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Ein Citymanager soll's in Traunreut richten

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In einem Gutachten zur Stärkung des Wirtschafts- und Einzelhandelsstandorts Traunreut regen die Experten eine intelligente Neuaufteilung des Rathausplatzes an, um auch den Anforderungen an eine funktionsfähige Wochenmarkt- und Veranstaltungsfläche mit hoher Aufenthaltsdauer zu entsprechen. Empfohlen wurde auch, mehr Grün auf die gekieste Fläche zu bringen. (Foto: Rasch)

Traunreut. Der Traunreuter Stadtrat ist sich einig, zur Stärkung des Stadtzentrums zunächst für zwei Jahre ein professionelles Stadtmanagement zu beauftragen. Die Stelle eines Citymanagers oder einer Fachfirma ausgeschrieben werden. Der Fachmann soll sich nicht nur um die Belebung leerstehender Immobilien kümmern, sondern auch um die Ansiedlung neuer Geschäfte. Vor der einstimmigen Entscheidung hatte Dr. Ralf Popien ein 92-seitiges Wirtschafts- und Einzelhandelsgutachten für Traunreut vorgestellt.


Das aktuelle Gutachten der TU München ist eine Teilfortschreibung eines Gutachtens aus dem Jahr 2000. Dabei wird deutlich, dass sich seit dem letzten Gutachten in Traunreut kaum etwas verbessert, einiges sogar noch verschlechtert hat und deshalb viele Vorschläge im aktuellen Gutachten erneut auftreten. Aufgrund dieser Erkenntnisse erscheint die Einführung eines Citymanagements als wichtigste Entscheidung.

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Bessere Wohnqualität in der Stadt notwendig

Gefordert wird in dem Gutachten auch eine Verbesserung der Wohnqualität in der Stadt, um die dringend benötigten jüngeren und gut ausgebildeten Arbeitskräfte anzulocken. Bei dieser Bevölkerungsgruppe genieße Traunreut »keine besondere Wertschätzung«. Um die Kernstadt als attraktiven Wohnstandort für junge, hochqualifizierte Arbeitskräfte zu entwickeln, seien weitere Investitionen in die Aufwertung des Wohnungsbestandes und das kernstädtische Wohnumfeld notwendig.

Durch die Schaffung eines attraktiven Wohnraums in einer städtebaulich ansprechenden Umgebung könnten nicht nur die Schwierigkeiten der Betriebe gemindert werden, sondern auch der Einzelhandel dann von Bevölkerungsschichten profitieren, die über eine höhere Kaufkraft als die derzeit ansässigen Gruppen verfügen würden. Dr. Popien empfiehlt auch eine bessere Kooperation mit den Nachbarstädten Trostberg und Traunstein. Zur städtischen Wirtschaftsförderung gehöre laut dem Gutachter auch ein »Kümmerer«, der neben der nötigen Ausweisung, Entwicklung und Vermarktung attraktiver Gewerbegebiete auch Treffen ansässiger Unternehmen organisiert, um deren Interessen und Probleme zu erfahren.

Dr. Popien warnte auch vor den negativen Auswirkungen der Neuansiedlung von BayWa und Kaufland an der Trostberger Straße auf die Innenstadt. Um die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Aufwertung der Innenstadt nicht zu beeinträchtigen, sollten außerhalb des Stadtzentrums keine zusätzlichen Einzelhandelseinrichtungen mit zentrenrelevanten Sortimenten angesiedelt werden.

Zu den größten Schwächen der Innenstadt gehören ungestaltete, ungeordnete und untergenutzte Grundstücke. Gleichzeitig bestünde in der Innenstadt eine Reihe von Möglichkeiten, auch größere zeitgemäße Einzelhandels-Neubauten im Umfeld bestehender Geschäfte wie der Traunpassage und des KfA-Cityhauses zu situieren. Die Defizite im Branchenmix sollten durch eine konzertierte Ansiedlung von bekannten, expandierenden Filialisten verschiedener Einzelhandelsbranchen verringert werden. Der Experte denkt hier an ein H&M-Geschäft, das Traunreut für weitere Bekleidungsläden nach dem Motto »Marken ziehen Marken« attraktiv machen könnte.

Chancen sieht Dr. Popien auch für die Ansiedlung von Filialisten der Sortimente »Wohnaccessoires, Geschenk- und Dekoartikel«. Und: »Im Lebensmittelbereich ist die Ansiedlung eines attraktiven Bio-Marktes auf circa 500 bis 700 Quadratmeter Verkaufsfläche zu avisieren.«

Als großes Manko wird das seit Jahren leerstehende Trauna-Center bewertet, für das der Gutachter einen Abriss oder Totalumbau vorschlägt. Dort könnte dann entweder ein Bekleidungsanbieter oder ein Hof für Hotelgäste entstehen, wobei die Ansiedlung eines Drei-Sterne-Garni-Hotels mit rund 40 Betten vorgeschlagen wird.

Traunpassage und Kantstraße stärker anbinden

Wie schon vor 13 Jahren wird auf eine stärkere Anbindung von Traunpassage und Kantstraße gedrängt. Dr. Popien schlägt hier mit Siteco ein »wegweisendes« Licht-Konzept vor, das eine optische Verbindung schaffen könne. Zur gestalterischen Zusammenfassung der innerstädtischen Einkaufsbereiche sollte ein flächendeckendes, mit der Firma Siteco entwickeltes Beleuchtungskonzept entwickelt werden, das über die Installierung von Straßenleuchten hinausgehe. Er appellierte, den »Globalplayer« Siteco zu nutzen.

Einbinden würde er auch BSH, etwa durch ein Kochstudio in der Innenstadt, sowie Heidenhain, deren Besucherzentrum an der Kantstraße man als positives Statement zum Industriestandort Traunreut werten könne. Weiter sei auch die Ansiedlung attraktiver Gastronomiebetriebe nötig.

Am Rathausplatz könnte die gekieste Fläche mehr Grün vertragen und mit einer intelligenten Neu-Aufteilung auch den Anforderungen an eine funktionsfähige Wochenmarkt- und Veranstaltungsfläche sowie an Sitzgelegenheiten mit hoher Aufenthaltsqualität entsprechen. Auf Teilflächen sollten attraktive Außenflächen für gastronomische Nutzungen geschaffen werden.

Im Rahmen der vom Stadtmarketing zu koordinierenden Aufgaben der Vermarktung Traunreuts als Einzelhandels- bzw. Einkaufsstandort wären auch eine verbesserte Abstimmung und Kooperation zwischen den vier Standorträumen Traunpassage, Petrapark, Stadtkern sowie Gewerbegebiet Ost und eine verstärkte Gemeinschaftswerbung nötig. ga