dort ist auch ein kleiner Parkplatz für die Mitarbeiter angelegt. »In der Regel werden wir hier in das Gebäude reingehen«, sagt Kaiser.

Das Gebäude, das auch ein WC hat, verfügt auch über einen Betriebsraum. Hier werden Ersatzteile gelagert und zweimal im Jahr Wartungsarbeiten durchgeführt. Den Traforaum kann man hingegen nur von außen betreten. Das Betriebsgebäude des Tunnels ist auf dem neuesten Stand der Technik. Danzl und Kaiser hoffen nun aber vor allem eines: »Dass wir diese Technik im vollen Umfang nie brauchen werden.« Steffi Brenninger

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