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Ein Fenster sorgt für Diskussionsstoff

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Reit im Winkl. Wie hoch darf ein Wohnhaus im Ortszentrum werden? Wie sehr stört ein über zwei Stockwerke verlaufendes Fenster die Ansicht eines Einfamilienhauses? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die sieben Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses in der jüngsten Sitzung. Zu Diskussionen führte aber auch ein Mehrparteienhaus in der Hausbergstraße, dort wird eine Wohnung offenbar nicht wie laut Fremdenverkehrssatzung vorgeschrieben für die Zwecke des Tourismus genutzt.


Um 1,30 Meter auf insgesamt 9,10 Meter aufgestockt werden soll ein Wohnhaus am Hausbachweg. Der Antragsteller möchte so im Dachgeschoß für eigene Wohnzwecke eine weitere Wohnung schaffen. Damit würde das Haus vier Wohnungen beinhalten. Strittig war im Kreise der Gemeinderäte, ob ein zentrumsnahes Wohnhaus eine solche Höhe haben dürfe. »Das Gebäude sticht aus den benachbarten Häusern deutlich heraus, das ist zu massiv«, fand Georg Speicher von den Freien Wählern. Rudi Wolfenstetter (parteilos) führte hingegen an, dass diese Höhe so nicht wahrgenommen werde, da das Haus in einer Senke stehe. Bürgermeister Josef Heigenhauser dagegen zählte eine Reihe von Bauten der näheren Umgebung auf, die durchaus die gleiche Höhe hätten. »Vom Zentrum weg müssen die Häuser niedriger werden«, schob Speicher nach. Dies trage zu einem stimmigen Ortsbild bei.

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Bei einer Gegenstimme wurde die angestrebte Höhe schließlich zugelassen. Eine Befreiung von der Fremdenverkehrssatzung erteilten die Räte allerdings nicht. Das bedeutet, dass für die dritte und vierte Wohnung eine Fremdenverkehrsdienstbarkeit eingetragen werden müsse. Auch gegen einen geplanten Quergiebel hatten die Räte nichts einzuwenden.

Ebenso zu kontroversen Diskussionen führte ein Tekturantrag eines bereits genehmigten Wohnhauses im Ortsteil Entfelden. Hier soll laut neuem Antrag auf der Nordseite jetzt ein lang gestrecktes, vier mal ein Meter großes Fenster eingebaut werden, das sich über zwei Stockwerke zieht. »Also unmittelbar an der Straße, das gefällt mir schon gar nicht«, kommentierte diese Gestaltung Walter Petersen (Freie Wähler) kopfschüttelnd. Während Bürgermeister Heigenhauser die Planungen auch wegen dieses Fensters sinngemäß als »Bausünde« beschrieb, berief sich Matthias Schlechter (CSU) auf ein bestehendes Wohnhaus im Ort, das ein ähnliches Fenster hat. Bei der Abstimmung wurde für diesen Gemeinderat ein ungewöhnliches Ergebnis erzielt, in der Regel werden Beschlüsse über Parteigrenzen geschlossen. Hier allerdings votierten die vier CSU-Räte geschlossen zugunsten des Antrags, die drei Mitglieder der Freien Wähler waren dagegen.

Schließlich wollte eine Antragstellerin für ein Wohnhaus in der Hausbergstraße die Genehmigung für eine dritte Wohneinheit erreichen, die laut dem in der Sitzung verlesenen Antragsschreiben aber offensichtlich schon besteht. Deshalb habe auch das Landratsamt die Antragstellerin bereits mehrfach aufgefordert, entsprechende Bauplanungen vorzulegen. Der Gemeinderat hatte bereits im September 2011 einen Antrag auf eine dritte Wohneinheit abgelehnt und auch jetzt zeigten sich die Räte konsequent: Eine dritte Wohneinheit sei nur möglich, wenn diese zugunsten des Tourismus genutzt werde, keine Dauervermietung sei, also wie dies in der Fremdenverkehrssatzung vorgesehen ist. ost