weather-image
26°

Ein Einblick in die spannende Welt des Handwerks

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Hans Kurfer, Obermeister der Schreiner-Innung Traunstein, im Gespräch mit Schülern. Weitere Bilder gibt es auf www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos zu sehen. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. Junge künftige Schulabgänger sollen für das Handwerk begeistert werden. Die Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land informierte hunderte Schüler und ihre begleitenden Lehrer im Rahmen der Berufsausbildungsmesse (BIM) über Berufschancen im Handwerk. In den verschiedenen Werkstätten der Handwerkskammer in Traunstein konnten sich die Besucher ein Bild von der Vielfalt der handwerklichen Berufe machen. Obermeister der Innungen und die Ausbilder der einzelnen Fachrichtungen hielten in den Führungen durch die Werkstätten kurze Vorträge und warben jeweils für »ihr« Handwerk.


Handwerk fordert alle Sinne

Anzeige

Zu Beginn der Berufsausbildungsmesse betonte Stellvertretender Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter, dass sich die Kreishandwerkerschaft und die ihr angeschlossenen Innungen hinter die geplante Olympiabewerbung der Region stellen würden. »Wir freuen uns, wenn wir die Jugend dieser Welt bei uns begrüßen dürfen.« Man brauche aber gerade auch die Jugend der Region in den Betrieben, kam er zum Thema der BIM zurück. »Wir wollen jungen Menschen das lebendige, moderne und zukunftssichere Handwerk näherbringen«, so Kotter. Mit der Messe sei es gelungen, einen Überblick und einen Einblick in die »spannende Welt des Handwerks« zu bekommen.

Landrat Hermann Steinmaßl betonte, eine gute Ausbildung sei die Basis für ein gutes Leben. Dies würden die künftigen Schulabgänger gerade auch in der Region finden. »Die große Lebensqualität ist nicht unbedingt in der Stadt«, so der Schirmherr der BIM. Er verwies darauf, dass die jungen Menschen in einer besonderen Weise Chancen auf dem Arbeitsplatz hätten. »Die Situation ist einmalig im Vergleich zu den früheren Generationen«, sagte er vor dem Hintergrund des Facharbeitermangels. An die jungen Menschen gerichtet hielt er ein Plädoyer für ein starkes, geeintes Europa. Bürger könnten nach zwei Weltkriegen in einem Europa des Friedens, der Demokratie und der Freiheit leben.

Im Nachgang machte der Landrat die Runde durch die Werkstätten und verschaffte sich selbst einen Überblick über das Angebot. Beim Stand der Metzger-Innung wurden kulinarische Köstlichkeiten der Region gereicht, beim Stand der Bäcker wurde es dann für den Landrat gleich praktisch: Unter den Augen von Bäckermeister Gerhard Kotter musste er eine Breze formen, die mit kleiner fachlicher Unterstützung dann auch den optischen Anforderungen der Verbraucher genügt hätte. Gleichzeitig wurde auch hier deutlich, dass das Handwerk viel mit Kreativität und handwerklichem Geschick zu tun hat, in dem je nach Gewerk alle Sinnesorgane gefordert sind.

Anschließend konnten die Schüler mit ihren Lehrern die jeweiligen Handwerksberufe beziehungsweise ihre Ausbildung in Metall, Holz oder Kfz praktisch »erleben« und dem Werben um sie zuhören. So wie beispielsweise Josef Lechner, Obermeister der Zimmerer-Innung in seinen Ausführungen sagte: »Das ist der schönste Beruf. Ihr habt mit Holz zu tun und seht, was ihr schafft.« Er ermutigte die jungen Leute, dass diese die richtige schulische Entwicklung eingeschlagen hätten. Steht doch künftigen Gesellen über den Weg zum Meister auch ein Studium offen. SHK-Innungsobermeister Josef Pflügl warb mit einer attraktiven Anhebung der Ausbildungsvergütung in seinem Handwerk (Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik) und dem Hinweis, dass junge Leute gebraucht würden: »Wenn ihr gut seid, habt ihr bei uns ein Leben lang Arbeit.« Gabriele Schneider von der Maler-Innung, machte den Schülern, die überwiegend aus den siebten und achten Klassen kamen, »Lust auf Farbe« und betonte: »Wenn ihr kreativ seid, dann seid ihr bei uns richtig.«

Manche Schüler merkten recht bald, dass man oft ein falsches Berufsbild vom jeweiligen Handwerk mitbringt. Der am Schreinerhandwerk interessierte Achtklässler Luca Janoschka von der Wirtschaftsschule Dr. Kalscheuer Traunstein machte beispielsweise den Witz von »fünf Hoibe«, bei dem der Schreiner nur drei Finger in die Höhe streckt, weil ihm die anderen durch einen Sägeunfall fehlen. Das gab dem Schreiner Obermeister Hans Kurfer die Möglichkeit, darauf hinzuweisen, dass das Handwerk technisch und ausbildungsseitig auf dem allerhöchsten Stand steht, was sowohl für die Maschinenausbildung wie auch für das Beibringen der handwerklichen Schreinerfertigkeiten gelte.

Persönliche Gespräche kamen gut an

Das machte auch Evelyn de Marco-Maier, Obermeister der Friseur-Innung, deutlich. In der Friseurwerkstatt zeigten vor allem die Mädchen Interesse an den von Auszubildenden gezeigten Arbeiten. Feilen, bohren, drehen – davon konnten sich die Schüler beim Durchgang in der Metall-Werkstatt ein Bild machen, bei der wie auch in der Bau- und Maurerwerkstatt kräftig und konzentriert gearbeitet wurde. Waren dort doch die derzeitigen Lehrlinge beim praktischen Unterricht im Bildungszentrum.

Die jungen künftigen Berufseinsteiger konnten sich nach einer Handwerkerbrotzeit dann noch selbst in persönlichen Gesprächen ein Bild von ihrem möglichen Ausbildungsberuf machen. »Das ist eine gute Möglichkeit in Einzelgesprächen über unseren Beruf zu informieren«, zeigte sich Hermann Stadler, Lehrlingswart der Elektro-Innung, zufrieden mit der dreitägigen BIM. awi