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Ein eindringliches Plädoyer für die Tanne

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Wonneberg – »Einen Wald ohne Tannen darf es bei uns nicht geben.« Das sagte der frühere Leiter des Staatlichen Forstamtes Villingen-Schwenningen, Wolf Hockenjos, bei einer Veranstaltung des Agrarbündnisses und anderer Organisationen im Gasthaus Alpenblick in Weibhausen.


Allerdings sei dem Tannenbestand in den letzten Jahrzehnten arg zugesetzt worden und er habe sich selbst im Schwarzwald stark verringert. Jetzt erlebe die Tanne aber eine Renaissance. Sie könnte wieder ihre frühere Bedeutung bekommen, wenn die Waldbauern und Jäger einigen einfachen Regeln folgen würden. Die Umweltbelastungen haben der Tanne nicht nur im Schwarzwald arg zugesetzt. Erst in den letzten Jahren, nachdem die Schwefelbelastung durch strengere Emissions- und Abgasgesetze zurückgegangen sei, habe sie sich wieder etwas erholt. Das sei gut so, denn die Tanne sei ein immens wichtiger Baum für einen gesunden Wald. Durch ihre tiefen Wurzeln sei sie weniger anfällig für Sturmschäden als die Fichte. Weil sie langsamer wächst, habe ihr Holz eine größere Dichte und sei langlebiger als andere Nadelbaumarten. Hockenjos zeigte Fotos von mehr als 500 Jahre altem Tannengebälk im Freiburger Münster und von anderen Plätzen. Allerdings sei die Tanne nach wie vor durch Wildverbiss beeinträchtigt.

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Die Tanne habe eine »phänomenale Wachstumspotenz« und könne selbst im hohen Alter noch kräftig zulegen. Zudem sei die Weißtanne weitaus besser geeignet als die Fichte, in Zeiten des Klimawandels zu bestehen. Sie sei besser gewappnet gegen Trockenheit, Stürme und Schadinsekten. Der Anteil von Tannen in unseren voralpinen und alpinen Wäldern liege nur zwischen 8 und 20 Prozent. Bayernweit betrage der Anteil der Tannen an der gesamten Holzbodenfläche nur zwei Prozent, sagte Hockenjos. Es liege an den Waldbesitzern und den Jägern, das zu ändern.

Von einem Großteil der Jägerschaft sei in dieser Hinsicht allerdings nicht viel zu erwarten, denn sie befürworteten sogar die Herabstufung der Tanne zur »Nebenbaumart«, weil nur die Wildverbissschäden an den »Hauptbaumarten« von den Jagdpächtern ersetzt werden müssten. Auch Einzäunungen brächten nicht viel, meinte Hockenjos, denn der Druck auf die Areale außerhalb der Zäune würde dadurch nur noch erhöht. So bleibe es vor allem den Waldbesitzern vorbehalten, gegen den Wildverbiss anzukämpfen. Leonhard Strasser sagte, es gebe überall Probleme in den Wäldern, nicht nur bei uns. Es sei besonders wichtig, in Zeiten des Klimawandels einen guten Wald und eine gesunde Landwirtschaft zu erhalten.

Alfons Leitenbacher sagte, die Tanne sei ein wichtiger Gradmesser, ob es uns gelingt, einen guten Wald zu erhalten. Der Leiter des Landwirtschaftsamtes sagte zudem, der Wald zeige, wie gejagt werden müsse. Die Jagd sei die wichtigste »Stellschraube« für einen gesunden Wald. Bauern und Jäger müssten einen gemeinsamen Beitrag leisten zur Verbesserung und Erhaltung der Wälder. Hans Praxenthaler sagte, die Waldflächen würden immer weniger und genau wie in der Landwirtschaft insgesamt sollte man darauf achten, sich die »Strukturen nicht über den Kopf wachsen zu lassen und nur so viel aus dem Wald zu nehmen, wie für diesen verträglich ist«. al