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»Ein architektonischer Offenbarungseid«

3.1
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Ruhpolding – Bis auf den letzten Platz besetzt war das Golfstüberl bei der Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft Zeller Bürger (IGZB) gegen das geplante 400-Betten-Hotel in Zell. Nicht nur Zeller Bürger waren da, sondern auch Mitglieder des Gemeinderats sowie Vertreter der Tourist-Info. Ein Teil der Interessierten fand nur noch im Nebenraum Platz, konnte die Wortbeiträge aber durch die geöffnete Türe verfolgen.


Die Bürgerinitiative (BI) habe sich laut Monika Kloiber eindringlich mit dem »400-Betten-Monster-Hotel-Komplex« befasst und wolle ein Bürgerbegehren zu diesem Hotel aus der »A-Ja«-Kette initiieren.

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Als Moderator und Gastredner der teilweise recht hitzigen Infoveranstaltung fungierte Dr. Michael Schuhbeck, der seine persönlichen Bedenken zur Nachhaltigkeit des geplanten Hotelresorts äußerte. Es gehe bei dem neuen Hotelprojekt um ein »reines Finanzprodukt einer Projektgesellschaft«, so Schuhbeck. Diese habe mittlerweile eine »Rangrücktrittsvereinbarung« getroffen, was ein Instrument sei, »um die Pflicht des Insolvenzvertrags abzuwenden, sobald ein nicht gedeckter Fehlbetrag in der Bilanz ausgewiesen werden muss«.

Firma für Bauprojekt sitzt in Birmingham

Inzwischen sei eine eigene Firma – namens »go along limited« mit Sitz in Birmingham – mit der Entwicklung des Bauprojekts betraut worden. Die deutsche Zweigniederlassung würden zwei Herren leiten, Michael Franke, der in Ruhpolding als Verfechter des Dorfhotels bei einer Veranstaltung im Pfarrsaal bekannt sei, sowie ein weiterer, der durch eine Bestechungsaffäre um die Allianz Arena von sich reden gemacht habe, so Dr. Schuhbeck.

Eine englische Limited sei die schnellste und günstigste Art, eine Firma zu gründen, wenn der Inhaber keine Haftung für die Geschäftstätigkeit übernehmen wolle. Möglicherweise lägen hierin laut Schuhbeck die Ursachen für die sparsame und auch von Mitgliedern des Gemeinderats bemängelten Planvorlagen.

Hans-Jürgen Krieger, Mitinitiator der IGZB, warf dem Gemeinderat vor, das Dorf werde »scheibchenweise verkauft«, noch dazu billig, und es werde mit falschen Fakten gearbeitet. Das »Billighotel« werbe mit 39 Euro pro Übernachtung, aber alles müsse dazu gebucht werden, »da wird der Frust für den Gast mitgeliefert«, sagte Krieger, was letztlich am Ort Ruhpolding hängen bleibe.

Auf seine Aussage, dass in Oberstdorf, Sonthofen, Tegernsee und Garmisch von Gemeinderat oder Bevölkerung ein A-Ja-Hotel dieser Art abgelehnt worden sei, meldete sich aus dem Publikum Gebhard Steinbacher zu Wort: Nach neuesten Infos werde in Garmisch vom Marktgemeinderat gerade Bauland ausgewiesen, um darauf ein A-Ja-Hotel zu bauen.

»Mir geht's ums Bauliche, die Längen, Wandhöhen und den Wirrwarr von Giebeln, alles überdimensioniert«, kritisierte Rainer Grünwald von der IGZB. Für 190 Stellplätze um das Hotel herum wäre der Platz einfach zu schade, so Grünwald. Die Veränderung für den Ortsteil Zell würde so gravierend sein, dass man diese »einfach nicht dulden« könne. Christiane Gloede von der IGZB warf ein, es gebe auch die Möglichkeit »kleine schöne Chalets und nicht solche Kasernen« zu bauen.

»Dem Gemeinderat sitzt die Angst im Nacken, weil die Kassen leer sind«, sagte, Monika Kloiber. Jetzt würde alles »verscherbelt«, ohne an die nachfolgenden Generationen zu denken.

Warum kam keiner zu den Versammlungen?

Hitzig und zum Teil schwer verständlich wurde die Diskussion als Gemeinderat Hermann Hipf von der Vereinigung Ruhpoldinger Bürger der IGZB vorwarf, dass fast keiner von ihnen zu den Monatsversammlungen der Gruppierungen des Gemeinderats oder kürzlich zur Verabschiedung des neuen Haushalts für 2015 gekommen ist, wenn es ihnen doch angeblich um die Finanzen und den Ort gehe. Hier würde nach dem bekannten Floriansprinzip – »Verschone mein Haus, zünd´ das vom Nachbarn an« – gehandelt.

Immer wieder war von den Anwesenden auch zu hören »wir brauchen ein Hotel«. »Ja, aber nicht so eins«, war eine Antwort oder »das ist kein Hotel, sondern ein architektonischer Offenbarungseid«, wie ein anderer meinte. Alfons Pichler, Betreiber einer großen Skischule am Ort, sagte, es gehe ihm nur um den Tourismus. Die ganze Infrastruktur des Ortes sei auf 6000 Betten ausgelegt, inzwischen gebe es aber nur noch 3600. »In ein paar Jahren müssen wir das Wellenhallenbad schließen«, warnte Pichler. Vielleicht gebe es dann auch keine Skischule mehr, weil einfach nicht mehr genug Gäste kämen.

Moderator Dr. Michael Schuhbeck glättete die Wogen nach Kräften und gab zu bedenken, dass es der Zivilcourage bedürfe, um sich bei einer Bürgerinitiative zu engagieren. Monika Kloiber schloss den offiziellen Teil der Veranstaltung mit der Ankündigung, man werde bald wieder von der IGZB hören. gi