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Ein Berater fürs Schulessen? "Das ist doch Irrsinn"

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Ein Profi wird sich künftig um die Festlegung der Kriterien für das Mittagessen der Kinder in städtischen Einrichtungen kümmern.

Traunstein – Ein Profi wird sich künftig um das Mittagessen in den Kindertageseinrichtungen und Schulen in Trägerschaft der Stadt kümmern – das steht nach einer emotionalen Debatte im Stadtrat fest.


Der Traunsteiner Stadtrat entschied sich mit 13 zu 10 Stimmen für die Beauftragung eines Beratungsunternehmens. Dieses soll einen Qualitätsstandard für die Mittagsverpflegung der Kinder entwickeln.

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Gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung sprachen sich Isabelle Thaler (CSU) und Ernst Haider (UW) aus. Es gebe genügend Informationen zu diesem Thema, zum Beispiel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sagte Haider. Dieser Meinung war auch das jüngste Stadtratsmitglied. Außerdem ging Isabelle Thaler auf die Kosten ein. »Wir kennen ja alle die recht angespannte Haushaltslage, da verstehe ich nicht, dass wir dafür Geld ausgeben sollen.«

»Richtig und wichtig, dass wir uns beraten lassen«

Wilfried Schott (Grüne) betonte, dass die Kosten von 4000 bis 10 000 Euro nicht so gravierend seien. Doch er bezweifelte, dass ein Berater so viel bringe. »Die Verantwortung bleibt ja trotzdem bei uns.« Er schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu gründen.

Dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner (SPD) ging auf die eingangs erwähnten vielfältigen Informationen zum Thema Essen ein. »Da gibt es eine Flut davon, das stimmt. Aber wer bündelt uns diese Informationen?«, fragte sie. Es sei nicht damit getan, einen Koch einzustellen, »der dann einfach mal 250 Essen macht«. Traudl Wiesholler-Niederlöhner fand es deshalb »richtig und wichtig, dass wir uns beraten lassen«.

Stephan Hadulla (Grüne) war der Meinung, dass der Stadtrat in diesem Fall die Verwaltung auch in Schutz nehmen sollte. »Wenn die Verwaltung sagt, 'wir können das nicht', dann sollten wir das doch akzeptieren.«

»Das hört sich alles so einfach an – regional, bio, frisch. Aber da gibt es Tausende an Informationen«, sagte auch Hauptamtsleiter Gerhard Spiegelsberger. »Wann muss es Schweinefleisch sein, wann Huhn? Kenne ich mich damit aus? Nein!« Das Essen, das derzeit von den Maltesern geliefert wird, gelte zum Beispiel auch als frisch gekocht – obwohl es in der Hofmann-Menü-Manufaktur in Boxberg-Schweigern schockgefrostet und dann in Traunstein aufgewärmt wird. »Wir brauchen da einfach einen Profi, der uns erklärt, welche Varianten es gibt.«

Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste) ging noch einmal auf die Vergabe an die Malteser nach einer europaweiten Ausschreibung ein. Das Thema hatte in den Medien deutschlandweit für Aufregung gesorgt (wir berichteten). »Mir tut es wirklich leid, dass der Oberbürgermeister damals die Prügel hat einstecken müssen, obwohl wir alle so entschieden haben.«

»Das ist doch ein Irrsinn«

Dr. Christian Hümmer (CSU) war der Meinung, dass bei der Vergabe das Kriterium »billigster Preis« der Knackpunkt war. Deshalb habe der Stadtrat den Auftrag nur mehr an die Malteser vergeben können. »Doch nach dem Vergaberecht kann auch die Qualität entscheidend sein. Dann kommen wir auch nicht wieder in eine Schieflage«, betonte er.

Burgi Mörtl-Körner (Grüne) sprach unter anderem die Aluverpackungen an, in denen derzeit das Essen geliefert wird. »Das brauchen wir wirklich nicht!«, betonte sie.

Richtig emotional wurde Josef Kaiser (UW). »Glaubt hier drinnen wirklich einer, dass wir es allen Recht machen können!?« Das Essen jetzt sei gesund und frisch. »Wer was Besseres will, der muss halt selbst kochen«, schimpfte er. Auch ein externer Berater werde nicht alle Wünsche erfüllen können. »Das ist doch ein Irrsinn«, sagte Kaiser. Außerdem fand er die Idee mit dem Berater insofern nicht gut, »weil wir uns ja dann direkt so hinstellen, als hätten wir was falsch gemacht«.

Robert Sattler (SPD) kritisierte, dass sich der Hauptausschuss noch mit 9:0 Stimmen für einen Profi ausgesprochen habe und jetzt führe man im Stadtrat diese ewige Diskussion. »Wichtig ist doch, dass wir ein gutes Ergebnis finden«, betonte Thomas Stadler (Grüne). »Wir sollten uns einen Berater leisten.« – Das sah letztlich auch eine Mehrheit des Stadtrats so.

Zum Hintergrund der Debatte: Zum Schuljahr 2018/2019 läuft der Vertrag mit den Maltesern in Traunstein aus, die Leistung muss also neu ausgeschrieben werden. Außerdem ist die neue Schulküche an der Ludwig-Thoma-Grundschule nun fertig. In dieser soll künftig das Essen für die Kindertageseinrichtungen und Schulen in Trägerschaft der Stadt gekocht werden. Je nach Kochart können dort 250 bis 300 Portionen frisch zubereitet werden, was möglicherweise zu wenig ist. Denn nach derzeitigem Anmeldestand werden bereits ab September 2017 rund 280 Essen benötigt. Auch um diese Angelegenheit soll sich der Profi kümmern – also um die Festlegung der Kriterien für die Verpachtung der Schulküche und die Vergabe der weiteren Essen an einen geeigneten Anbieter, falls dies nötig werden sollte. KR