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Ein Freund und Helfer sagt Servus

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Auch während seiner Dienstzeit galt für Ernst Wohlschlager »Es lebe der Sport«, was die zahlreichen Urkunden und Medaillen in seinem Büro zeigen. Der bisherige Leiter des Sachbereichs Einsatz und stellvertretende Dienststellenleiter der Kriminalpolizei Traunstein, Ernst Wohlschlager, geht in Ruhestand. (Foto: Wannisch)

Traunstein – »Die erste Leiche vergisst man – auch nach 40 Jahren im Polizeidienst – nicht«, sagt Erster Polizeihauptkommissar Ernst Wohlschlager, wenn er auf sein vier Jahrzehnte währendes Arbeitsleben als Polizist zurückblickt.


Der scheidende Leiter des Sachbereichs Einsatz und stellvertretende Dienststellenleiter der Kriminalpolizei Traunstein erinnert sich noch sehr genau. Ein Selbstmord in Siegsdorf sei das gewesen. »Kein schöner Anblick, ein Schuss mit der Schrotflinte in Kopf«, sagt der 60-Jährige.

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Für den leidenschaftlichen Kriminaler ist Mord und Totschlag aber nur ein Aspekt seines arbeits- und ereignisreichen Arbeitslebens. Der Fall der ermordeten, taubstummen Erna Kadur in Traunreut 1990, der »Mord ohne Leiche« an Kay-Uwe Florschütz in Ruhpolding 2003, der Amoklauf am Abend des WM-Finales 2014 in Bad Reichenhall und natürlich der Mord am niederländischen Ehepaar Langendonk 1997 – dies sind nur die prominentesten Fälle, an denen Wohlschlager mitgearbeitet, oder deren Sonderkommissionen er geleitet hat.

Gerade der Fall Langendonk, dessen Aufklärung im aktiven Dienst er nicht mehr miterleben darf, bewegt den Ermittler, der im Mordjahr 1997 das Kommissariat Zentrale Dienste bei der Kripo Traunstein übernahm und damit für die Tatortarbeit zuständig war, auch noch in seinen letzten Arbeitstagen. »Hätte er nur wenige Jahre später stattgefunden, dann hätten wir ganz andere Möglichkeiten gehabt, die Spuren zu sichern und auszuwerten«, sagt Wohlschlager und spielt auf die »Revolution in der Spurensicherung« an: DNA-Analyse. Seit Ende der 1990er Jahre diese winzigen Spuren gesichert und ausgewertet werden können, sind die das erfolgreichste Instrument der Kriminalpolizei bei der Identifizierung von Tätern aber auch bei der Zuordnung von Spuren am Tatort. Für Wohlschlager sind sie der Meilenstein der kriminaltechnischen Polizeiarbeit.

Wie wichtig DNA-Spuren bei der Aufklärung von Verbrechen sind, zeige der »Mord ohne Leiche« in Ruhpolding 2003. Damals wurde Kay-Uwe Florschütz von seinen Vermietern im Anwesen des Paares erschlagen – die beiden »hätten den ungeliebten Mieter unbedingt aus der Wohnung bringen wollen«, wie es damals im Gerichtsbericht im Traunsteiner Tagblatt hieß. Das Paar beseitigte anschließend die Leiche – die bis heute verschollen ist – sowie sämtliche Spuren, indem es die Wände neu strich, um die Blutspuren verschwinden zu lassen. »Doch mit Luminol konnten wir die Blutspuren sogar unter der frischen Weißschicht sichtbar machen, diese dem Vermissten Florschütz zuordnen und letztlich die Täter überführen«, erinnert sich Wohlschlager an den Ermittlungserfolg; dem 2005 eine Verurteilung des Paares folgte – wenn auch nicht wegen Mordes.

Dass einmal die Jagd nach Verbrechern, Drogen- und Organisierte Kriminalität zu seinem Berufsalltag zählen würden, hatte der gebürtige Teisendorfer zu Beginn seiner Polizeikarriere bei der Grenzpolizei Freilassing nicht vermutet. Als den klassischen Polizisten sieht sich der 60-Jährige bis heute nicht. Als er sich 1976 für den Polizeidienst bewarb, waren Polizisten für einen jungen Mann Respektspersonen, mit strengen Blick, vielleicht etwas bieder. »Auf jedenfalls nicht so ein Treibauf und ein kontaktfreudiger Mensch wie ich es bin«, sagt Wohlschlager und schmunzelt. Ein Polizist aus der Nachbarschaft hatte ihn mit seinen Berichten aus seinem Berufsalltag überzeugt, sich zu bewerben. Bereut hat er es keinen Tag, und ergänzt: »Ich würde wieder zur Kriminalpolizei gehen«. Für ihn sei es stets oberste Prämisse gewesen, »den Bürger spüren zu lassen, dass wir als Polizisten für ihn da sind« – als Freund und Helfer.

Dennoch freut sich der aktive Sportler und zweifache Opa Ernst Wohlschlager auf seinen Unruhestand. Schließlich gilt es noch, mindestens einen Halbmarathon in diesem Jahr zu laufen. Nach seinem letzten Arbeitstag gönnt er sich und seiner Frau einen Urlaub, abschalten, ausspannen und viel laufen. »Falls mir dann im Oktober wirklich langweilig sein sollte, bewerbe ich mich in der Privatwirtschaft als Sicherheitsberater«, scherzt Wohlschlager – denn mit 60 ist lang noch nicht Schluss. vew

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