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Ein Dorfmittelpunkt für Oberwössen muss her

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Unterwössen. In der Veranstaltung des CSU-Ortsverbands zur Kommunalwahl mit rund 80 Zuhörern unterstrich Bürgermeisterkandidat Ludwig Entfellner seine Meinung, dass die Identität eines Orts extrem wichtig sei. Der Bürger im Verbund mit Fachleuten und Politik verantworte, wie sich diese Identität beweise. Für Oberwössen wolle er einen Gesellschafts- und Kulturraum schaffen.


Aus den Ortschaften heraus gemeinsam etwas bewegen

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Aus den Ortschaften entstehe die Kraft, etwas zu bewegen. Die Eigenständigkeit müsse erhalten bleiben, sagte er im Oberwössner Poststüberl. Die ehemalige Schule werde aktiv mit Leben gefüllt, so Entfellner. Als Veranstaltungsraum und Heimat von Trachtenverein und Bücherei sei es ein Gemeindehaus. Baulich gehöre da aber etwas geändert. Er freute sich über die in Oberwössen gut besuchte Kirche, die ein Mittelpunkt im Dorf sei. Im historischen Café rühre sich derzeit wenig. Mit dem ansprechenden Verkehrsamtsgebäude und dem neuen Feuerwehrhaus habe sich einiges zum Guten entwickelt. Oberwössen sei ein Ort ohne Bausünden.

Aber die andere Straßenseite mit dem Gasthof zur Post und dem Platz der Oberwössner Frei gefalle ihm nicht mehr. Das Gasthaus sei nicht mehr der Mittelpunkt im Dorf. Ein Mittelpunkt müsse her. Das funktioniere aber nur, »wenn wir alle zusammenarbeiten«. Ein Ort müsse von Fachleuten, Politik und vor allem den Bürgern gemeinsam entwickelt werden, betonte er erneut. Nachdrücklich rief er die Bürger auf, mit eigenen Ideen dazu beizutragen. »Wenn eine Resonanz im Ort ist, dann packen wir an.« Besonders wandte er sich an die jungen Leute. »Es ist auch an Euch, jetzt die Zukunft im Dorf zu entwickeln.«

Entfellner schlug vor, einen Gesellschafts- und Kulturraum für Oberwössen zu schaffen. Sein Anliegen habe aber nichts mit dem Saal des Gasthofs zur Post zu tun und dem Einzug von Asylbewerbern. Auch ohne diese Entwicklungen hätte es den Saal so nicht mehr lange gegeben. Hätte die gastronomische Kapazität früher gereicht, das ganze Dorf auf einen Schlag zu beherbergen und zu bewirten, gäbe es heute keine Nachfrage mehr dafür. Überall würden die Kapazitäten zurückgefahren. Für einen Wirt seien solche Säle heute mit Bedienung, Heizung, Raumpflege und vielem mehr nicht mehr zu finanzieren.

Entfellner wünschte sich deshalb einen Raum mit vielfältigen Möglichkeiten von Gymnastik bis Kinderfest, für gewerbliche Ausstellungen und private Veranstaltungen. Wofür genau, das müssten »die Leute – also ihr – erarbeiten. Wir müssen uns fragen, was ist uns heute oder in fünf Jahren wichtig.« Das Wo stellte er zurück. »Wenn wir wissen, was wir brauchen, werden wir den Ort finden.« Er sei sich absolut sicher, »dass wir einen Dorftreff brauchen«, um das Zusammenleben im Dorf zu fördern.

Das Achental muss zusammenarbeiten

Um im Wettbewerb zu bestehen, müsse das Achental zusammenarbeiten. »Da bin ich für eine Kooperation mit den anderen Gemeinden. Aber die Probleme im Ort selbst müssen wir auch selbst lösen.« Man müsse die kleinen Vermieter in die Lage versetzen, neben Beruf und Familie ein attraktives Vermietungsangebot zu erhalten. Tourismus müsse Chefsache werden, denn er sei kein Selbstläufer und brauche aktive Unterstützung.

Zu anderen Themen, wie der Unterbringung von Asylbewerbern, der Arbeitswelt oder dem Ehrenamt vertrat Entfellner seine bereits andernorts geäußerten Meinungen (wir berichteten).

In der Diskussion gab Georg Aberger dem Kandidaten mit auf den Weg, Oberwössner Projekte wie die Kanalsanierung in Hinterwössen und die Straßenbeleuchtung im Ort voranzutreiben. Aberger fragte, ob er uneingeschränkt einen Oberwössner als Zweiten Bürgermeister unterstützen würde. Entfellner warnte, das Fell des Bären zu teilen, bevor er erlegt sei. Er würde es aber begrüßen, wenn jeder Ortsteil einen der beiden Bürgermeister stellen würde. Er würde das unterstützen.

Bernhard Sappl sah zwar die begrenzten Möglichkeiten der Gemeindeverwaltung, drängte aber auf Abschluss des Hochwasserschutzes in Oberwössen. »Bei einem weiteren Jahrhunderthochwasser werden wir ansonsten enorme Schäden erleben«, meinte Sappl unter dem Beifall der Zuhörer. Der Oberwössner Ludwig Voit wusste, dass der CSU-Ortsverband Marquartstein in seiner Wahlpräsentation auf eine Zusammenarbeit im Achentaltourismus und im Unterhalt größerer Anlagen im Tal ziele, namentlich auch für ein Hallenbad. Voit fragte, ob es da schon eine Abstimmung zwischen den Gemeinden gebe.

Entfellner berichtete, dass es bisher nur eine Vereinbarung zwischen den CSU-Verbänden im Achental gebe, künftige Themen gemeinsam abzusprechen. Nach seiner Kenntnis seien die Gespräche zum Erhalt des Hallenbades in Verantwortung mehrerer Gemeinden bisher gescheitert. Im Einflussgebiet der Hallenbäder Bernau und Reit im Winkl sei die Situation schwierig. Da werde er nicht im Vorfeld einer Wahl Gespräche und Erfolge ankündigen, die sich nicht verwirklichen lassen. Ob sich da neue, andere Entwicklungen bieten, könne er noch nicht sagen.

CSU bietet Netzwerk bis zum Ministerpräsidenten

Hermann Minisini sagte mit Blick auf die Mitbewerber, auch er und die CSU setzten auf ein politisches Netzwerk über den Ort hinaus. Bei der CSU sei das – im Gegensatz zum Mitbewerber – im Notfall bis zum Ministerpräsidenten gewährleistet. Als Beispiel für erfolgreiche Netzwerkarbeit nannte er eine vorgezogene Sanierung der Bundesstraße in Oberwössen. lukk