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Ein Bild von einem Mann

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Laufen – Die Sache schien glasklar. Und das Bild ließ eigentlich keinen Zweifel: Es war der 34-jährige Münchner Kfz-Meister, der in seinem BMW M 5 auf der Autobahn bei Teisendorf geblitzt worden war. Mit 142 Sachen anstatt der maximal dort zulässigen 100 Stundenkilometer. Vor allem aber: Der Mann hatte zur Tatzeit keinen Führerschein. Gegen einen Strafbefehl hatte er Einspruch eingelegt mit der Begründung, er sei gar nicht gefahren. Genau das bestätigte nun die Verhandlung am Laufener Amtsgericht. Der Sachverständige erkannte tatsächlich einen Bekannten und Geschäftspartner des Mannes als Fahrer. Die Folge: Freispruch.


Ja, der Wagen sei geleast und auf seinen Namen zugelassen, räumte der angeklagte Kfz-Meister ein. Fahren würde damit aber ein international tätiger Geschäftsmann. »Das Auto ist immer bei ihm.« Das bestätigte der 36-jährige Geschäftsmann im Zeugenstand. »Das Auto wird nur von mir genutzt.« Zusammen mit einer »schönen Blondine« sei er damals auf dem Weg von München nach Budapest gewesen. Eine Hotelrechnung der vorangegangenen drei Tage im Januar 2014 bestätigte dem Gericht den Aufenthalt in der Landeshauptstadt.

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Identitätsprüfer kam zum Einsatz

Dr. Cornelius Schott hatte sich nach dem Einspruch mit den »Bildern hoher Qualität« beschäftigt und eine »große Ähnlichkeit« festgestellt. Schott ist Sachverständiger für anthropologische Vergleichsgutachten und Fachmann für Identitätsprüfung. Nun hatte er nicht nur den Angeklagten und vermeintlichen Fahrer in natura vor sich, sondern auch den zweiten Mann, der angeblich gefahren sein soll. Er bat die zwei Männer, sich entspannt nebeneinander zu setzen; er selbst betrachtete beide minutenlang aus leicht unterschiedlichen Blickwinkeln.

»20 Merkmale sind es, die ich hier vergleiche«, erklärte Schott den Beteiligten. Augenbrauenverlauf, Nasenrücken, Oberlippenhaut, Kinn, Konturen, Übergänge und anderes mehr. »Ich habe bei dem Angeklagten tatsächlich acht Abweichungen vom Bild gefunden«, stellte Schott abschließend fest. Damit könne von einer Identität nicht gesprochen werden. »Der Angeklagte ist nicht der Fahrer auf dem Bild.«

Anders bei dem Geschäftsmann. »Hier habe ich keinerlei Abweichungen finden können.« Und das sei der »Beweis der Identität«. Es passiere ganz selten, dass eine Voranalyse nicht zutreffe, erläuterte der Sachverständige, »aber hier und heute ist die Sache klar.«

Als unglücklich bezeichnete Staatsanwalt Dominik Rami die Tatsache, dass sich beide Männer sehr ähnlich sähen. Er plädierte auf Freispruch vom Vorwurf des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und der falschen Verdächtigung. Dem schloss sich Rechtsanwalt Gregor Leitner an.

Der Angeklagte nannte es unverschämt, dass ihn Polizeibeamte am Telefon schon im Vorfeld als zu 100 Prozent überführt erklärt hätten. Strafrichter Dr. Karl Bösenecker entschied auf »Freispruch auf Kosten der Staatskasse«. höf