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Ein »Badebus« fürs Chiemseeufer?

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Übersee – Sechs Monate hat Verkehrsexperte Daniel Schlatter aus Konstanz an einem Konzept gearbeitet, das im Sommer auch bei hohen Besucherzahlen die öffentliche Sicherheit und Ordnung am Überseer Chiemseeufer garantieren soll. Schon im vergangenen Sommer hatte er die Verkehrsströme des Chiemsee Summers in erfolgreiche Bahnen geleitet. Seine Pläne stießen in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats überwiegend auf positive Resonanz. Im Fokus steht ein »Badebus«, der den Autoverkehr reduzieren soll.


Chaos herrschte im vergangenen Sommer an einigen Tagen am »schönsten Badestrand am ganzen Chiemsee«, wie es Anton Stefanutti (Die Grünen) formulierte. Die Parkplätze waren überfüllt, Zufahrten zu den Gewerbebetrieben zugestellt, Versorgungs- und Rettungswege massiv behindert.

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Wie Bürgermeister Marc Nitschke erinnerte, hatte man durch die verschiedensten Sofortmaßnahmen bald alles wieder im Griff, doch der Handlungsbedarf für eine langfristige Lösung blieb bestehen. »Das jetzt erarbeitete Verkehrskonzept soll heute nur vorgestellt werden und als Diskussionsgrundlage für die nächste Zeit dienen«, betonte der Rathauschef.

»Der Chiemsee ist kein Baggersee«, stellte Schlatter gleich zu Beginn klar und spielte damit auf die Bedeutung des Chiemseeufers als sogenannter »Hotspot«, also eines besonderen touristischen Anziehungspunkts, für Einheimische, Tagesausflügler und Feriengäste an.

1600 Parkplätze wären an einem schönen Tag nötig

Nach seiner Berechnung bräuchten die geschätzten 5400 Besucher von Strandbad, Beachbar und Chiemseepark an einem schönen Sommertag täglich 1600 Parkplätze, vorhanden seien aber maximal 1100. Zu lösen sei das Problem laut Schlatter durch die Anmietung zusätzlicher Parkflächen oder durch die Erweiterung der bestehenden. Möglichkeiten sieht er hier vor allem im Ausbau des P&R-Parkplatzes Nummer 10 an der Autobahn.

Für die schnelle Aufnahme, die gute Verteilung und die effiziente Befüllung der neun Parkplätze vom Strandbad bis zum Hafen hält Schaller vier Personen für erforderlich. Ebenso sieht sein Konzept mehr Halteverbotsschilder, eine durchgehende Geschwindigkeitsbeschränkung gleich nach der Autobahnabfahrt, nicht zu überfahrende, seitliche Straßenbegrenzungen und ein Verkehrsleitsystem für die Autofahrer vor.

Schlatter hält diese Maßnahmen allein jedoch nicht für ausreichend. Den Schlüssel zum Erfolg sieht er in einem »Badebus«, der alle 20 bis 30 Minuten zwischen Bahnhof und Strandbad verkehrt, und zwar mit Haltestellen in Feldwies, am Parkplatz 10 und am Dampferanlegesteg. Die Nutzungsbedingungen sollten analog der Achental-Buslinie gelten, wobei als Anreiz bei Nutzern des ÖPNV und des Parkplatzes 10 die Kosten frei sein sollten.

Für die Einsatztage des Busses am Wochenende und an den Feiertagen von den Pfingst- bis nach den Sommerferien fielen für den Bus 700 Euro an täglichen Kosten an, die jedoch durch Parkgebühren refinanziert werden könnten.

Mit der Einführung eines neuen Parkgebührenmodells sieht der Verkehrsexperte eine weitere Möglichkeit zur Lenkung des Autoverkehrs. Für die vorhandenen Parkplätze an der Uferpromenade und am Strandbad hält er einen Euro pro Stunde und fünf Euro für den ganzen Tag für angemessen. Der weit entfernte Parkplatz 10 sollte gebührenfrei bleiben.

Positiv über den »Badebus«, zumindest als Test, äußerten sich die Maria Steinert (SPD), Hans Schönberger und Ludwig Ertl (beide FBL), Stefan Haneberg (ADfÜ), Anton Stefanutti (Die Grünen) und Wolfgang Hofmann (BP). Marco Ehrenleitner (CSU) sahen dagegen die Nutzung des Busses für Familien mit vielen Badeutensilien und für ältere Leute eher skeptisch.

Regelungen für Radfahrer werden noch eingearbeitet

»Wo bleiben die Radlfahrer?«, fragte Christian Huber (ADfÜ) und auch Stefanutti und Ertl vermissten entsprechende Regelungen. Schaller sicherte in der Überarbeitung des Konzepts eine Berücksichtigung zu.

Strikt gegen noch mehr Parkplätze im Uferbereich äußerten sich die Ehrenleitner, Haneberg und Steinert, die sich zudem gegen das »zu städtische Parkleitsystem« aussprach.

Einig waren sich der Verkehrsexperte und Bürgermeister Nitschke darin, dass man erst am Anfang zu einer endgültigen Lösung steht und dass es einer guten Kommunikation bedarf, um eine Akzeptanz der Neuerungen bei den künftigen Nutzern zu erreichen. (Über weitere Punkte der Sitzung berichten wir noch.) bvd