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Ein Arbeitskreis soll die Kosten im Auge behalten

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Dieser Hochspannungsmast tangiert das Grundstück, auf dem der neue städtische Bauhof in Traunreut gebaut werden soll. Eine Verlegung der Stromleitung in den Boden würde rund 980 000 Euro kosten. (Foto: Gabi Rasch)

Traunreut. Dass die Entwurfsplanung für den neuen Bauhof weiterentwickelt und die Kostenschätzung von 10,4 Millionen Euro als Richtwert für die weitere Planung angesetzt werden soll, darüber war sich der Stadtrat bei zwei Gegenstimmen einig. Um die Kosten im Auge zu behalten, wurde auf Anregung des CSU-Fraktionsvorsitzenden Reinhold Schroll beschlossen, ein Gremium zu bestellen, das die Bauphase begleiten soll. Das Gremium soll aus Mitgliedern aller Stadtratsfraktionen gebildet werden. Die Fraktionen sollen bis September ihre Vertreter für einen »Bauhof-Arbeitskreis« benennen.


Nach Ansicht von Schroll könnte durch dieses Gremium auch mehr Transparenz nach außen geschaffen werden. Die aktuellen Kosten für den neuen Bauhof, der von der Innenstadt in das neue Gewerbegebiet »Äugelwald« verlagert werden soll, haben in der Bevölkerung hohe Wellen geschlagen, zumal von der Stadtverwaltung bei einer Ermittlung des Raumprogramms ein »Platzhalter« von rund 6,1 Millionen Euro für die Baukosten genannt worden war. Damals war man von der Fläche des bestehenden Bauhofs ausgegangen. In der Zwischenzeit wurde die Fläche aber um ein Vielfaches erweitert. Kostenbedingt erschwerend komme noch hinzu, dass das Grundstück, das sich auf einer gerodeten Waldfläche befindet, entsprechend hergerichtet werden muss.

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Nach Angaben von Ingenieur Martin Grandl, der die Außenanlagen plant, sei der Boden zu wenig sickerfähig und nicht tragfähig. Deshalb müsse der Boden zunächst abgetragen und wieder aufgebaut werden. Außerdem müsse auch der Höhenunterschied zu den angrenzenden Straßen ausgeglichen werden. Ein weiteres Manko, das bei der Planung aufgetaucht ist, ist ein Hochspannungsmast, der das über 15 000 Quadratmeter große Baugrundstück tangiert. Eine Verlegung der Stromleitung in den Boden, würde nach Angaben von E.on 980 000 Euro kosten. Die Stromleitung hat auch zur Folge, dass links und rechts der Leitung ein Sicherheitsabstand von jeweils 20 Meter eingehalten werden muss. Das bedeutet, dass diese Flächen nur als offene Lagerflächen genutzt werden dürfen.

Planungsbüro erstellte drei Varianten

Obwohl die Planer und Fachprojektanten bereits im Bauausschuss und jetzt auch vor dem Stadtrat betonten, bei den Gewerken nach kostengünstigen Lösungen gesucht zu haben, ist unterm Strich eine beachtliche Summe herausgekommen. Vom Planungsbüro kplan wurden für den neuen Bauhof drei Varianten erstellt. Wobei die sogenannte Variante I – bestehend aus fünf Einzelgebäuden - Verwaltungsbau, Magazin- und Werkshalle, Kfz-Werkstatt, beheizte Fahrzeughalle und unbeheizte Lagerhalle – als die kostengünstigere und in der Praxis tauglichste Ausführungsvariante weiterentwickelt worden ist. Die Planskizze weist eine Zufahrt und eine Ausfahrt auf. Die 40 Parkplätze für die Mitarbeiter und Besucher befinden sich außerhalb des abgesperrten Bauhofgeländes. Allerdings weichen die Grundstücksgrenzen vom Bebauungsplanes »Gewerbegebiet Äugelwald« ab. Nach dem Willen des Stadtrats soll aber entlang der westlichen Grundstücksfläche eine einseitige bzw. beidseitige Grenzbebauung zugelassen werden und in die Bebauungsplanänderung, die ebenfalls beschlossen wurde, einfließen.

Keine Kosten-Nutzen-Analyse

In der Diskussion wurde kritisiert, dass dem Stadtrat keine Kosten-Nutzen-Analyse vorliege. Ohne eine solche Analyse tue er sich schwer, eine Entscheidung über 10,4 Millionen Euro mitzutragen, sagte Michael Elsen (CSU). Ernst Biermaier (FW), der sich über die fehlenden Folgekosten echauffierte, regte an, wegen des Bodenaushubs den Grundstücksstandort nochmals zu überdenken. Für Martin Czepan (Grüne) sind nicht die einmaligen Kosten entscheidend, sondern die Folgekosten. Von Berufswegen wisse er um die gestiegenen technischen Auflagen, die ein solches Projekt mit sich bringe, sagte Czepan. Nachdem bislang noch nicht klar ist, welche Art von Heizung zum Tragen kommen soll – im Gespräch ist eine eigene Hackschnitzelanlage – sollte nochmals Rücksprache mit der benachbarten BSH-Herdefabrik gehalten werden, ob die Möglichkeit bestehe, an die Wärmeversorgung des Werks anzuschließen. Der Vorschlag des Grünen-Stadtrats, den auch Claus Ritter (FW) unterstützte, soll jetzt überprüft werden.

Wie den Ausführungen von Bauhofleiter Josef Bernhofer zu entnehmen war, wird man nicht drum herum kommen, für den Bauhof weitere Mitarbeiter einzustellen. »Die Aufgaben werden immer mehr, wir werden die nächsten Jahre das Personal erweitern müssen«, sagte Bernhofer, der gleichzeitig die derzeit beengten Verhältnisse im Bauhof herausstellte. »Wir müssen erst zwei Autos rausfahren, damit wir ein anderes rausfahren können.« Fakt sei, dass der jetzige Bauhof schon viel zu klein geplant worden sei. Mit der aktuellen Planung könnte eine Größenordnung erreicht werden, die für die nächsten 50 Jahre ausreiche.

Bernhofer sprach auch das Sanierungs-Gutachten an, das vor rund drei Jahren für den jetzigen Bauhof erstellt wurde. Eine Sanierung würde das Problem, dass der Bauhof viel zu klein sei, nicht lösen. »Wir stecken fünf bis sechs Millionen in die Sanierung rein und in zehn Jahren wieder.« Bürgermeister Franz Parzinger betonte: »Wir sollten zukunftsorientiert denken, denn die Aufgaben des Bauhofes werden nicht weniger.« Unter anderem stellte er die Veranstaltungen, den Straßenausbau und die neuen Bau- und Gewerbegebiete gegenüber, die unterhalten werden müssen. Diese zusätzlichen Aufgaben bedeuten letztendlich mehr Geräte und mehr Lagerflächen für die tägliche Arbeit. Mit Ausnahme von Sepp Winkler und Gabi Liebetruth (Bürgerliste) war sich der Stadtrat letztendlich einig, die Entwurfsplanung weiter zu entwickeln und die detaillierte Kostenschätzung als Richtwert für die weitere Planung anzusetzen. ga