weather-image
15°

Ein Feriengast aus Thüringen schaffte Rekord von 108 Kilo

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Bei ihren ersten Versuchen wurden die interessierten Feriengäste von Haklerurgestein Konrad Plenk (links) fachmännisch unterstützt. (Foto: Schick)

Ruhpolding. Alpenländische Brauchtumssportarten konnte man beim zünftigen Hoagart auf der Schwarzachenalm ausprobieren, den Ortsheimatpfleger Franz Ringsgwandl im Rahmen des Festes der Berge organisierte. Die Almwiese zwischen dem Plenker- und dem Zellerbauernkaser war Schauplatz für das Finger- und Boahakln sowie fürs Strängkatznziagn, drei frühere Hoagartenkraftspiele, die heute noch im Bewusstsein der Bevölkerung ihren Platz haben.


Dabei hatten die Almgeher, Feriengäste wie Einheimische die Gelegenheit, zu testen, wieviel Irxenschmalz und Geschicklichkeit es braucht, um als Sieger hervorzugehen. Bei halbwegs akzeptablen Temperaturen hatte es dabei die weltweit wohl bekannteste Disziplin Fingerhakln den Feriengästen besonders angetan. Betreut wurden die Probanden bei ihren Versuchen von zwei ehemaligen Meisterhaklern, Konrad und Friedl Plenk aus Inzell.

Anzeige

Bald war der originale Haklertisch wie bei großen Meisterschaften ganz mit Magnesium übersät. Das weiße Pulver ist ja das einzige erlaubte Hilfsmittel. Es dient dazu, dass der Lederriemen, mit dem die Finger verbunden sind, besser haften bleibt. Eine Zugfeder zeigte zusätzlich auf, wer die Skala am weitesten nach oben schraubte. Ein Feriengast aus Thüringen schaffte es immerhin auf die Spitzenmarke von 108 Kilo.

Ludwig Schick, der Ehrenvorstand der Chiemgauer Ranggler und Hakler, führte durch das lockere Programm und zeigte die lange Tradition der Kraftspiele auf, die in ihrer Urwüchsigkeit das bayerische Lebensgefühl eindrucksvoll wiedergeben.

Im Verlauf der Geschichte haben sich Menschen mit besonderen Attributen ihren Platz im Volksgedächtnis bis in die Neuzeit bewahrt. So der legendäre »Steyer-Hans« ein Münchner Metzger und Gastwirt, der von 1849 bis 1906 lebte und durch seine übermenschliche Kraft zu dem Beinamen »Bayerischer Herkules« kam. Schon als Lehrling hob er ganz allein geschlachtete Kälberhälften und Ochsenviertel an den Haken, wo sich sonst zwei Gesellen abmühen mussten. Unsterblich ist er durch den kolossalen Kraftakt geworden, einen 508 Pfund schweren Stein nur mit dem rechten Mittelfinger einige Sekunden hochzuheben.

Das Fingerhakln habe aber auch über Jahrhunderte hinweg Einzug in die Malerei, in der bayerischen Literatur (Ludwig Thoma »Erster Klasse«) im Volkslied (»Zum Hakln zum Schmeißn«) oder im Sprachgebrauch gehalten (über den Tisch ziehen), führte Schick einige Beispiele an. Es gäbe fast kein altes Gruppenfoto mit Trachtlern, wo nicht zwei oder mehrere knieende oder sitzende Burschen fingerhakelnd abgebildet sind.

Das war auch bei den Rekruten so, die zur Musterung nach Traunstein mussten und dabei Bevölkerung und Obrigkeit gleichermaßen in Atem hielten. Es war alter Brauch, dass die Burschen ihren Hogmoar, den Anführer, ausranggelten, und dabei durch übermäßiges Trinken ihre glühende Vaterlandsliebe zum Ausdruck brachten. Allerdings eskalierte das Treiben im Jahr 1870 dermaßen, dass der Forstmeister Kracher erschlagen wurde. Erst dem Kommandanten des Landwehrbataillons, Buchdruckereibesitzer Anton Miller, gelang es, die Burschen zur Ruhe und Einsicht zu bringen, zitierte Schick aus dem Ruhpoldinger Heimatbuch.

Heute ist das Fingerhakln zu einem beliebten Wettkampfsport geworden. Neun bayerische Gaue vom Chiemgau bis hinauf in den Spessart sowie drei österreichische Vereine sind im Landesverband Bayerischer Fingerhakler zusammengeschlossen. Neben Gaumeisterschaften gibt es Kämpfe um Bayerische, Deutsche und Alpenländische Titel, an denen bis zu 200 Athleten teilnehmen.

Der gefällige Hoagart am Fuße des höchsten Chiemgauer Berges, dem 1961 Meter hohen Sonntagshorn, war ein gelungener Beitrag dazu, die alten Brauchtumssportarten in der öffentlichen Wahrnehmung stärker zu verankern.

Organisator Franz Rings-gwandl betonte zum Abschluss, dass der renovierte Zellerbauernkaser in Zukunft bei weiteren bodenständigen Veranstaltungen im Mittelpunkt stehen werde. Zum Gelingen trug auch die Taubensee Tanzlmusi bei, deren schneidigen Klängen einige Tanzpaare nicht widerstehen konnten. ls